kip. 69.
9. OKI. 1897.
Aus den Briefen Jaussens an Pfarrer AndreasSchneider in Berngau .
G In der weitem Ocffcntlichkeit dürfte es wenigerbekannt sein, daß der am 30. Dezember des vorigenJahres gestorbene Pfarrer von Berngau , Herr AndreasSchneider, zn des seligen Janssen vertrautesten Freundenzählte. Im Jahre 1869 weilte derselbe mit einer kurzenUnterbrechung, während deren er den Pfarrconcnrs machte,mehrere Monate, vom 7. April bis 21. November, iuFrankfurt und betrieb hier unter der unmittelbarenLeitung des berühmten Geschichtschreibers historische Stu-dien. Er beschäftigte sich neben der allgemeinen Geschichts-wissenschaft eingehender mit dem Zeitalter Kaiser Maxi-milians I. und dem Josephinismus und verfaßte außereinigen kleinern Arbeiten eine größere Abhandlung „DerKlostersturin in Oesterreich unter Joseph II. ", die alsBroschüre 1869 iu Frankfurt erschien. Verschiedene Ar-tikel veröffentlichte er in der damals vonDr. Nieder-mehcr herausgegebenen „Kath. Bewegung", im „Katho-lik" u. s. w.
Janssen scheint ihn, nach dem vorhandenen Brief-wechsel Jaussens und den schriftlichen AufzeichnungenSchneiders zu schließen, recht lieb gewonnen zu haben,und ergeht sich in den anerkennendsten Ausdrücken überden strebsamen Kaplau. Er hielt große Stücke auf ihnund hoffte, in ihm eine Stütze für seine zahlreichen Ar-beiten zu finden, einen Berather, mit welchem er seinehistorischen Werke besprechen konnte.
Während der kurzen Spanne Zeit, die Schneider inFrankfurt zubrachte, entwickelte sich zwischen beiden eininniges Freundschaftsverhältniß, das bis zum TodeJaussens währte.
Ende November 1869 kehrte Schneider wieder inseine Diöcese Eichstätt und zur praktischen Seelsorgezurück. Janssen ließ ihn allerdings nur ungern ziehenund machte mehrere Versuche, seinen „lieben, treuenFreund" wieder in seine Nähe zn bringen. Sein Wunschwar es besonders, er möchte als Pfarrer von Niedcrradbleiben, wo sich Janssen während der Sommermonategerne aufhielt. Doch dieses sein Verlangen scheiterte andem Willen Schneiders, der es vorzog, in der eigenenDiöcese Zu wirken. Allein ganz scheint auch ihn selbstdie Erinnerung an Frankfurt und seinen dortigen Freund,oder vielmehr die Liebe zum Gcschichtsstudinm, nicht ver-lassen zu haben; wenigstens drückt Carl Bansa in einemBriefe an Schneider vom 29. Januar 1872 seine Freudedarüber aus, daß er sich, dem Verlangen Jaussensfolgend, um die durch das Ableben von Professor Dr.Niedermeyer erledigte Stelle eines Administrators desDeutschen Hauses in Frankfurt gemeldet habe. Da jedochaus der eigenen Diöcese nicht weniger denn 8 Bewerb-ungen einliefen, trat Schneider zurück; Janssen gab jedochseine diesbezüglichen Versuche nicht auf, freilich ohne seinZiel zu erreichen. Schneider lehnte ab, zumal in Preußen die Dinge anfingen, weniger gemüthlich zn werden, undder Cnltnrkampf seine schönsten Blüthen trieb.
Wie enge nun Schneider während seines Aufent-haltes in Frankfurt seinem Freunde aus Herz gewachsenwar, zeigt sich in den Briefen Jaussens an ihn. Wieder-holt brückt dieser den Gedanken aus, welch großer Ver-lust sein Weggang von Frankfurt für ihn gewesen undwie gerne er ihn wieder in seiner Nähe hätte. „Es
ist schade, lieber Schneider", schreibt er ihm am 1. Juni1870, „daß Sie nicht mehr hier sind und wir unserehistorischen Werke nicht gemeinsam mehr besprechen können."
„Wie oft", heißt es in einem Schreiben vom9. August desselben Jahres, „sprechen wir (Bansa,Steinle. . .) von Ihnen und wünschten, daß Sie nichtvon hier weggegangen wären. Die Freunde fragen oftnach Ihnen, insbesondere auch Familie Bansa. WärenSie doch nur hier geblieben als Pfarrer von Nieder-rad." Am 30. April 1871 schreibt er ihm: „WennSie hörten, wie oft ich von Ihnen spreche, und wüßten,wie sehr ich Sie hicher zurückwünsche, so gäben Sie dochIhren Glauben an diese Freundschaft keineswegs auf.Wirklich, lieber Schneider, ich wünsche Sie sehnlichst hieherzurück und mache nur noch immer Gedanken, ob es dennnicht möglich wäre, daß Sie die Stelle in Niederrad ,die noch immer unbesetzt ist, annähmen." Diese Sehn-sucht Jaussens läßt sich leicht erklären, wenn man weiß,wie vereinsamt sich Janssen fühlte, da er fast niemandenbesaß, niit dem er über seine Arbeiten conferiren konnte.„Unser guter Professor Wsdewcr ist nach langem, schweremLeiden am 16. April gestorben," schreibt er im nämlichenBrief, „für mich eine neue Lücke, da ich ihm seit 17Jahren nahe stand. Ich bin hier wirklich einVereinsamter. Wie gerne ich Sie hier in meinerNähe hätte, kann ich Ihnen nicht genug sagen." Am7. Juli 1872 spricht er sich folgendermaßen aus: „SeienSie versichert, daß ich Ihnen treu ergeben bleibe undoft an Sie denke. Mit Dankbarkeit erinnere ich michnoch an die Zeit Ihres Aufenthaltes in Frankfurt, womir erfrischender und anregender Umgang, wie Sie richtigherausgefühlt, besonders was meine historischen Studienbetrifft, so vielfach gebricht, manches mir auch mit jedemJahre fremder wird." In einem M'iefe vom 30. April1874 heißt es weiter: „Ich habe ein inniges Verlangen nachIhnen und nach Ihrem wohlthuenden Verkehre." Jaussensmittheilsame Natur wollte eben einen lieben Freund, derdie Sorgen um seine vielen Arbeiten theilen, mit dem er siebesprechen und dem er sie vorlesen konnte. Zn diesemZwecke war ihm Herr Schneider in kurzer Zeit sehrwerthvoll geworden. „Hier stehe ich geistig sehrisolirt", schreibt er wiederholt, „fast mit niemandkann ich über meine Arbeiten sprechen. Wie oft habeich gesagt, wäre doch mein lieber Hanskaplan noch hier."
Als Janssen erkannte, daß Schneiders Rückkehr nachFrankfurt kaum mehr möglich sein werde, schrieb er ihm:„Ich habe oft ein rechtes Verlangen nach Ihnen, dochdas ist ja nicht mehr zu ändern, und wir wollen wenigstensim Geiste und im Gebete treu mit einander verbundenbleiben." Sie sind es auch geblieben. Ueber seinenAufenthalt in Frankfurt hat Schneider ein genauesTagebuch geführt, das sich noch unter seinen hinter-lassenen Papieren vorfand. Auch die Briefe, welcheJanssen im Laufe der Zeit an ihn schrieb, hat er genauund sorgsam aufbewahrt. Das Interessanteste aus ihnenwollen wir demnächst mittheilen.
Die Passiv des hl. Flvnan und einige andereLegenden.
Von Dr. Bernhard Scpp.
Dies also ist das neueste Resultat moderner Lcgenden-kritik, daß die Passiv des hl. Florian, welche selbst ein