Ausgabe 
(3.4.1894) 27
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erst bei passendem Schliff zu voller Geltung gelangt.Diamant ist in allen Lösungsmitteln unlöslich und sehrwiderstandsfähig gegen chemische Agenzien; er erträgtin sauerstofffreien Gasen sehr hohe Temperatur, ohne sichzu verändern, wandelt sich aber schließlich in Graphitum und verbrennt, bei Zutritt der Luft erhitzt, zu Kohlen-säure. Er besteht also aus Kohlenstoff (wie Graphitund Holzkohle) und hinterläßt nur eine Menge unver-brennlicher Substanz. Viele Diamanten enthalten Ein-schlüsse, Rutil, Nitaneisen, Eisenglanz und andere Eisen-erze, Klinochlor, Topas (?), dendritische Formen, Schuppenund Splitter und in diesen nach dem Verbrennen desDiamanten ein feines braunes und schwarzes Netzwerkmit sechsseitigen Maschen. Entstanden ist der Diamantvielleicht auf nassem Wege aus organischer Substanz,vielleicht aus einem Kohlenwasserstoff, welcher bei lang-samer Verwesung an der Luft seinen Wasserstoff verlorund endlich den Kohlenstoff kristallisiert abschied. Inähnlicher Weise entsteht Schwefel aus Schwefelwasserstoff.Vielleicht entstand Diamant auch durch Reduktion vonKohlensäuresalzen, am wahrscheinlichsten bei Ausscheidungvon Kohlenstoff aus geschmolzenem Eisen bei sehr hohemDruck. Für diese letztere Entstehung spricht vielleichtdas Vorkommen von Diamant im Meteorcisen von Arizona .Das Problem, Diamanten künstlich darzustellen, hat dieChemiker seit langer Zeit angelegentlich beschäftigt; dochscheiterten alle Bemühungen daran, daß bis jetzt keinLösungsmittel für Kohlenstoff aufgefunden werden konnte.Erst 1880 gelang es Hannay in Glasgow , auf die Weisezum Ziel zu gelangen, daß er Kohlenwasserstoffe mitMagnesium in Gegenwart einer stabilen Stickstoffver-bindung unter sehr hohem Druck erhitzte. Der hierbei sichausscheidende Kohlenstoff nimmt die Form des Diamantenan, und die erhaltenen krummstächigen Oktaeder stimmenin allen Eigenschaften mit den natürlichen Diamantenüberein. Aus mit Kohlenstoff gesättigtem Eisen soll nachMoissan Diamant kristallisieren, wenn man das Eisenunter sehr hohem Druck erkalten läßt.

Der Diamant findet sich im Distrikt Bellary inOstindien in einem auf nassem Wege gebildeten pegmatit-artigen Gestein inmitten von kristallinischen Gesteinen,welche als die ursprünglichen Lagerstätten zu betrachtensind. Die Diamantbrcccien, die aus diesen Gesteinenentstanden sind, führen auch Quarz, Chalcedon , Korund,Epidot, Eisenerze rc., bisweilen haben sie mehr sandstein-artigen Charakter. Am häufigsten findet sich der Dia-mant in Sanden , Geröllen und Schuttmassen der Fluß-betten. In Indien liegen die Fundorte am Ostabfalldes Dekhangebirges. Das Golkondaland, aus welchemdie großen historischen Diamanten stammen, liefert heutenichts mehr, dagegen werden ausgebeutet die sekundärenLagerstätten von Cuddapah am Pennar, Banganbally,Sumphulpur am Godaweri und besonders die der Panna-gruppe bei Bandelkhand. Aehnlich ist das Vorkommenauf Borneo. In Brasilien findet sich Diamaut im Jta-kolumit (am Grammagoa), aber hier wohl ebensowenigauf primärer Lagerstätte wie in den Konglomeraten,Geröllen, Sanden und thonigen Massen, in denen ersonst überall in Brasilien auftritt. Olovinhaltige Gesteinescheinen die Muttergesteine zu sein. Begleiter des Dia-manten sind hauptsächlich titanhaltige Mineralien, Quarz,Jaspis, Turmalin, Chrisoberyll, Eisenerze, viele Silikate,Gold, Lazulith, Psilomelan, Monazit, Mterspath. AußerMinas Geraäs, der wichtigsten Fundstätte, findet sich

Diamant auch in Sao Paulo , Goyaz, Mattogrosso. InWestgriqualand in Südafrika liegt der diamantführendeBoden auf der Karrooformation in kraterähnlichen Ver-tiefungen, die an die Maare der Eifel erinnern. Sieenthalten eine blaugraue Erde mit eckigen Bruchstückenverschiedener Gesteine. Vielleicht sind diese Vertiefungenals Krater und der ,,5lus ^ronnä" als Produkt einereigenthümlichen vulkanischen Thätigkeit, welche der derSchlammvulkane analog ist, zu betrachten. Figur 1 zeigtdie geologischen Verhältnisse der Diamantlagerstätte. DieSchichten, welche durch die vulkanische, jetzt mit blauemGrund angefüllte Spalte durchbrochen werden, sind vonunten nach oben Blacklhalc (schwarzer kohlenreicher Schiefermit viel Eisenkies), Quarzit, in welchen Gänge basal-tischen Gesteins eindringen, Melaphyr, Blackshale, Basalt,Alluvium. Die Lagerung der Schichten ist vollkommenhorizontal. Die Kapdiamanten sind im Durchschnitt vielgrößer als die brasilischen und indischen und zeigen meisteinen kaum merklichen Stich ins Gelbe, doch kommen auchganz weiße und bläuliche vor. Man gewinnt sie jetztdurch regelrechten Bergbau mit allen maschinellen Mittelnund sehr vollkommenen Waschvorrichtungen. Am Ural hatman Diamanten in den Goldseifen gefunden, ebenso inViktoria und Nensüdwales. Das Vorkommen in Nord-carolina ist bedeutungslos.

Die Aufsuchung der Diamanten (Diamantwäscherei)ist eine sehr kostspielige Arbeit. Die Kleinheit der aller-meisten Diamanten macht in Verbindung mit ihrer Selten-heit das Auswaschen und sorgfältige Durchsuchen einerMenge Erde nothwendig. In Indien wäscht man diediamantführende Erde, um den Sand und Thon wegzu-spülen, dann bringt man den Rückstand, welcher haupt-sächlich aus kleinen Kieselsteinen und Eisensteinen besteht,

Fig. I. Geologisches Profil der Kiinberlcy-Mine.

auf eine festgestampfte Tenne, läßt ihn trocknen undschließlich die darin befindlichen Diamanten durch nackteArbeiter unter schärfster Aussicht aussuchen.

Im Alterthum wurden die Diamanten in ihrer natür-lichen Form, jedoch mit künstlich polierten Flächen gefaßtund Spitzsteine genannt; seitdem aber Ludwig van Ber-guen 1456 die Kunst entdeckte, sie auf rotierenden Scheibenmit ihrem eignen Pulver (Diamantbord, Boort) zu schleifen,ihnen künstliche Flächen zu geben, durch welche ihre opti-schen Eigenschaften erst zu voller Geltung gelangen, sinddie Diamanten erst recht im Werth gestiegen. Manschleift sie hauptsächlich zu Brillanten und Rosetten (sieheEdelsteine) und benutzt die größern für sich als Schmuck-steine, die kleinsten zum Karmesieren, Einfassen andrerEdelsteine. Die Figur 2 gibt das Gewicht der Steinevon dargestellter Größe bei regelmäßigem Brillantschliff.