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entlang nach der Stadt Portland im Norden des StaatesOregon , und von da nach Newport an der Küste desstillen Ozeans, von wo aus in zwei Gesellschaften getrenntder erste Jagdausflug in richtiges Urwaldgelände erfolgte,der reich an ganz ungewöhnlichen Strapazen, aber geringan Jagdbeute war. Kalte Biwaks an spärlichem Lager-feuer trugen nicht gerade zur Erhöhung des Vergnügensbei, und wenn die Jäger von dem Ertrag ihrer Büchsehätten leben sollen, wären sie verhungert. Die erwartetenHeerden von Elchs und Virginiahirschen wurden vergeblichgesucht, dagegen boten die Flüsse und Bäche zum Glückzahlreiche und schöne Forellen und Krebse zum Lebens-unterhalt. Freiherr v. Fcilitzsch erlegte indessen mit sicheremKugelschuß einen Seeadler von 205 Ceniimeter Flügel-weite. Nach der Rückkehr nach Portland , wo die Jagd-gesellschaft den Sedantng feierte, und auf ihrer Reise nachWyoming und Montana wurden die Herren in jeder Stadtinterviewt und die Zeitungen brachten die ergötzlichstenBerichte über sie. Einige davon gab der Herr Vortragendeunter stürmischer Heiterkeit seiner Zuhörer zum Besten.Ein Blatt imponirte seinen Lesern mit der Artikelüber-schrift: „Zwei wirkliche, lebendige deutsche Grafen sind inunserer Stadt"; ein anderes wußte zu melden, daß dereine dieser Grafen ein Enkel des berühmten FeldmarschallsBlücher vulZo „Marschall Vorwärts" sei, die „Oregon-Staatszeilung" aber hatte gar herausgebracht, daß diedeutschen Herren gekommen seien, den wildgrimmigen Grizly-Bären zu erlegen, „um sein Fell späteren Generationenals Erbstück glorreicher Ahnen zu hinterlassen". Im Ter-ritorium Wyoming besuchten die Reisenden zunächst deninteressanten Aellowstone-Nationalpark mit seinen zahl-reichen heißen Spnngqucllen (Geisern) und eigenartigenlandschaftlichen Schönheiten, der, dreimal größer als dasKönigreich Sachsen, eine dauernde Schonstätte für allesWild, auch Naubthiere, bildet und daher ungemein wild-reich ist. Hier leben auch noch einige Hundert Büffel, dieletzten Ueberreste der Hunderttausende, die noch vor 20Jahren den amerikanischen Westen bevölkerten, außerdemfinden sich Tausende von Wapiti- und Virginiahirschen,Antilopen und Moosthieren (amerikanischen Elchen), fernergraue, braune und schwarze Bären, Puma (Silberlöwen),Luchse, Wölfe, aber wenig Füchse, zahlloses Wassergeflügel.Das Wild ist ungemein vertraut, und es gelang HerrnBaron v. Fcilitzsch sogar, einen hinter dem Neisewagenherschnürenden Wolf zu überlisten und auf 6—8 SchritteEntfernung zu Photographiren. Der Wildschutz wird imJellowstonepark unnachsichtlich streng gehandhabt, und beimBetreten des Parkes werden alle Gewehre, sogar Revolver,versiegelt. Trotzdem aber zwei Eskadrons Kavalleriepatrouilliren, wird, namentlich an den Grenzen, doch vielgewildert. Mitte September begann die eigentliche großeJagdpartie, und zwar von der Station Livingstone imStaate Montana aus. Wie in Oregon theilte sichdie Jagdgesellschaft in zwei Partien, die vom 20.—25.Oktober in Livingstone wieder zusammentreffen wollten.Jede Partie bestand aus vier Herren mit einem Trapperals Führer, einem Packer und vierzehn Pferden, die theilsgekauft, theils gemiethet werden mußten. Die Jagdgebietelagen zehn bis zwölf Tagereisen auseinander. Von demnun folgenden mehrwöchentlichen Lagerlcben und der Artder Jagdausübnng entwarf der Herr Vortragende eineReihe höchst anschaulicher Bilder, aber trotz aller Müh-seligkeiten und Strapazen war auch hier seiner Partei dasJagdglück nicht hold, weil es eben an Wild fehlte. Der
Unternehmer hatte es augenscheinlich an der richtigenOrientirung fehlen lassen und der führende Trapper warein fauler Bursche, der nicht das geringste Interesse zeigte,die Herren zum Schuß kommen zu lassen, dafür aber imZelt beim Essen und Trinken um so leistungsfähiger war.Auch war die Witterung die denkbar ungünstigste, undtagelang konnten die Jäger wegen Schneegestöber ihreZelte nicht verlassen. Die Jagdpartie wurde deßhalb ab-gekürzt und Frhr. v. Feilitzsch versuchte sein Glück allein,indem er sich einem Jagdzuge nach Canada anschloß, woer u. A. einen Deerbock (Virginiahirsch), Puma und Prairie-wolf zur Strecke brachte. Der andere Theil der Jagd-gesellschaft hatte bessere Jagdgründe getroffen. Im Ver-gleich zu seiner früheren Jagdpartie nach Norwegen fandder Herr Vortragende, daß der Wildreichthum dort ebenso gering war, wie in Nordamerika, in Norwegen warenaber die eingeborenen Jäger zuvorkommender und eS gabin den vorhandenen Blockhäusern bessere Unterkunft. Diekörperlichen Anstrengungen waren in Norwegen fast nochgrößer. Nach der Rückkehr aus Canada besichtigte HerrBaron v. Feilitzsch noch das berühmte Schlachtfeld vonGettysburg in Pennsylvanien und reiste dann nach Ncw-Aork, wo er auf der deutschen Gesandtschaft die Nachrichtvon seiner Beförderung zum Rittmeister vorfand. Aufder Rückreise besuchte er noch London und Paris undtraf Mitte Dezember v. I. wieder wohlbehalten in derHeimath ein. Der hochinteressante Vortrag fand den leb-haftesten Beifall.
--SÄ8W-S---
GotdkSrnev.
Wer sich allein für klug hält — Muß allein zu Grundegehen.
Der Tod ist rettende Genesung, — Der finst're Durchgangnur vom Licht zu hellcrm Licht.
In And'rer Glück sein etg'neö finden,
Ist edler Seelen Seligkeit;
Doch selbst der Andern Wohlfahrt gründen,
Zu frohem Dank ihr Herz entzünden,
Ist göttliche Zufriedenheit.
--8SWLS-.--
Kreuz-RätHfek.
1 3 ein altberühmt Geschlecht,
Von einer Krone Glanz umflosscn,
2 4 hat oft unö schlecht und rechtDer Vorzeit Wunder aufgeschlossen,
3 4 zeigt oft sich als Tyrann,
Doch sollst du nicht zu sehr ihm dienen»1 4 thut gern der kühne MannUnd der Bequeme fährt in ihnen.
Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 32:
Weiß. Schwarz.
1. S. ^.6-67 K. V4-65 :
2. S. 67-85 beliebig
3. V3-V4 (D. - M) Matt
oder
1. : : : . l : l §5-L4:
2. D. Ü2-Ü4 : Matt.