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Mittelalter die Grabstätte des Heiligen gewußt habe.Zwar lesen wir schon in einer der ältesten PassauerTraditlonsurtnnden ^) eines iiresk^tor RoZinoIk^") p;-Worte: in loco nunLupanto ad kuoolio, nsti xrs-eio8N3 rnart^r I^Iorinnns corpors rec^nissoit, aberdiese Notiz bringt nach seiner Meinung nur „die per-sönliche Ansicht des Schreibers (im 9. oder 10. Jahrh.)zum Ausdruck" — gleich als wenn eine „persönliche An-sicht" nicht auch richtig sein könnte.
Zudem kehrt dieselbe Nachricht in einer UrkundeLudwigs des Kindes vom 19. Januar 901 (s. Llon.Loioa XXXI, 1 S. 162 n. 80, vgl. Mühlbachcr IköA.Ilri-rol. n. 1942) wieder: „ad supra-rcrixtuin snaro-oanotuM locnm — 8v. snnoti k'Ioriani inart^rismonL8t6rinm — in hno oiusdein h>oLtis8iini raar-t^ris eorpug vönoiabüitsr üuwatum äst." Schon ineiner Urkunde Ludwigs d. Fr. vom 28. Juni 823 (vgl.Mnhlbacher a. a. Ö. n. 753) ist von einer eeltuia,8. li'ioriani die Rede, die sein Vater, Karl d. Gr., anPassan geschenkt hatte, und Avcutin annnl. I-oior. IV, 9versichert, daß er in Münchsmimster ein Buch gesehenhabe, das !m Jahre 819 in St. Florian geschrieben war.Also schon zu Anfang des 9. Jahrhunderts bestand eineArt klösterlicher Niederlassung in St. Florian , die sichspäter zu einer „aonZraZatic» oleriLorurn ibidem inloco dis iwotuguo sarviantium" erweiterte, s. Älon.Loica, XXVIII, 2 n. 36, vgl. I. Stnlz, Gcsch. d. rc-gulirten Chorhcrrnstifts St. Florian, Linz 1835 S. 203n. III „in sastentationam Irntrum ibidem dominolawulnntinm".
Diese Zeugnisse beweisen klar, daß sich der Cultdes hl. Florian ebenso gut, wie der des hl. Maximilian(s. indio. ^rnon. VIII, 1 8y. brev. not. Lalwb.III, 1 ke;.), über die Zeiten der Völkerwanderung hinauslebendig erhielt, dank den christlichen Romanen, welcheihre Grabstätten niemals aus dem Auge verloren hatten.Denn „am festesten haftete immer die Erinnerung amGrabe der Heiligen" (s. Wattenbach a. a. O. S. 43)?°)(Wird fortgesetzt.)
O In dem achten Hefte der „Neuen kirchlichen Zeit-schrift", welches am 1. August d. I. ausgegeben wurde,ist zu lesen:
--) S. blau. Loio. XXVIII. 2 S. 35 n. 38. Auf einsehr hohes Alter dieser Urkunde weist schon die Aus-drucksweise hin: „lu so vero dis moueutibus OtlmrioVooato exiseopo uua> oum kidstibus suis", wozu sichnur noch in u. 78 eine Parallele findet: „in pLta-ia eivi-tate, guando erebantridus (Vorgänger des Oktarius) vo-oatus 6PI8L0PU8 oum suis kidslidns ibidem kuisset."
") Nicht Eginolf, wie Strnadt schreibt. Er kanndaher auch mit dem Donator Eginolf d. I. 772 — derübrigens nur in der Phantasie des Herrn Strnadt existirt!— nicht identisch sein. Nebenbei geben wir diesem Herrnden Rath, sich ja mit der Legendenkritik nicht mehr zubefassen, denn es fehlt ihm eine gewisse Akribie undbarmt alles, was zur Prüfung der Echtheit einer Legendenöthig ist.
°°) Wie berühmt der hl. Florian war, beweist nichtsbesser, als der Umstand, daß ein späterer Ueberarbeiterder Legende des hl. Florentius seinen Heiligen der Namens-Khnlichkeit wegen für einen Bruder des hl. Florian aus-gibt und an dessen Passiv anknüpft — eine Entdeckung,welche bereits die Bollandisten gemacht hatten (s. X. 88.Usi. ti. I p. 462 v. 8 8ext. t. IV v. 412 II. 11). Auchwurde seine Passiv auf einen anderen klm-larms übertragen.
doch wieder Luther zur Milde gestimmt, und Luther hatteversprochen, an den Papst zu schreiben; er stand aber da-von ab, als die Bulle veröffentlicht war. Auf vielesZureden des Miltitz und der Vermittlungspartei schriebLuther schließlich doch an den Papst Leo X . Der Briefmuß nach dem 13. Oktober 1520 geschrieben sein;Luther setzte aber das Datum vom 6. Septemberdarunter, um die Bulle unberücksichtigt lassen zu können.Er fügte dem Schreiben seine mildeste reformatorischeHanptschrift (seine dritte: ,Von der Freiheit eines Christen-meuscheM) bei. Trotz aller Milde und Unterwürfigkeitim Briese bleibt er doch in Bezug aufs Schrift-princip fest. Nicht gegen die Person des Papstes habe eretwas Böses vorgenommen, sondern nur den „RömischenHof" habe er angetastet, und „umb des göttlichen WortisWahrheit willen" sei er angetreten. In allen Dingenwolle er jedermann gern weichen, aber „das Wort Gottiswill ich und mag ich auch nicht verlassen noch verleugnen".Er vergleicht Papst Leo mit Daniel in der Löwengrubeund Ezechiel unter den Skorpionen: Dem römischen Hofsei nicht zu helfen, darum .hab ich ihn veracht, ein Ur-laubsbrief gcschcukct und gesagt: Ade, liebes Nom, stinkfortan, was da stinkt, und bleib unrein für und für,was unrein ist (Offenb. 22, II); hab mich also begebenin das stille gerügt Studieren der Heiligen Schrift, da-mit ich forderlich wäre denen, bei wilchen ich wohnet?
Kolde steht in dem Hange Luthers, den Wünschender Vermittler und Freunde soviel als möglich Rechnungzu tragen, mit Recht etwas „Melanchthonisches". Sicher-lich wird einiges von Luthers Milde und Nachgiebigkeitin dieser Periode wie auch später auf die Rechnung vonMelanchthonS Einfluß zu schreiben sein, mit dem Lutherja immer inniger befreundet wurde; denn wie konnte eran den Papst so schreiben, wo er doch wenige Tage vor-,her in einem Brief an Spalatin sagt, daß der Papstder Antichrist und der Sitz Satans (!I) sei. Lutherist eigentlich nur zu entschuldigen, wenn wir bedenken,daß er das Datum um fast zwei Monats zurückrückteund sich gewissermaßen in seine damalige Anschauungs-weise hineinzuversetzen suchte.
Daß Luthers Forderung eigner Schriftsorschuugauch von den Laien und seine eigne rastlose Thätigkeitin Schrift und Wort schon damals segensreiche Früchtegetragen, beweist sein aus jener Zeit stammender Briefan Hicron. Mühlpfort, Stadtvogt in Zwickan.
Leos gegen Luther erlassene Bannbulle Lxsui-AoVowinv enthält übrigens eine schlagende Bemerkungüber Luthers Stellung zum Concil: „trnstra. otiarnLoiigilii auxilium iviploiavit, <gni illi 80 von orodsraxulam, xroütetnr". Damit ist Luthers eigentlich aufdie Dauer unhaltbare Stellung treffend gekennzeichnet,denn er wird sich auch nicht einem Concil unterordnen,das sich gegen seine Lehren ausspricht, weil es danndie Schristworte nicht in seinem Sinne verstehen wird.
Endlich konnte Luther an der Echtheit der Bulle nicht mehr zweifeln, und Anfang November 1520unternimmt er einen scharfen Feldzng gegen die Bulle selbst und den Papst in der Schrift: „Wider dieBnlle des Endchrists". Er vertheidigt sich mitGründen der Schrift und sagt entrüstet und beißend vonseinen Gegnern, den „römischen Buben": „sie wissen
dessen Gebeine i. I. 1183 durch Egidius — später Bischofvon Modena — nach Kratcni gebracht wurden, s. Xnn.I?olon. 21, 6. XIX x. 626.