Ausgabe 
(12.6.1894) 47
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ebenfalls verhaßt gewesen sei und die gelungene Racheihn deßhalb noch auf dem Schaffst freuen werde.

Nur eins schmerzt mich bis 'zur Verzweiflung,"schloß er mit umflorter Stimme,der Tod meines Kin-des. Mit diesem einen unseligen Schusse, den nur derhohnvollste Zufall gelenkt, habe ich alles Uebrige ge-sühnt. Leben will ich nicht mehr, ich verzichte auf jeg-liche Gnade und Vertheidigung. Nur machen Sie eskurz mit mir, meine Herren, verschärfen Sie die Strafenicht durch eine längere Frist, als nöthig ist, um dasUrtheil zu fällen. Sie verdammen mich damit zu einergrausamen Folter."

Wieder streifte sein Blick, welcher den scheuen undwilden Ausdruck verloren, jene leere Stelle, doch warund blieb die Erscheinung verschwunden.

Das Geschwornen-Gericht, vor welchem der sen-sationelle Fall verhandelt worden war, hatte das Todes-

dieses Klosters, herausgegeben von Erzbtschof A. v. Strichele)fünf Huben, welche zu den ältesten Stiftungsgütern diesesangeblich im ackten Jahrhundert gegründeten Klosters ge-hörten. 922 überließ dieses Kloster einen Theil dieserGüter in Wale nebst fünf anderen Orten an Kaiser Ottofür die Wiederherstellung der freien Abtswahl und dieFreiheit von Kriegsdienst und Steuern für das Reich.Den übrigen Theil der Güter verlieh das Kloster einem,wie es scheint, reichen und ansehnlichen Geschlechte, dessenGlieder sich von dem Ort de Wale nannten und daselbstwohnten.

Außer den Ottobeurer Lehen besaß das Geschlechtder Waler auch bayerische Güter als Lehen , und nachdem1288 Ludwig Pfalzgraf am Rhein und Herzog von Bayerndem Bischof Wolfhart von Augsburg die Hälfte des Mi-nisterialates des Hermann von Wale geschenkt, so wurdendie Waler auch Lehen - und Dienstmänner der Bischöfe

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Kreuzigung.

urtheil über Steindorf gefällt, die ganze Verhandlungaber nur wenige Stunden in Anspruch genommen, dader Angeklagte in allen Punkten geständig war und jedeVertheidigung energisch ablehnte.

(Schluß solgr.)

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Waal.

(Mit Illustrationen.)

Eine Stunde südöstlich der Eisenbahnstation Buchloe liegt in weiter Ebene an den Quellen der Singold derMarkt Waal mit einem Schlosse des Fürsten von derLeyen . Den Namen soll dieser Ort, wie das nahe Wal-haupten, von zum Theil noch sichtbaren Römerwällen, dieeine stundenlange Fortification bildeten, erhalten haben.In Wale, wie die älteste Schreibart des Ortes lautete,besaß das Kloster Ottobeuren (nach dem ältesten Chronikon

von Augsburg . 1263 finden wir BartholomäuS de Waleim Gefolge des Königs Konradin als Zeuge in mehrerenUrkunden. 1444 wird noch ein Bartlin von Wal erwähnt,er und Peter von Hohenegg waren als des Stifts Augs-burg Amtleute Schiedsrichter in den Irrungen über dasErbtruchseffenamt des Gotteshauses Augsburg .

Später zog sich dieses Geschlecht, das dreihundertJahre mit dem Orte verbunden war, ganz aus dieserGegend.

Schon am Anfang des fünfzehnten Jahrhundertsscheinen die von Freiberg wahrscheinlich durch Heirath inden Besitz der Herrschaft Waal gekommen zu sein. 1433empfing Konrad von Freiberg die Hochstift AugsburgischenLehen zu Waal. Von den Freiberg kamen durch Heirathund Kauf die von Riedheim in den Besitz der HerrschaftenWaal und Angelberg. Dann kam Waal durch Erbfolgean die Ritter von Landau (1511) und die Grafen von