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zu den Zeiten des 30jährigen Krieges durch Raub undVerheerung der Schweden in den friedlichen Thälern desGebietes von Jmmenstadt eine gräßliche Hungersnoth unddie Pest wüthete, gab ein Priester, Konrad Frei, denRath, öffentliche Volksbelustigungen anzustellen, um diein Trauer und Schrecken versunkenen Gemüther wiederzur Lebensfreude anzuregen. Der Rath ward angenommenund alsbald in's Werk gesetzt. Man zog mit Musik inversammelten Schaaren auf den Marktplatz, hielt öffent-liche Umzüge, Tänze, Vermummungeu und fand allgemeinVergnügen und — die ersehnte'Hilfe. Darum hielt mannoch viele Jahre zum bleibenden Andenken an jene höchsttrüben Zeiten auf dem Marktplatz zu Jmmenstadt undin den vornehmsten Straßen öffentliche Umzüge und Volks-belustigungen, die nach ihrem Ursprünge „Pesttanz" ge-nannt wurden. Man gab sich aber nicht nur der Lust-barkeit hin, sondern man betete auch viel, und seit derPestzeit wird selbst heutzutage noch an jedem Abend inder Stadtpfarrkirche ein Rosenkranz gebetet.
Unter der Regierung von Hugo's Nachfolger, desGrafen Leopold, erhob sich Jmmenstadt wieder zu schönsterBlüthe. Am 4. Juli 1679 wüthete in Jmmenstadt einegroße Feuersbrunst, der 50 Häuser und 2 Menschenlebenzum Opfer fielen. Am 26. August 1704 waren vornehmeGäste beim Grafen zu Besuch, und in der Stadtpfarrkirchewurde ein großes Fest gefeiert. Den Gästen zu Ehrenward mit Böllern nahe bei der Pfarrkirche geschossen.Brennendes Papier flog auf das mit Scharrschindeln ge-deckte Kirchendach, und dasselbe fing Feuer, die ganzeKirche brannte ab. 1707 fand die Einweihung der neu-gebauten Pfarrkirche statt. Am 24. August 1796 wurdeJmmenstadt von den Franzosen mit Sturm genommen.1800 wüthete dortselbst die Rinderpest und verlor dieStadt nicht weniger als 400 Stück Rinder. 1806 fielJmmenstadt an Bayern . Am 10. März des genanntenJahres wurden die allerhöchsten Kundmachungen verlesenund die bayerischen Wappen angeschlagen. In dem ehe-maligen Schlosse befinden sich heute das k. Amtsgerichtund k. Rentamt. Unter den sonstigen Baulichkeiten findhervorzuheben: die Stadtpfarrkirche, im Rokokostile erbaut,die Kapuzinerkirche, das Friedrichsbad u. a Jmmenstadtzählt ca. 2900 Einwohner, die Gesammtpfarrei (mit etwa10 Filialen) 3650 Seelen und ist seiner reizenden Lagewegen als Sommeraufenthalt beliebt und viel besucht.
Unser Bild ist nach einer Photographie des HerrnPhotographen R. Ebert in Kempten.
-I-v-I-
GotdkSrner.
Das Gedächtniß mag immer schwinden, wenn nur dasUrtheil im Augenblick nicht fehlt. Goethe.
-itWI-
Figaro docirt.
(Zu unserem Bild Seite 391.)
Mit viel Humor und Komik hat A. Bihari unter dem Titel„Figaro docirt* eine Scene dargestellt, welche in der Stubeeines Dorfbaders sich abspielt. Wir sehen da, wie der Meisterund seine bessere Hälfte eben beschäftigt sind, ihres Handwerkszu walten. Ein Bäuerlein betrachtet vor dem Spiegel sein glattrastrtes Antlitz, mit dem Tuche sich abtrocknend, während eineAnzahl „Kunden* herumstehen und geduldig harren, bis dieReihe an sie kommt. Der Barbier ist ein gelehrtes Haus und ingar manchen Wissenschaften beschlagen. Was er vor den Män-nern da docirt, ist jedenfalls ein interessantes und unterhaltendes.Thema; das sagen uns die schmunzelnden Gesichter seiner Zuhörer.---
Früher Clown!
Eine Kellnergeschichte in 9 Bildern.
„Gehorsamer Diener!*
„Sie gestatten!"
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