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bechers (Pyxis) aus dem 4. Jahrhundert aus dem Ber-liner kgl. Museum, von der Mosel stammend, in Elfen-beinschnitzerei darstellend: Jesus auf dem Throne imKreise der zwölf Apostel, Petrus allein auf einen» Stuhlezu Füßen Jesu sitzend, mit Abrahams Opfer als Schluß-stück. Ein ganzseitiges Tafelbild führt uns einen herr-lichen idealen Christuskopf vom Gemälde der Verklärungvon Raphael aus der vatikanischen Pinakothek vor Augen.Demselben folgt ein Christnsmonogramin aus dem 4. Jahr-hundert. Ein weiteres Bild ist eine Copie des Gemäldes„Die Trennung der Apostel nach dem Concil von Je-rusalem" vom Dichter und Maler Gleyre in der Kirchevon MontargiS in Südfrankreich . Dem schließt sich dasausgezeichnete ganzseitige Porträt des Cardinals Ledo-chowski, des Präsecten der Propaganda, an. Es folgenzur Illustration der Biographie Leo'S XIII. Ansichtenvon Carpineto, dem Geburtsorte Leo's XIII., vonViterbo , wo er seine ersten Studien verlebt, und vomOaUogium Rvmrrnum und der Xocaäemin äei nodiliLoclesiastioi, wo er seine Studien vollendet hat. Wirfinden da das Geburtszimmer des Papstes, ein Gemälde,seine Taufe vorstellend, die Ansicht des Palastes der Pecciin Carpineto, die Porträts des Großvaters, des Vaters,der Großmutter und der Mutter Pecci's, von welch'Letzterer wir erfahren, daß sie ein Nachkomme des be-rühmte» italienischen Volkstribnns Cola di Ricnzi ist.Dazu macht Mous. de T'Serclaes die Bemerkung: „DerPapst der socialen Frage stammt aus einem früher re-volutionären Blute, das durch den Lauf der Jahrhundertesich beruhigte, obschon es heute noch belebt ist durch einenHauch volksthnmlicher Kühnheit." Wir finden weiter dasPorträt seines von sechs Geschwistern einzig verheiratetenBruders Johannes Pecci (ch1882), endlich eine herrlicheGcsammtanficht Carpineto's, das Facsimile eines Briefesdes Papstes als neunjährigen Knaben an seine Mutter,einer von ihm eigenhändig als Jüngling eingegrabencuInschrift zu Ehren Maria u. s. w.
Aus diesen Andeutungen schon ergibt sich die Ahnungder Fülle des Interessanten und Denkwürdigen, welchedieses Prachtwerk enthalten wird. Es wird nicht nurein Denkmal für die Kirche, sondern auch ein Denkmalfür die katholische Wissenschaft und Kunst, sowie für dieösterreichische Leogesellschaft sein. Nun bleibt nnS nurnoch der Wunsch und die Aufforderung an alle unsereLeser: „Nehmet und leset!"
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Eine Probe der ausgezeichneten Illustrationen, welchedas Werk schmücken, werden wir den Lesern in dem über-nächsten illusirirten Unterhaltungsblatt vorführen.
Ansprache des k. Lycealdirektors vr. Diendorfer,
gehalten an die Herren Candidaten des kgl. Lyceums zu
Passau , beim Beginn des Studienjahres 1897/98.
Meine Herren! Es war am 3. November 1891. alsich mich in der glücklichen Lage befand, den damaligenH. H. Candidaten des hiesigen k. Lyceums die mit höchsterEntschließung vom 1. Juni 1891 promulgirten neuen Satz-ungen für die Studirenden an den k. b. Lyceen bekanntzu geben und diese Bekanntgabe mit einigen erläuterndenund ermunternden Bemerkungen zu begleiten. GehobenenGefühles betonte ich damals, daß durch diese Entschließungder bei der Errichtung der k. b. Lyceen durch die Alterh.Verordnung vom 30. Nov. 1833 proklamirte Grundsatz:„Die kgl. Lyceen sind Specialfchulen für das philo-sophische und das katholisch-theologische Studium, undstehen als solche auf gleicher Linie mit den betreffendenFakultäten der Landes-Universitäten". daß. sage ich, dieser
Grnndsatz, welcher durch die Ungunst der Zeitströmungetwas war verdunkelt worden, durch die erwähnte Ent-schließung „eine neue feierliche Bestätigung und praktischeVerwirklichung erhalten habe. wodurch, wie ich beifügte,den Bestrebungen gewisser Kreise, die k. b. Lyceen desRanges von Hochschulen zu entkleiden, . . hoffentlich auflauge Zeit hinaus ein entschiedenes Halt geboten sei".
Sechs Jahre find seitdem verflossen, und von Seitender k. b. Staatsregierung wird, ich spreche das unum-wunden und mit Dank als meine persönliche Ueberzeugungaus, diesen Special-Hochschulcn noch dasselbe Wohlwollenentgegengebracht, von welchem dieselbe bei der Erlassungder mehrerwähnten Entschließung vom 1. Juni 1891 aus-ging. Das zeigte sich, um von Anderem zu schweigen,nicht undeutlich im Laufe des heurigen Jahres, als durchhöchste Entschließung vom 7. Mai Nr. 7134 eine Neu-rcgulirung bezw. eine Reducirung der Herbst- und derWeihnachtsferien verfügt wurde.
Die im ersten Augenblick des Bekanntwerdens dieserEntschließung gehegte Befürchtung, es möchte dies wiederein erster Schritt fein zur Herabdrücküng der k. Lyceenunter das Niveau der betreffenden Universitäts -Fakultäten,erwies sich sofort als grundlos, indem unter demselben7. Mai -Mb Nr. 7133 an die Senate der drei bayerischenLandes-Universitäten eine analoge Verfügung hinsichtlichder Universitätsferien erging.
Mit ungetrübter Berufssreude und gehobenen Ge-fühles können Sie daher, meine Herren Candidaten, auchHeuer wieder als vollberechtigte akademische Bürger indiesen allerdings gegenüber der vollen Umvcrsität sehrbescheidenen Räumen des kgl. Lyceums an ihre aka-demischen Studien herantreten.
Diese Berufsfreude sollen Sie sich auch. meine Herren,nicht verkümmern lassen durch die Vorwürfe, welche injüngster Zeit von einer Seite, von welcher man es amwenigsten hätte erwarten sollen, gegen die Lyceen undbischöflichen Lehrseminarien erhoben worden sind.
Es kann nicht meine Aufgabe sein, an diesem Ortennd in der kurzen mir gegönnten Spanne Zeit all dieschiefen, theils übertriebenen, theils unwahren nnd deß-halb gänzlich unberechtigten Behauptungen, welche derderzeitige Rektor der ^Ima ckulla in Würzbura, derenakademischer Bürger gewesen zu sein auch ich mich rühme,gerade über diesen Punkt in seiner bekannten Broschüreohne Beweise aufgestellt hat, zu ividerlcgen oder auch nurvorübergehend zu beleuchten. Angesichts der gediegenenAusführungen unseres geehrten Herrn Collegen Dr. Haasin der Augsburger Postzeitung, sowie der mehr oderminder eingehenden Beleuchtungen dieses Punktes vonSeite der Herren Dr. Braun, 1)r. Höbler, Dr. Hubbert.Dr. von Hertling ist dies auch nicht nothwendig. Es istdies um so weniger nothwendig, als Herr Dr. Schellselbst in der neuesten Auflage seiner Schrift eine ArtRückzug anzutreten scheint, indem er Seite 96 „Zur Ab-wehr" Absatz 2 schreibt: „Der Werth der Seminarien und
Lyceen.galt mir dabei (bei meiner Erörterung)
als selbstverständlich — trotz aller Kritik."
Leider ist die hier zum Ausdruck kommende Werth-schätzung rein platonischer Natur. Denn dieselben Vor-würfe, welche in der ersten und zweiten Auflage hinsicht-lich der Lyceen und Seminarlehranstalten enthalten sind,kehren in der 6. Auflage unverkürzt und ohne Milderung,')aber auch ohne thatsächlichen Beweis wieder. Denn aufsubjektive Airffassiuigen gestützte Verdächtigungen, Dekla-mationen und Exllamationen sind, meine Herren, nochkeine Beweise. Angesichts dieser Sachlage können wirdem Würzburger Iteotor ma^niüLUs mit Recht zurufen:„tzuoä Arati« ssssrltur, Z-ratis nsZatur."
In der That wird es dem gelehrten Herrn Rcctorund Professor schwer fallen, den Nachweis zu liefern, daßdie an den bayerischen Lyceen (um mich auf diese zu be-schränken, da ich diese allein näher kenne) gebildeten Theo-logen hinter den an den Universitäten gebildeten in wissen-schaftlicher oder in religiös-sittlicher Beziehung oder inihrer späteren Berufs-Wirksamkeit irgendwie zurückstehen.Die Synodal- wie die Pfarrconcurs-Prüfungeu beweisenvielmehr evident, daß Beide einander ebenbürtig, um nichtmehr zu sagen, gegenüberstehen, und die spätere Wirksanl-keit Beider wird schwerlich zum Nachtheil der katholischen
') Vergl. S. 18—21 der zweiten mit S. 23—33 dersechsten Auflage.