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Wenn man aus einem Dünenzug heraus auf dasPlateau tritt, ist es auffallend, wie urplötzlich eine un-begreifliche Aufregung die Thiere erfaßt und sie nach allenRichtungen rennen, die einen nach rechts, die andern nachlinks. Diese Erscheinung findet sogleich ihre Erklärung:Der Appetit ist es, der sie zu einem beliebigen Strauch,gewöhnlich einem Thymian oder Drynbusch, hinzieht, densie aus weiter Ferne erblickt haben, und auf den sie nunbegierig losrennen. Nach einer Weile wird es ruhiger inder Zunft, und wenn sie dann alle zusammen auf einerDüne entlang ziehen, ihre Führer hinterdrein, und dieseihre Lieder anstimmen, so übt das einen seltsamen, er-greifenden Eindruck. Dieser Gesang lautet äußerst traurigund erinnert, wenn auch ganz verschieden von unsereneuropäischen Weisen, doch an eine gewisse melodischeOrdnung.
Bon nicht geringem Interesse war auch das Nacht-lager. Nicht immer traf es sich, daß wir zur rechten Zeitden Brunnen erreichen konnten und so kamen wir mehr-mals in den Fall, am ersten besten Platz unser Lageraufzuschlagen. In der Regel sucht man sich einen Ort,wo etwas Gesträuch vorhanden ist, um damit Feuer machenzu können. Sofort luden wir unsere Kameele ab undmachten uns an das Improvisiern einer Küche vermittelsteiner kleinen Grube in den Sand. Die Beduinen thatendesgleichen, und nachdem sie ihren Kameclen das Knie-band an einen Vorderfuß angelegt, überließen sie diesesich selbst. Es sucht sich jede Abtheilung, gewöhnlich aussechs oder sieben Personen bestehend, ein eigenes Plätz-chen zur Bereitung ihres Mahles. Dieses ist natürlichsehr einfach. Außer den Datteln, von denen man auchden Tag über genießt, führt jede Gruppe etwas Mehlmit sich zu den Galetten oder Kuchen, deren Zubereitunghöchst pittoresk ist und nach der Tradition schon zu denZeiten der Mutter Sarah dieselbe gewesen. Man nimmteinen kleinen, gewöhnlich nicht allzu sauberen Teppich,breitet ihn neben dem Feuer aus, schüttet etwas vondem Mehl darauf, knetet es, setzt etwas Schaffett undein wenig Piment hinzu und drückt es dann zu einemKuchen breit. Indessen ist das Holz abgebrannt; manmacht eine Grube in den Sand, schiebt einen Theil derKohlen hinein, legt den Kuchen darauf, überdeckt ihnmit den Nest derselben, häuft Sand darüber, steckt einenZweig oder ein Palmblatt auf das Ganze und läßt soden Kuchen ungefähr eine halbe Stunde backen, währendwelcher Zeit man seine Andacht verrichtet und nachhersich nach orientalischer Weise Geschichten erzählt. DieGrube wird dann geöffnet, und das Mahl ist bereitet;dazu gibt es als Würze einen Trunk Wasser, das, wenndie Schläuche neu sind, einen nichts weniger als ange-nehmen Theergcschmack hat. So wenig Ansprüche manin solchen Fällen zu machen geneigt ist, so kann mandoch mit dem besten Willen kein Wohlgefallen an dieserKüche finden, wenn alles, Suppe, Fleisch und Kaffee,nach Theer schmeckt.
Trotzdem die Reise und der Aufenthalt unter denPalmen der Sahara uns viele genußreiche Stunden ver-schafft hatte, so war ich doch herzlich froh, besonders aberunsere Offiziere, als am vierten Tage unserer Rückreisedie fahle Wintersonne die Minarets von unserer Gar-nisonsstadt Äm-Sefra im gold'nen Schimmer erblickenließ und unseren von den Excursionen ziemlich ermü-deten Gliedern nach glücklich vollendeter militärischer Mis-sion wieder mehrere Wochen Ruhe in Aussicht standen.
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Ei» Zagdünsflug nach Amerika .
Im vorigen Sommer machten die Herren Premier-lieutenants Dietrich und Fritz Freiherr v. Feilitzsch vom 4. Chevaulegers-Ncgiment in Augsburg eine Reisenach den Vereinigten Staaten von Nordamerika , die nebender Besichtigung der hauptsächlichsten Sehenswürdigkeitenund der Chicagoer Ausstellung namentlich den Zweck hatte,im Herbst in Montana und Wyomiug auf einige Wochendem Waidwerk obzuliegen. An dieser Partie, die finanziellgegen eine sehr namhafte Beisteuer von einem MünchenerHerrn geleitet wurde, nahmen noch einige andere HerrenTheil, darunter ein Graf Zeppelin aus Württemberg undder Rittmeister Graf Blücher vom preußischen Garde-Kürassier-Negiment. Wie schon früher über seinen Jagd-Ausflug nach Norwegen , so hielt auch über dieses Unter-nehmen der inzwischen zum Rittmeister beförderte HerrBaron v. Feilitzsch in der Section Augsburg des Alpen -Vereins einen Vortrag, der dem ungewöhnlich zahl-reichen Auditorium eine natnrwahre und lebhafte Vor-stellung von dem Jagdleben vermittelte, wie eS die Herrenim fernen Westen Nordamerikas führten, und zugleicheine treffliche Schilderung einiger der dortigen Sehens-würdigkeiten wie der allgemeinen Verhältnisse darbot, welcheDarstellungen um so unmittelbarer und anziehender wirkten,als der Herr Vortragende augenscheinlich nur Selbst-erlebtes und Selbstempfundenes schilderte.
Die „A. Abendztg." berichtet hierüber:
Die Augsburger Herren reisten am 20. Juni mitdem Dampfer „Havel" von Bremen nach New-Iork abund trafen später in Chicago mit der übrigen Jagdgesell-schaft zusammen. Nach Besichtigung der Ausstellung, desNiagarafalls und anderer Sehenswürdigkeiten erfolgte dieEisenbahnreise nach dem Westen zunächst bis in das Ter-ritorium Arizona, wo den berühmten Colorado -Kannons,den bis 2000 Meter tiefen, geologisch hochinteressantenund ein farbenprächtiges Felsenchaos bildenden Niesen-einschnitten des Coloradostromes ein mehrtägiger Besuchabgestattet wurde. An Ort und Stelle ausgeführte präch-tige Aquarelle kamen bei der Schilderung dieser eigen-artigen Fclscnlandschaft der Vorstellung der Zuhörer sehrerwünscht zu Hilfe. Die Eisenbahnreise ging dann weiterwestwärts bis nach los Angelas, der seit der Eröffnungder Eisenbahn rasch anwachsenden ältesten Stadt Kali-forniens , und hierauf nordwärts nach Sän Francisco,wobei unterwegs ein Abstecher nach dem berühmten Aose-mitethal in der Sierra Nevada gemacht wurde. Der HerrVortragende fand, daß gegenüber unseren herrlichen Alpender Eindruck dieser vielgerühmten Landschaft weit hinterden Erwartungen zurückbleibt und es sich eigentlich nichtgelohnt hätte, mit 189 Mark Extrakosten und bei einerHitze von 126° Fahrenheit (42° Nsaumur) den Ausflugdorthin zu unternehmen. Doch war es immerhin interes-sant, die wahre Naturwunder bildenden Mammuthbäume(Loquoja, oder WöllinAtoniL §i§ant6L und Le^uoja.somporvirans) im Mariposahain zu sehen, welche mehrereTausend Jahre alten Baumriescn ihre Kronen bis über80 Meter hoch in die Lüfte erheben und Stämme bis zu10 Meter Durchmesser haben. Mehrere dieser Bäumewurden von den Reisenden theils photographirt, theilsaquarcllirt. An Wild wurden hauptsächlich kalifornischeSchopfmachtclu, Hasen, Prairie-Eulen und Prairie-Hundebeobachtet. In Sän Francisco wurden einige Wochen indeutscher Gesellschaft verbracht, dann ging es mit dreißig-! ständiger Eisenbahnfahrt nordwärts der Sierra Nevada