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Kloster Wald.
(Mit Bild.)
O Wenn der Wanderer das freundliche mittlere Günz-oder Jllerthal durchwandert, erblickt er in der Nähe vonMemmingen auf ziemlich hoher Lage das schöne Klosterund Erziehungs - Institut Kloster Wald — ^ Stundenördlich von dem ehemals hochberühmten Benediktiner-Kloster Ottobeuren , 1J/z Stunden östlich von der StadtMemmingen gelegen.
Kloster Wald wird wohl mit Recht ein „Sion"genannt; es bildet das Klostergebäude ein für sich abge-schlossenes Viereck; seine Lage ist eine prachtvolle zunennen. Jsolirt thront das Kloster auf dem Berge, andessen Fuß die westliche Günz durch üppige Wiesen undFelder sich schlängest; in geringer Entfernung ist es ge-gen Norden, Osten und Süden von schönen Fichten-,Birken- und Buchen-wäldern umsäumt; ge-gen Westenaberist freieAussicht; in letzterenJahren eröffnete die Axtdes Waldmanncs auchdie fernste Aussicht indas Günzthal. Einewahrhaft entzückendeFernsicht ist namentlicham Morgen: gegen Sü-den bildet den Hinter-grund eine lange Ketteder Allgäuer und Ti-roler Alpen, gegen Nor-den reiht sich im östlichenGünzthal Dorf an Dorfmit dem alten Nömer-thurme zuSchönegg undmit dem Schlosse desFürsten Fugger zuBabenhansen; gegenWesten erblickt dasAugeeine große Menge vonOrtschaften, Weilernund Einöden des Jllcr-thales mit den Schlös-sern Kronburg , Zeil,
Eroldsheim und Eisen-burg. Den Hintergrunddieses schönen Panoramas bilden die württcmbergischenBergesrcihen, aus deren bewaldeten Höhen freundlicheKirchen mit ihren Thürmen und Ortschaften hervorschauenund bei schöner Morgenbeleuchtung ihre schimmernden Fenstergleichsam als Morgengrüße zu uns herübersenden. KeinWunder also, wenn in Kloster Wald , diesem herr-lichen Sion, wo ein kleiner Theil des Himmels sich aufdie Erde herabgelassen zu haben scheint, — das Herz soleicht zu Gott sich erhebt. Fern vorn Gewühle der geräusch-vollen Welt, hoch erhoben in stiller Einsamkeit fühlt sichdas Gemüth, das für Naturschönheiten ein wenig nochempfänglich ist, ganz in gehobener Stimmung zum LobeGottes.
Die Geschichte von Kloster Wald ist schon ziemlichalt. Zum Entstehen deS F-rauenklosters Wald war imJahre 1681 die erste Anstalt getroffen.
Maria Mahr, eine fromme Jungfrau vom nahe-
gelegenen Westerheim, hatte sich mit einer kleinen Gesell-schaft ihres Geschlechtes durch eine einfache Verlobungzu einem vollkommenen Leben verbunden, und hegte dieAbsicht, wenn es thunlich wäre, die Anfängerin eineskleinen F-rauenklosters unter der Regel des hl. Benediktin dieser Gegend zu werden. Das nahe Benediktiner- Neichsstift Ottobeuren willfuhr ihrem frommen Wunsche,und da sie zu „Wald", nicht weit von der uralten St.Max-Kapelle, zu ihrem neuen Ordenshause den Platzwählte, so war an sie das daselbst gelegene Haus sammtZugehör — es war das Haus, das ehedem ein Wald-bruder oder Eremite bewohnte, an einem kleinen Weihergelegen — als frei, ledig und unbesteuerbar nicht nurfür 1000 Gulden erlassen, sondern man verringerte nach-mals den Kaufschilling sogar um 150 Gulden nnd behieltsich bloß das Recht vor, wenn die fromme Stiftungsabsichtnicht sollte durchgesetzt werden, gegen Hinausgabe des be-
mcldeten KaufschillingsAlles wieder an sich zuziehen.
Es sammelten sichnun bei der neuenStifterin Maria Mahrso viele Liebhaberinnendes von der Welt abge-sonderten geistlichenLebens, daß das neu an-gekaufte Häuschen beider St. Max-Kapelledieselben kaum mehrfaßte. Man entschloßsich, an dem.nämltchenPlatze eine geräumigereWohnung zu errichten— im Jahre 1684, zuwelchem Ende der da-malige Prior in Otto-beuren, k. Albert Kretz,die armen Jungfrauenmit einem Sammlungs-oder Bittschreiben umfreiwillige Beitrüge anwohlthätige Menschenversehen hatte. DerNeichsprälat Aemilianvon Jrsee, der hiezu ge-laden und gebeten war,legte den ersten Stein zu diesem und gegenwärtigem Kloster,dessen Aufführung der Benediktiner -Pater LampertKathan von Ottobeuren, der in der Baukunstsehr erfahren war, leitete und besorgte. Der damaligeAbt Benedikt hielt dabei eine passende Redeüber das einsame geistliche Leben und las bei St. Maxdie hl. Messe; dies geschah am 11. April 1685. Dasneue Kloster blühte sehr; immer fand es Zuwachs. ImJahre 1706 starb daselbst den 6. März im Rufe derHeiligkeit Anna Maria Stedelin, eine jener frommenFrauen, welche, ohne sich bisher an eine bestimmte Ordens-regel oder an feierliche Gelübde gebunden zu haben,daselbst friedlich beisammenlebten. Die Verstorbene wurdeauf dem Gottesacker zu Ottobeuren begraben und vomdamaligen Pfarrvikar Gordian Scherrichmit einer Leichen-rede beehrt. Da Kloster Wald wegen der großen Zahl vonMitgliedern oft große Noth litt, so nahm sich desselben
Original-Aufnahme von G. Bader. Photograph in Krumbach. fVervielfältigungsrecht vorbehalten.)
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