Ausgabe 
(9.10.1897) 59
 
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der Name des hl. Nupert im Salzburger Verbrnderilngs-buch Iiroclxörhtiw, im ältesten Salzburger Martyro-loginm, dem inclianlus ^.rnouis, der eonvsrsio IInF.st Oar. und in der Grazer vita: Iirockbertna, in denCorlixnti d. I. 1120, 1165, 1186: Ikonctdertns,Rnclbsrtu3, Ruoäbertus, die merowingische Naincns-form dagegen war: Oiiroäoixzrektns (vergl. I'grt?,AI. O. Vixlvn». n. 36, 66, 82). Hieraus folgt, daßaus der Namensform höchstens das Alter der betreffen-den Handschrift, nicht aber die Lesart des Originals er-schlossen werden kann. Uebrigens lautet der Name imBerner Codex des Ala-rtyroloxinm Ilioronvminnun»(verfaßt ca. 770), dessen Schreiber nach Krusch a. a. O.S. 66 den Text unserer krrssio 8. 1'Ioriniribereits vor sich hatte,") ganz richtig Lmurinonm,ein Beweis, daß Imvoriaeum nur eine Entstellung desCopisten") ist.

III.Do 8. ffioriono in Priors wart^roloZiiHisrvnz'iniani rocensioiiö altum ost kilontnim sia-guli^uo postsrioris eoäices cio eo ininims intsr 86convoniunt."

Dieser Einwand tvärc schwerwiegend, falls er be-gründet wäre. Dem ist aber nicht so. Krusch hat näm-lich übersehen, daß der Passus des Martyrologiums, dervon Florian handelt, in der Externacher Handschrift, dienoch zu Lebzeiten des hl. Willibrord (gest. 739)verfaßt ist, unter dem vorausgehenden Tag(V non. Nai.) berichtet w!rd,-°) ein Versehen, das indiscin Codex, wie in dem Weisseubnrger (geschrieben 772),wiederholt begegnet. Abgesehen von diesem Verstoßeherrscht unter den genannten drei ältesten Handschriftendieses Martyrologiums der schönste Einklang, und es stehtdaher außer Zweifel, daß der Name des hl. Florianschon in der erstell Recension desselben, die nach Krnschim Jahre 627/28 in Burgund entstanden ist,-H vor-handen war?-)

Diese Thatsache ist aber von der größten Tragweite,denn das AIartg'ro1o§inm Ilieronz wiavuill lag in dieserForm, wenn wir von den deutlich erkennbaren Einträgenaus den Calcndarien von Lyon, Auxcrre und Antunabsehen, sicherlich schon Gregor d. Gr.-H und Cassiodor-°) vor und ist durch seine Uebereinstimmung mit dein aa-laväariurn Romnnnm und dem syrischen Martyrologinmvom Jahre 412-°) auf's beste beglaubigt.

Aber die Erwähnung des hl. Florian in der ältestenRecension des Alartvrolo^iuin Iliaronvinlnnnm ist

") .Krusch nimmt daher au, daß uu>ere Pcmio umdie Mitte des 8. Jahrh, entstanden sei. Wer in alterWelt mag in dieser Zeit der ärgsten Sprachverwitderungein so gutes Latein geschrieben haben!

^) Die Form Vavoriacnm ist nur dadurch entstanden,daß dem u später ein o überschrieben und der Diphthongan dumpf wie ao gesprochen wurde. Dieselbe Namens-form steckt in dem verderbter! Wort svswboriselsaco dertob. l?ent., und dennoch wird kein Vernünftiger bestreiken,daß die tab. Laut. auf ein römisches Original zurückgehe.

-°) S. voll. V. 88. Xov. II, 1 p. Mt.

2') S. Neues Archiv XX S. 438.

'*) Von einer späteren Interpellation im Wcisscn-burger Codex kann keine Rede fein; der Name Llorünmsist hier nur in die falsche Zeile gerathen.

"y S. voll. a. a. -O. st. sXVIs 8g.

"ö S. Vp. VIII, 29 (Llismo 77 col. 930 f.), Jasfe-Wattcnbach 1517 aus d. I. 698.

Vergl. Oo in8tit. cliv. lii. eap. 32 (DIi§no 70 col.1147) aus d. I. 544.

-°) S. voll. a. a. O. x. sXvVIll) 8g. und p. svlis 8g.Es ist undenkbar, daß das Material zu dieser großartigenCompilation rn Gallien vorhanden war.

keineswegs das einzige Zeugniß für die Thatsächlich^seines Martyriums, auch die Grabinschrift jener Valeria,welche einst den hl. Florian laut der Passiv bestattete'und sich nach altem Brauche an der Seite des hl. Mär-tyrers beisetzen ließ, ist noch heute an Ort und Stellevorhanden.

Allerdings behauptet Krnsch a. a. O. S. 70 Nr. 2,daß diese Inschrift erst im 13. Jahrhundert entstandensei, und er beruft sich hiefiir auf Friedrich Kenner , dersie im Archiv für österreichische Geschichte Bd. 38 S. 175 f?ausführlich besprochen hat. Aber er macht sich dabei einergroben Verdrehung der Worte dieses Gelehrten schuldig/Denn Kenner sagt über den Stein vielmehr Folgendes:Die Inschrift ist in ihrem wesentlichen Theile bisherdas einzige altchristliche Denkmal in Obcrösterrcich undmit Ausnahme der Grabsteine von Agnileja wohl dasälteste derartige in der gesammten Monarchie, soweitman ihrer bisher kennt und soweit man sie datiren kann.Sie lautet in der ursprünglichen Tcxtirnng:

vH0X48 VI4I VLL08IOI6

VVI,LML - VII) VI'.

Die schlichte Einfachheit des Textes ist genau vonder Art, wie man sie auf den altchristlichen Grabsteinenin den römischen Cömeterien findet. Allein die äußereForm ist abgeändert worden, und zwar sowohl durchspätere Zusätze als auch in Rücksicht aus die Buchstabeii-sorm. Als Zusätze sind zu betrachten: ein kleines Kreuzam Eingang der ersten und ein 8 (snnotao) am Ein-gang der zweiten Zeile."

(Nun folgt der Nachweis der Echtheit der Charak-tere aus clo Ho88i Irmvr. cüirwt. irrst. Itomaa I; dannfährt Kenner fort:)Alle diese Charaktere treffen zu-sammen auf die Jahre 340 350 n. Chr. Sei es, daßValeria in diesem Jahre starb, oder daß damals ihrGrabmal gearbeitet wurde.

In späterer Zeit ist die Inschrift rcstaurirt worden;es blieb dabei die ursprüngliche Form des H gewahrt,alle Buchstaben erhielten aber das Aussehen von gothischenMajuskeln, wobei die schon ursprünglich runden Formendes AI und L völlig in gothische Lettern übergingen.Der berühmte Epigraphiker Kavaliere de Rossi erkenntdaher die Echtheit des Steines in seiner ursprünglichenFassung an, versetzt aber die Zusätze und die Ausstattung,in der sie noch erhalten ist, in das XIII. Jahrhundert.-^)

. .. Sicher aber hat man damals die Inschrift nicht er-funden; denn in jener Zeit würde man weder die römischeDatirnngsweise befolgt, noch den Text so schlicht abge-faßt haben, man würde vielmehr die Verbindung Valeria'smit der Legende vom hl. Florian hervorgehoben und ihreFrömmigkeit gepriesen haben." Da de Rossi ein bessererKenner altchristlicher Inschriften war, als Mommsen ist,so wird die Echtheit dieses Steins wohl kaum mehr inAbrede gestellt werden können. Sie verbürgt aber zu-gleich die Echtheit der Grabstätte deS hl. Florian, derStift und Markt St. Florian in Oberösterreich ihre Ent-stehung verdanken.

Doch Herr Strnadt bestreiket ja, daß mau im

'0 Wie Kenner wahrscheinlich »nacht, hängt die Ucber-arbeituug der Inschrift mit der Transferirnng des Sargesder Valeria nach dem Kreuzaltar und mit der Nen-Ein-weihung der Kirche i. I. 1291 zusammen. Heute befindetsich der Stein ebenso wie der Sarg und die Reliquiender Valeria in einer Kammer »leben der Krypta (feit1751). ....