Ausgabe 
(9.10.1897) 59
 
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NettbcrgJoch für echt hielt, eine Fälschung ist.Bruno Krusch in Hannover hat es bewiesen/) ProfessorA. Ehrhard in Wiirzbnrg bestätigt und Laudcsgerichts-rath I. Strnadt in Kremsninnstcr nicht st orsti ver-kündet?) Damit ist diese Passio begraben wenigstensfür die Leser der Münchner Allgemeinen Zeitung. 1i. 1.Ich

Aber welches sind denn eigentlich die Argumente,die Br. Krusch für seine Behauptung beigebracht hat?Ich will sie mit seinen eigenen Worten anführen.

I.Hass (8o. 8. Irena« Lirmisnsm aeta) lAori-ani bioZrapIius ita sxpilavit, nt initiv utra<ins aclverbum ooneoräent aeta."

Hiezn bemerke ich Folgendes:

Die Anfangsworte der lateinischen Version der Passiodes hl. Jrenäns, Bischofs von Sirmiiim/) werden vonRuinart alseollsotoiis xroloFuo" bezeichnet, d. h. siesind nach seiner Meinung nnr eine einleitende Phrase desSammlers und gehören nicht, wie das Uebrige, zu denPräsidialaktcn". Dies beweist schon ihre wenig präciseFassung, denn kein Zeitgenosse würde in so unbestimmterWeise von den Zeiten des Diokletian und Maximian, wie von längstentschwundencn, gesprochen haben! H Ganzähnlich lautet der Eingang der Passio des hl. Julius,eines römischen Soldaten, der nach 26jähriger Dienst-zeit zu Dorostornin (Silistria) in Mösicn gemartertwurde?) Auch der Schluß dieser Passio stimmt in derStilisirnng anf's genaueste mit den Schlußworten der?L88io 8. Ironaei übercin?) Es ist also die Möglich-keit gegeben, das; sämmtliche drei Passionen von einemund demselben Sammler und Redacteur herrühren, derechte Aufzeichnungen zn Grunde legte.

Damit verliert aber das Argument Krnsch's seineBeweiskraft, denn im Ncbrigen ist der Inhalt der beidenvon ihm verglichenen Legenden ein so grundverschiedener,daß kaum von einer Achnlichkeit derselben gesprochenwerden kann.

In der ?ns8ic> s. Irsrmsi tritt uns ein jugend-licher Bischof griechischen Namens entgegen, der Weibund Kind hat und, weil er sich zu opfern weigert, erst wie Bischof Quirinus von Siscia mit Knüttelngeschlagen, dann auf Befehl des Präses Probns vonNicderpannouicn mit dem Schwerte durchstochen wird,ehe mau seinen Körper über die Brücke in die Bossnth

') Kg. D. I. 157.

, H Ll. 6. 8er. rsr. LIsrov. III, 65 8g. (1896).

ch Ocstcrr. Lit.-Bl. d. Leo-Gesellsch. Nr. 15 S. 150 f.(1. Aug. 1897).

ch Beil. z. Allg. Ztg. Nr. 202 S. 1 f. (7. Scpt. 1897).ch S. Ruinart H,eta LIart. (Verona 1731) x>. 356. Dergriechische Text des Prologs lautet ganz anders s. Roll.

88. Nart. III, Nachtrag p. 23, Dambsoin8, domm. clsbibl. dass. Vivckob. t. VIII (Wien 1782) p. 436 f.

°) Wie ein echtes Protokoll begann, beweisen die Aktedes Märtyrers Enplus bei Ruinärt x>. 361: Dioelotiavoooviss st Llaximiavo oetiss oou8vUbu8 xrickio läus rk.ci-xrrbti in datanonÄum eivitats oto.

^) S. Ruinart p. 482: lempoi's perseentioicks gnanckoglorios» oei-tamiva Lckslibns oblata psrpstua xromissaex8povtabavt aeeixoro, tnuo eomprohoo8U8 llulius ote.

ch Er lautet (ebenda x. 483): Llart^ri 2 atv 8 S8tantom vonorabills Dei kämulns Inliiis apnck provinvi'amZloesiam in eivitats Doro8toron8s äis VI Lal. luv.aASirtoLIaximoprsoicks roZ-navts Domino uootrockoouddriotoeuiAloriaivZaeeulaoasouIornm.^mon. Die gesperrt gedruckten Worte stehen auch in derlall Dassio s. Irenasi; in der Dassio s. Dloriavi dagegenheißt es am Schlüsse:Leta sunt antom Hase", ebenso inden Akten des hl. Pollio (bei Ruinart x. 360) und in dergriech. Version der Dassio s. Ireuaei.

(La.8sutr3),b) die bei Sirminm in die Save mündete,hiuabwirft.

In der ?L88io 8. küorirwi dagegen begegnet unsein alter Soldat gntröniischcn Namens, der xriuosxm1s§ioui8 ^) gewesen war, aber den Kriegsdienst verlassenund in Ostium") sich angesiedelt hatte, von wo er aufdie Nachricht, das; in Imuriacmm?") eine Christenver-folgnng ausgebrochen sei, herbeieilt, um sich ebenfalls alsChrist zu bekennen. Nachdem er zweimal mit Knüttelngeschlagen ist und seine Schultern mit eisernen Nagelndurchbohrt sind, befiehlt der Präses Agnilinus von biori-eum riponss,") ihn zu ertränken. Schon binden ihmdie Soldaten einen Stein um den Hals, aber noch zögernsie, den Befehl an ihrem alten Wafsengefährten zn voll-ziehen. Da nachdem er etwa eine Stunde lang ge-betet hat eilt ein junger Offizier erzürnt herbei undstößt ihn über die Brücke in die Enus hinab. Aber dasWasser wirft die Leiche an's Land, und eine MatroneNamens Valeria bestattet sie in der Nähe.")

In der That, der Fälscher hatte eine wunderbarePhantasie'5) und wußte seine Quelle geschickt zu ver-bergen; man müßte höchstens eine Spur derselben nochdarin finden, daß hier wie dort der Präses einenNichtersprnch fällt (sententinm cint) und Florian,wie Jrenäns, vor seinem Tode die Hände zum Gebet(wie die Orantcn auf altchristlichen Fresken) zumHimmel emporhebend (sxtsnclens rnnnus 8uasacl soelum)") seine Seele Gott empfiehlt. Wie merk-würdig!

II. ,0n8tri, ubi stiorianus MZ8U8 6886 isrtur,in Diorlco rixonbi sttt nowsn Imvorinsuiir acl ms-cliuin asvunr rsksrsncluin sst."

Ein ganz wcrthloses Argnnient, denn jeder, der mitHandschriften sich befaßt hat, weiß, daß die Eigennamendarin selten unverändert gelassen, sondern meist nach derAussprache der Zeit umgeformt sind. So z. B. lautet

ch Lei Plinius imt. di.-zt. III, 28, 2 lautet der Namedes Flusses: Daeuntiv8; vgl. Lohnte, lab. Denll;Do88g.nti8, Viion. Itav.; daput Dossnsis, Hot. ckiAvit.

'ch Vgl. Mommseu d. I. D. ID, 1 ll. 3501 gefundenbei Pesth: lt. InI. Llaseulu« Drill(eop8) lls^(ioiiis) II^cli(uti-ioi8). Gemeint ist der erste Centurio der Legion( primipjlns s. Vo^ot. cko ro mil. II, 8), welcher dernächste nach dem Tribun war und zum Rittterstande zu-gelassen wurde.

") Das ehemalige römische Municipium Helium ds>Lvw ist (nach Mommseu O. I. D. DI, 2 x>. 684) in Mäu-lern bei Krems zu suchen.

'ch Dauriaonm (h. Lorch) war der Standort der Ds§. IIItcrliea Dia Dläslis, vergl. Mommseu a. a. O. u. 5671,5681, 5682.

'ch Diokletian hatte kurz vorher (i. I. 297) die Pro-vinz Aorioum in Xoricmn i-ixsv8o und Diorieum msät-isrianoum getheilt. Woher wußte dies der Fälscher?

") Nämlich am linken Ufer des Jpfbaches, wo seitunvordenklichen Zeiten eine Kirche des hl. Florian steht,s. unten.

'ch Anderer Meinung war Wattenbach, der (D. G.6. Aust. 1. Bd. S. 42) von einer Dürftigkeit der Phantasiedes Mittelalters spricht und mit derselben kühnen Sicher-heit, wie Krusch, die Legende des hl.,Florian für eineNachbildung der I'assio 8. tzuiriui erklärt, die schonHieronymus in seinem dkronieon benützt hat (s. Migncü. D. 27 ool. 667, vgl. Ruinart p. 439). Und doch kannes bei dem Wasser-reichthum der Süddonaulande nichtauffallen, wenn Florian, wie Quirinus und Jrenäns,ertränkt wurde.

") Derselbe Ausdruck findet sich in den aota s. DoUliouis, Dup!>, .lulii (a. a. O.); er gehört schon dem klas-sischen Sprachgebrauch an, s. Div. 8, 20; 23, 3.

") Vgl. die Sera s. Lnxli a. a. O.