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das unweit von Salzburg gelegene Frauenstift Non-nenberg mit Rath und That an. Am 18. Dezember1706 traf eine weibliche Deputation des Benediktiner-stiftes Nonnenberg, nämlich die Frauen M. Cäcilia Schaf-männin und M. Scholastika Schrotterin mit demAuftrag der Frau Äbtissin M. Anna Ernestine, einergebornen Gräfin von Thun, in Wald ein, nahm das-selbe in Augenschein und als eine Nonnenbergische Koloniein Besitz. Die bisherigen Bewohnerinnen von Waldtraten in den Benediktiner -Orden und verblieben daselbst.So war M. Anna Ernestine von Thun die Stifterinder Benediktinerinnen zu Kloster Wald .
Das Reichsstift Ottobeuren , welches fromme An-stalten zu befördern suchte, ließ diese neue Besitzergreifungohne Widerrede geschehen, nahm aber zugleich den nöthigenBedacht für Aufrechthaltung seiner landesherrlichen Gerecht-same, welche schon im Jahre 1700 etwas gefährdet zuwerden schienen. Im neuen Kloster lebte Alles friedlichbeisammen. Wie es aber unter der Sonne nichts Voll-kommenes gibt, und wie aller Friede seine Unruhe, alleFreude ihr Leid hat, so sollte auch dieses friedliche Klosterseine Leiden erhalten. Im Jahre 1800 hatte Wald voneiner zahlreichen feindlichen Truppe mehrere schreckensvolleTage durchzumachen. Das hochgelegene und hochgebauteKloster Wald, welches gegen die Abendseite einen freienund weiten Prospekt machte, lud die bei Hawangen und Uugerhausen gelagerten feindlichen Franzosen aufeinen Besuch ein, den man sich auch den 16. Mai,beiläufig 1000 Mann an der Zahl, obwohl auf einesehr unhöfliche Weise, gefallen lassen mußte. Die Fran-zosen drangen mit Gewalt in das Kloster, spaltetenmit Aexten die Thüren, erbrachen die Kästen, raubtenden Vorrath an Leinwand, zerschnitten die Betten, nahmenim Kloster und dem angelegenen Oekonomiehof, wasihnen beliebte, hieben 16 Schafen die Füße ab, beludendie zubereiteten Wagen mit ihrer Beute und zogen zuihren Waffengefährten zurück. Zum Glücke waren diearmen, frommen Klosterbewohnerinnen sammt ihrem Beicht-vater noch rechtzeitig nach Ottobeuren entkommen, wo sieanfangs der Kanzler von Weckbecker in seinem Hauseaufnahm, dann aber beim Anwachsen einer noch größerenGefahr in der Klosterabtei Aufnahme fanden. In derAbtei wurde ihnen der philosophische Hörsaal als Speise-zimmer und der Schlafsaal der Studenten, welche Otto-beuren verlassen hatten, zur nächtlichen Ruhe eingeräumt.— Zur Zeit der allgemeinen Klösteraufhebung im An-fange unseres Jahrhunderts, wo so viel vernichtet wurde,wurde auch Wald säkularisirt. Unter Thränen und Jam-mern wurden die armen Benediktinerinnen, daruntermehrere alte und kranke Schwestern, in die Welt hinaus-gestoßen. Unendlich schmerzlich war der Abschied von dergeheiligten Stätte, wo so viel Gutes gethan, so reichlichesAlmosen an Arme der ganzen Umgegend verabreicht worden.Das Kloster steht heute noch im gesegneten Andenken.
Im Jahre 1804 kam das Kloster um einen Spott-preis in den Besitz der protestantischen Familie v. Schützaus Memmingen , in deren Händen es blieb bis zumSeptember 1865, von da aber durch Kaufvertrag an dasEnglische Fräulein-Institut Mindelheim über-ging. Handwerksleute von allen Professionen mußten so-gleich berufen werden, um die ruinösen Klosterräumlich-keiten für ein Pensionat einzurichten. Fast 10 Monatedauerten die Restaurationsarbeiten, bis am 21. Juni1866 ein feierlicher Weiheakt des Klosters und des Bet-
saales vorgenommen wurde. Dieser Tag war ein wahrerJubeltag für das neuerstandene Maid. Die Zöglingevon Mindelheim in Begleitung sämmtlicher Lehrerinnentrafen auf dekorirten Wagen zum Feste ein. Feierlichrührend ertönten nun wieder zum ersten Male die überein halbes Jahrhundert verstummten Glöcklein KlosterWalds. Der hochw. Pater Prior von Ottobeuren, PhilippEr am er, nahm die kirchliche Benediktion vor und brachtedas Opfer der hl. Messe dar — in einem eigens hiezuhergerichteten Betsaale. Ach, wie ergreifend war das Geläutebei der hl. Wandlung I Bei der hl. Kommunion empfingen dieanwesenden Mitglieder des Instituts die hl. Kommunion,und ein feierliches Tedeum schloß den Gottesdienst. Diedem Kloster auf der Nordseite angebaute Kirche konnteerst nach vollendeter Restauration am 21. April 1868feierlich eingeweiht werden. Auch dieser Tag war einFreudenfest für Kloster Wald . Der hochw. Herr DekanKleinhans von Mindelheim hatte nach einer rührendenAnsprache die Weihe der Kirche vorgenommen und dasAmt gehalten. Wohl kein Auge blieb ohne Thränen.
Das Innere der Kirche, das bisher als Wagen-remise und zur Aufbewahrung des Holzes verwendet ward,wurde wieder zur Würde eines Gotteshauses erhoben.Das Innere der Kirche — 105 Fuß lang, 45 Fußbreit und sehr hoch, — ist mit einem schönen Hochaltar,in welchem die hl. Mutter Anna — als Patronin dieserKirche — in schönem Schnitzwerke (von Bildhauer Nehmin München ) sich befindet, (jetzt ein prächtiges Gemäldeder hl. Anna von Kunstmaler Merkle in Augsburg )und mit zwei hübschen Seitenaltären geschmückt, derenrechter der Mutter Gottes, deren linker dem heiligenAnton von Padua geweiht ist. Der Mutter Gottes-Altar, in welchem der hl. Leib der hl. Martyrin Viktoriaruht, ist mit dem Englischen Gruß-Gemälde (von Ried-müller in München ), und der St. Antonius - Altar, inwelchem die Häupter der hl. Märtyrer Clemens und Luius— geschmackvoll gefaßt — ruhen, ist mit einem wunder-lieblichen Bilde des hl. Antonius (ebenfalls von Ried-müller) geschmückt. Dem Haupteingange gegenüber führteine Thüre in die sehr schöne und geräumige Gruft, dieBegräbnißstätte der früheren Benediktinerinnen, welcheauf abgegebenes Gutachten des Bezirksarztes und mitErlaubniß des bischöflichen Ordinariats als Begräbniß-stätte der Engl . Jnstituts-Mitglieder benutzt wird. Zweigroße Emporen dienen und zwar die untere den Eng-lischen Fräulein und Schwestern zu ihren Chorgebeten,die obere den Zöglingen zu ihren Andachten. Eine sehrniedliche und geschmackvolle Kanzel dient zur Verkündi-gung des göttlichen Wortes.
An Werk-, Sonn- und Feiertagen wird regelmäßigGottesdienst gehalten (an ersteren Tagen um 7 Uhr, anletzteren um 8 Uhr), dem auch die nahgelegenen Filialistenvon Eggisried und Stephansried beiwohnen. Die Kirche,obwohl einfach gemalt und eingerichtet, ist so freundlichund einladend, zum Gebete und zur Andacht stimmend,daß schon viele Besucher in die Worte ausbrachen: „Ach,da könnte ich auch gut beten," oder: „Da möchte ich auchweilen und Gott dienen."
Der Zweck des Instituts ist die Erziehung der weib-lichen Jugend. (Gegenwärtig bilden 12 Fräulein und 13Schwestern die Familie.) Sämmtliche Lehrfächer sind mitvorzüglichen Lehrkräften besetzt. Daß das Institut seinenschönen Zweck erfüllt, daß es mit Segen wirkt und dieErwartungen der Eltern rechtfertigt, die demselben ihr