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mit dem Provinzial, den Klosterpater zum freiwilligenAbzug zu bestimmen. Kaum war er aus dem Thore,so rottete sich sein Anhang, wohl 1800 Köpfe stark, zu-sammen und begehrte mit den Waffen in der Hand seineZurückberufung. Der Rath willigte ein, falls der Auf-enthaltsort bekannt würde. Schon am dritten Tage,den 9. August, brachte ein Weber den Schilling zurück.Die Anstifter der Rebellion sollten jedoch nicht durch-schlüpfen. Den beiden Webern Hans Kagen und HansSpeisser schlug auf dem Fischmarkte der Nachrichter dieKöpfe ab, und man läutete dazu nicht die Sturmglocke,was als Strafverschärfung galt."
Rühmend muß andererseits erwähnt werden, daßan den Ungerechtigkeiten des Bürgermeisters Ulrich Schwarzkein Weber sich betheiligt hatte, im Gegentheil erduldeteder Weberzunftmeister Haus Weher mancherlei Verfolgung,weil er als Steuerherr den eigennützigen Plänen desTyrannen kühn entgegentrat. Und als die Stadt 1480die Bürger gegen den Bischof Friedrich Grafen vonZollern aufbot, zogen die Weber unter ihrer Fahne mit323 Mann und 21 Pferden in das Feld.
Ueber die Unruhen von 1762 bis 1794 wird späterdie Rede sein, es mögen aber hier drei Bilder aus demGesellschaftsleben einen Platz finden, nämlich die Tänzel-woche, der Blaumontag und die Meistersänger.
Die bei allen Zünften übliche Tänzelwoche benutztendie Weber zu einem pompösen Aufzug durch die Stadt,welcher in sechs Gruppen das Andenken an die Geschichtedes Handwerks bei der Bürgerschaft auffrischen sollte.Einer jeden Abtheilung schritten Musiker oder Trommlerund Pfeifer voran, und Knappen in roth und gelbenKleidern mit gleichfarbigen Duseggen (Säbeln) gingenzur Seite. Zuerst kamen Knaben, die Stadtpyr undzwei Adler tragend, der Hauptmann mit dem Spontan(Halbpiquet) und zwischen zwei Feldwebeln ein weißge-kleideter Knabe, einen Lorbeerkranz haltend. Sodannfolgten acht Altgesellen in rothen Kleidern mit Hut undFedern, in ihrer Mitte die Träger der Willkomm (Po-kale) der beiden Laden, die vier Bnchsenmeister in schwarzenManteln und eine Tafel oom Weberhause, Alle von Ge-sellen mit bloßem Degen geleitet. Unter gleicher Um-gebung schloffen sich an drei Knaben mit den Vorstehern,deren Wappen tragend, der erste Fähndrich und zweiVierer, die Tafel mit der Hnnnenschlacht und die Hälfteder Zunft mit etlichen in Küraß, theils Lobsprüche undFriedenstafeln, theils Kriegsrüstungen zeigend, währenddie wohlaufgeputzten Meistersöhne mit Fcldbinden undDegen, mit Bögen und Pfeilen ausgerüstet waren unddie eine Hälfte die Weinkannen ihrer Herberge trugen.Hierauf kamen Knaben mit den Bildnissen des KaisersOtto und des heiligen Ulrich und mit dem auf demLechfelde erbeuteten Schilde, die schwarz gekleideten Sechsermit Pokalen vom Weberhanse und Gesellen mit rothund gelben Maschen auf der Achsel. In der fünftenGruppe wiederholte sich die dritte, nur zeigte die Tafeldie Verleihung des Zunftwappcns durch König Otto.Den Schluß bildeten zwei Lieutenants und zwei Leib-schützen, einige Meister in Harnisch zu Pferd und dieTräger von Antiquitäten — Sättel, Sporen, Pfeile,Stilete, Sammethauben, Standarten, und eines Schildesmit den Worten Oeus lortrtuäo wen. Vor den Wohn-ungen der beiden Stadtpfleger, der Deputirten des We-berhauses und in dem Klosterhofe St. Ulrich fand dasFahnenschwenken statt, am Wcberhause ließen die Bei-
sitzer zu einem guten Trunke die Kannen füllen undeine Mahlzeit mit Tanz beendete die Festlichkeit. Inwidrigen Zeitkäufen gestattete sie der Rath nicht, weshalbvon 1660 bis 1760 dieselbe unterblieb.
Wie öffentliche Aufzüge von der Genehmigung desRathes abhingen, so überwachte er alles, was mit demWirthshausbesuche im Zusammenhange stand. Er ver-weigerte den Webergesellen eine zweite Herberge, um diesie wegen ihrer großen Zahl baten, er duldete in denZunfthäufern uur das Spiel im Brett um einen Pfennigoder höchstens zwei, und er versuchte sogar den Gesprächs-stoff beim Bierkrug zu regeln. Und doch machte er fürdie Weber bei einer Ausschreitung eine Ausnahme,die anderwärts bekämpft wurde. Im 16. Jahrhundertkam in Deutschland die Unsitte der Arbeitseinstellungund Schweißereien am „Fraßmoutag" auf, welche sichallmählig auf alle Montage des Jahrs erstreckte, und mannannte sie «die blauen" nach der Kirchenfarbe beim Be-ginne der Fasten. Vergeblich bemühten sich die Reichs-polizeiordnungen dem Unfuge zu steuern, in Augsburg schützte ihn die Obrigkeit. Auf Anbringen der Weberverfügte ein Senats-Dekret vom 9. Scptembec 1578:„den Meistersöhnen und den Knappen zu einer Ergötz-lichkeit zu erlauben, an allen Montagen in den Wochenohne einen Feiertag Nachmittags, wenn es zwei geschlagen,von der Arbeit zu gehen und mit Bescheidenheit einenguten Montag zu halten." Von diesem Vorrecht machtenbald auch die übrigen Zünfte einen Gebrauch und zwarfür den ganzen Tag.
(Fortsetzung folgt.)
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Schachaufgabe.
Von T. Taverncr, Bolton.Schwarz.
Weiß zieht an und setzt mit dem 2. Zuge matt.
Lösung der Schachaufgabe inWeiß.
1. T. — 21!
2. S. - 23!
3. S. - 65 Matt
oder
1 . .
2. V4—V5 ch (Drohung).
3. V2-V4 Matt.
Nr. 41:
Schwarz.L. — 23, L3beliebig.
beliebig.