Ausgabe 
(3.4.1894) 27
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Fig. 2 .

1 Karat. 2 O 2 Karat. 5 Karat. 10 Karat.

MM

Der Werth der Diamanten richtet sich nach der Farbe,der Reinheit, dem Schnitt und dem Gewicht. Am höchstenim Preis stehen die farblosen, niedriger die rothen, gelben,grünen, blauen, am niedrigsten die schwärzlichen, bräun-lichen, stahlfarbigen und unrein bläulichen. In Bezugauf Durchsichtigkeit und Klarheit theilt man die Diamantenin drei Klassen und nennt vom ersten Wasser die voll-kommen Wasserhellen, ohne allen Fehler, vom zweitenWasser die zwar wasserhellen, jedoch hier und da trübeStellen, Wolken oder Federn darbietenden, vom drittenWasser (kouleurte) die grauen, braunen, gelben, grünen,blauen oder schwärzlichen oder die zwar wasserhellen, abersonst beträchtlich fehlerhaften. Steine von bedeutenderGröße heißen Parangons oder Nonpareils, auch Solitäre,die kleinen Salzkörner. Während das Karat D. 1550auf 350 Mk. geschätzt wurde, galt es 1672 nur 180,dagegen 1772 wieder 300 Mk. Nach der Regel vonLinscotius multipliziert man zur Ermittelung des Wertheseines Steines die Anzahl seiner Karate mit sich selbstund das Produkt mit dem Preise eines Karats. Diesefür Steine bis zu 20 Karat anwendbare Regel hat heutealle Gültigkeit verloren. 1865 zahlte man 450 Mk.für das Karat, seit der Entdeckung der Kapdiamanten(1867) ist aber der Preis außerordentlich und noch stärkergesunken als bei der Entdeckung der brasilischen Dia-manten 1727. Brasilien lieferte 185070 jährlichgegen 170,000 Karat im Werthe von 7 Millionen Mk.In neuester Zeit ist die Produktion sehr bedeutend zurück-gegangen. Die Hauptstapelplätze sind Rio de Janeiro und Bahia, in Südafrika Port Elizabeth. Hier wurdeAnfang der 70er Jahre die Diamantwäscherei ungemeinlebhaft betrieben, in Kimberley waren 1876 außer deneingebornen Arbeitern 20,000 Gräber und 4000 Händlerangesiedelt. Seitdem man aber in größere Tiefen dringenmußte und der Preis des Diamanten stark gesunken ist,ging die Produktion von 25 Mill. Mk. auf etwa 9 Mill.herab. Der Großhandel mit Diamanten hat gegenwärtigseinen Sitz in London. Die Diamantschleifer» wird fastausschließlich in Amsterdam ausgeführt, es bestehen dortfünf großartige Etablissements mit 872 Mühlen und3000 Arbeitern (fast nur Juden). Betrügereien imDiamanthandel sind verhältnißmäßig leicht zu entdecken.Es werden Dubletten und andre farblose Edelsteine unter-geschoben, welche aber sämmtlich dem Diamanten an Härte,Glanz und Farbenspiel weit nachstehen. Sehr häufiggeht Bergkristall als Diamant (böhmischer, rheinischer,occidentalischer, Marmaroser Diamant, Paphos- Diamant,Arkansas- Diamant, braun: Alen§on-Diamant), viel sel-tener Hyacinth (Matura-Diamant), Zirkon, Phenakit,weißer Saphir, Topas, Aquamarin. Sehr schöne Effekteerreicht man mit künstlichen Diamanten, dem bleireichenGlas, welches wenigstens bei künstlicher Beleuchtung anGlanz und Farbenspiel dem Diamanten nahekommt, abersehr weich ist und bei häufigem Gebrauch bald von seinerSchönheit verliert. Die vollkommenste Nachbildung bietendie sogenannten Similibrillanten.

Die technische Benutzung des Diamanten wirdimmer ausgedehnter. Der Glaser schneidet mit den keil-

förmig gebogenen Kristallkanten des Diamanten das Glas;in der Lithographie gravirt man die feine englische Schriftauf Visiten- und Adreßkarten, auf Wechseln, Rechnungen rc.mit einem scharfen, spitzen Diamanten. Die Kupfer- undStahlstecher ziehen mit Diamanten die feinen Luftlinienauf der Platte. In der Glaskunstindustrie dient derDiamant zum Gravieren. In den Achatschleifereien werdendie Löcher in die Steine mit Diamantstücken gebohrt, auchandre harte Steine und Porzellan bearbeitet man in dieserWeise. Festes Gestein bohrt man mit einem Nöhrenbohrer,welcher vorn mit Diamanten besetzt ist. Eine andre Ver-wendung findet der Diamant zum Abdrehen harter Stahl-zapfen an astronomischen Instrumenten, wobei der Stahlmittels eines scharfkantigen Diamanten seine genauereNachdrehung erhält, nachdem er mittels eines Drehstahlsvorher rund abgedreht worden. Die feinen Theilungenauf glatten Silber- und Messingrädern und auf Glaszu den Messungen bei mikroskopischen Untersuchungen werdenebenfalls mit spitzen Diamanten gemacht. Der schwarze(fälschlich amorphe) Diamant (Carbonado, Karbonat, Kar-bon), ein feinkörniges, kristallinisches, etwas poröses Ag-gregat, findet sich hauptsächlich im Seifengebirge des Di-strikts La Chapada (Provinz Bahia). Die begleitendenGesteine sind syenitischer und granitischer Natur, Turma-lin, Zirkon, Staurolith, Rutil, Granat. Auch in Kim-berley ist Carbonado gefunden worden. Er dient zumBohren und Schleifen andrer harter Steine.

Die Kenntniß des Diamanten reicht hoch in dasAlterthum hinauf. Schon in der Bibel wird er unterdem Namen Schamir bei Jeremias als Graviergriffel,bei Hesekiel und Zacharias als Bild der israelitischenHartnäckigkeit angeführt. Adamas (der Unbezwingliche)hieß der Diamant bei Griechen und Römern. Plinius führt ihn als das Werthvollste unter allen menschlichenGütern auf. Der Diamant zeigt vor allem die Erschei-nung der Antipathie und Sympathie. Der unbezwinglicheDiamant, welcher zwei der heftigsten Dinge in der Natur,Eisen und Feuer, nicht achte, werde durch Bocksblut ge-sprengt. In frischem warmen Blut macerirt, lasse er sichauf dem Ambos zu Theilchen zersprengen, mit welchender Steinschneider in jede Materie, so hart sie auch sei,graviere. Mit dem Magnet liege er in solchem Streit,daß er ihm selbst das Eisen entreiße. Er entkräfte dasGift, vertreibe den Wahnsinn rc. Größere Verbreitungnach dem Westen haben die Diamanten erst seit den Ein-fällen der Ghasnawiden nach Indien gefunden, und bis1728 kamen sämmtliche Diamanten von dort. Die Ver-brennlichkeit des Diamanten, obwohl schon früher bekannt,wurde 1694 von Averami und Taglioni mit Hilfe vonBrenngläsern erwiesen, und 1773 zeigte Lavoisier , daß

Fig. Z. Diamant Orlow, links Seitenansicht, rechts von oben.

der Diamant zu Kohlensäure verbrennt. Viele der durchSchönheit oder Größe ausgezeichneten Diamanten habenihre Geschichte. Der ursprünglich größte und der berühm-teste unter allen Diamanten ist der Kohinur, d. h.