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Lichtberg. Die Sage der Inder läßt ihn schon vor 5000Jahren von dem Helden Karna, den das Epos „Mahüb-HLrata" besingt, im Kriege getragen werden. Geschichtlichtritt er auf, seit ihn der Herrscher von Malwa, Alaeddin Khilji, zu Anfang des 14. Jahrhunderts auf seinenNaubzügen nach Nordkarnatik erbeutete und nach Dehlimitnahm. Er soll 672, nach andern 793 Karat gewogenhaben. Als der Großmogul ihn 1665 Tavernier zeigte,wog er, durch das Ungeschick eines venezianischen Stein-schleifers zertheilt, nur noch 280 Karat (Tafel, Fig. 8 ).Den Kohinur entführte Nadir Schah 1739 bei der Plün-derung Dehlis nach Afghanistan, von wo er in den Be-sitz des Maharadscha Rundschit Singh und nach demUntergang des Reiches der Sikh in den der OstindischenKompagnie kam, die ihn 1850 dem englischen Kronschatzübergab. Durch Schleifen in Brillanlform hat sich seinGewicht bis 106*/^ Karat verringert (Tafel, Fig. 10).Der größte genauer bekannte Diamant ist der Diamantan der Spitze des russischen Kaiserscepters, der Orlow(Textfig. 3), von 194^ Karat, von unvortheilhaftemSchliff, aber von ausgezeichnetstem Wasser. Sein größterDurchmesser beträgt 3,^ ein., seine Höhe 2,^ ein. Erstammt aus dem Thronsessel Nadir Schah's und wurdenach dessen Ermordung durch einen armenischen Kaufmannangekauft, von dem er 1772 für 450,000 Silberrubelund einen russischen Adelsbrief in den Besitz der KaiserinKatharina II. überging. Im Besitz des Sultans vonMatan auf Bornes befindet sich ein Diamant vom reinstenWasser und 367 Karat; er hat eine eiförmige Gestaltmit einer einspringenden Höhlung am spitzern Ende. Manfand ihn um 1740 bei Landak, und er gilt seitdem alsder Talisman des Radschahs und seiner Dynastie. Zuden schönsten Diamanten gehören noch der „Florentiner"oder „Großherzog von Toscana" (Tafel, Fig. 3 u. 5)von 133^/g Karat, etwas gelblicher Farbe und als reich lfacettierter Briolett geschliffen. Er gilt für den größten jDiamanten Karls des Kühnen, wurde von diesem 1476in der Schlacht bei Granson verloren, gelangte aus Privat-händen in den mailändischen Schatz, dann an PapstJulius II. und findet sich jetzt im Schatz des Kaisersvon Oesterreich. Auch der Sancy (Tafel, Fig. 6 ) vonnur 53,g Karat, aber erstem Wasser stammt von Karldem Kühnen, welcher ihn 1477 in der Schlacht bei Nancyverlor. Durch viele Hände gelangte der Stein an denhugenottischen Edelmann Sancy. Als dieser nach Solo-thurn als Gesandter ging, erhielt er von Heinrich III. den Befehl, ihm als Pfand jenen Diamanten zu schicken.Der Diener, welcher ihn überbringen sollte, wurde aberunterwegs angefallen und ermordet, nachdem er den Dia-manten verschluckt hatte. Sancy ließ den Leichnam öffnenund fand den Edelstein im Magen. Jakob II. besaß den-selben, als er 1688 nach Frankreich kam. Später warer im Besitz Ludwigs XIV. und Ludwigs XV., der ihnbei seiner Krönung trug. 1835 wurde er um 500,000Rubel für den russischen Kaiser angekauft. Für den voll-kommensten und schönsten Brillanten gilt allgemein derRegent oder Pitt (Tafel, Fig. 2 u. 11) von 186,75Karat, reinstem Wasser und vollendetstem Brillantschliff.Er stammt aus Ostindien, wurde von einem Matrosenan den Gouverneur des Forts St. George, Namens Pitt,verkauft und gelangte von diesem an den Herzog vonOrlöans. Zur Zeit der französischen Revolution war erin Berlin beim Kaufmann Treskow verpfändet. Späterzierte er den Degenknopf Napoleons I., und noch jetzt
befindet er sich im französischen Kronschatz. Der größtein Brasilien gefundene Diamant, ein Brillant von reinstemWasser, wog 254 Karat, wurde 1853 gefunden, wiegtnach dem Schnitt nur noch 125 Karat und ist als „Sterndes Südens" bekannt. Er befindet sich in Privatbesitz(Tafel, Fig. 4 u. 12). Einen schönen blauen Diamantenvon 441/4 Karat besitzt der Bankier Hope in Amsterdam (Tafel, Fig. 9), einen grünen Diamanten zeigt TafelFig. 7. Außer den genannten haben indische Reisendenoch andere große Diamanten beschrieben und abgebildet,zu welchen z. B. der Großmogul (Tafel, Fig. 1) von279 Karat gehört. Den größten Diamanten (Excelstor)lieferte 1893 die Jagersfontein Mine in Südafrika; erwiegt 971?/^ Karat und ist bläulich-weiß.
Den vorstehenden Artikel, für welchen wir bei unsernLesern ein besonderes Interesse voraussetzen dürfen, ver-öffentlichen wir mit Genehmigung der Verlagshandlungaus der neuen, fünften Auflage von Meyers Kon-Versations-Lexikon. Das Neuerschcinen dieses inder gesammten Weltlitteratur einzig dastehenden monu-mentalen Werkes müssen wir, obwohl es nicht auf katho-lischem Boden steht, doch mittheilen, da es für alle ge-bildeten Kreise ein wichtiges Nachschlagebuch ist, das invier Auflagen eine Verbreitung von weit über einer halbenMillion Exemplaren gefunden hat. Mustergiltige Bear-beitung aller Fächer, sorgfältige Berücksichtigung desneuesten Standes auf allen Gebieten menschlicher Thätig-keit, eingehende Würdigung jeder Wissensfrage sind dieunübertroffenen Vorzüge des Meyer'schen Konversations-Lexikons, welche sich vornehmlich auch in dem gegenwär-tigen Aufsätze widerspiegeln.
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Mustk im Kloster.
(Zu unserem Bild Seite 199.)
Die Klöster waren von jeher Heimstätten für Kunst undWissenschaft Speziell die Musik fand in den Mönchen eifrigePfleger und Förderer. Der Zeichner stellt uns heute eineSzene vor Augen, musizirende Mönche. Mit welcher Hingebungdie drei da mit der Violine, der Bratsche und dem Cello ihrenPart spielen I Jedenfalls ein hübsches Trio, was sie vortragen.Da mögen Abt Johannes und die beiden Ordensgenossen wohllauschen und mit Recht, denn die Kloster-Brüder sind Meisterihres Instruments und wissen ihre Sache gut zu machen I
--S-LüS-S--
Allerlei.
Volks mund. Die Bahn im badischen Schwarz-wald, welche von Zell nach Todtnau führt, ist von einemjüdischen Consortium gebaut worden. Der Volksmundhat ihr den Namen „Schmulschmalspurbahn" ge-geben.
Zzitder-Näthser.