Ausgabe 
(26.6.1894) 51
Seite
394
 
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Der Preis für die Eisenbahn-Billets II. Klasse abBuchloe bis Lourdes und zurück war auf 105 Markfestgesetzt, für Billets III. Klasse 77 Mark, gewiß einemäßige Summe für eine Bahnstrecke von 1400 Kilometer,hin und her zusammne 2800 Kilometer. Wer für sichoder mit einer Gruppe reisen will, kann ein Rundreise-billet bestellen für Schweiz und Frankreich ; ebenso sind inLyon Pilgerbillets nach Lourdes zu haben.

Nachdem nun diese Pilgerreise nach Lourdes vom10. bis 21. April mit Gottes Hilfe glücklich ausgeführtworden, möchten wir hierüber eine Reise-Skizze geben(nicht Neisebeschreibung), welche vielleicht künftigen Pil-gern willkommen sein mag, aber auch Solchen von einigemInteresse sein dürfte, welche nicht selbst nach Lourdes pilgern können.

Es ist wohl zu beherzigen, daß diese große, etwasbeschwerliche Wallfahrt eine Bußreise, kein Vergnügungs-zug ist; man muß sich gefaßt machen auf verschiedeneReisestrapazen, ungewohnte Beschwernisse; auf der Hin-reise war nur in Lyon Nachtlager geplant, auf der Heim-reise in Einsiedeln ; sonst nur bisweilen, bei großenStationen, ein kurzer Aufenthalt; doch sind die Beschwerdenin Wirklichkeit nicht so groß, als Manche meinen, wieauch unsere Mitpilger bezeugen werden! Allen wurdeans Herz gelegt: Gehorsam gegen die Leiter der Wall-fahrt. Da in der Schweiz und in Frankreich demschesGeld nur mit großem Verlust angenommen wird, mußteman sich schon zu Hause mit französischem Goldgelde (densog. Napoleons ) versehen, ebenso mit Silber- und Klein-geld, bei Bankhäusern. Paßkarte war nicht benöthigt,ist aber doch anzurathen. Gepäck durfte man nur nehmen,was man selbst tragen konnte, Handkoffer, Handtasche,weil alles Uebrige als Passagiergut aufgegeben werdenmußte. Außer der Reisekleidung am Leibe war unsein Ueberrock (Shaw!) empfohlen, da das Klima inLourdes im Frühjahre nicht allzuwarm ist, Abends öfterkühl. Auch mit Speisen für den Hinweg versahen wiruns, und leistet eine Flasche zum Wein oder Wassergute Dienste. Es war ein bewegtes Leben in Buchloe ,diesem wichtigen Knotenpunkt der Bahnlinien Lindau München , McmmingcnAugsburg, von wo auch diegemeinsame Abfahrt geschehen sollte, am 10. April.

Viele, die weither gereist waren, hatten sich schonam Vorabend eingefunden und in den dortigen Gast-häusern übernachtet. Dieselben wohnten der vom Hochw.Herrn Director Morgens 5 Uhr celebrirten hl. Pilger-messe bei in der schönen Pfarrkirche, um eine glücklichePilgerfahrt zu erbitten. Viele, so hörte man, hatten sichabhalten lassen durch die Besorgniß, es möchten sichähnliche unliebe Vorkommnisse, wie 1890 im Bahnhof inBeziers , wieder ereignen; unsere Pilger waren voll Gott-vertrauen und Muth; wohl auch im Hinblick auf denUmstand, daß den Pilgerzügen nach Lourdes , die seit30 Jahren üblich sind, nie ein Unfall auf den Eisen-bahnen begegnete; wunderbar war es, daß bei dem ein-zigen Zusammenstoß des Pilgerzuges von Niont (700Fahrgäste) mit einem Expreßzuge bei Agos am 3. Juli1876 Niemand getödtet oder schwer verwundet wurde!Die Mutter Gottes beschützt ihre frommen Kinder undPilger.

(Fortsetzung folgt.)

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Jmmenstadt.

(Hiezu das Bild Seite 393.)

Nach der Sage hatten da, wo jetzt auf lieblichemPlane das schwäbische Städtchen Jmmenstadt zu den Bergenaufschaut, ein paar Jmmenbauern im Schatten gewaltigerLindenbäume ihre Wohnungen aufgeschlagen. Die Be-wohner derselben trugen, weil ihr Ertrag größtentheilsnur in der Bienenzucht bestand, den noch immer in dieserGegend vielfach vorhandenen Stammnamen Jmmler, undes ist glaublich, daß von ihnen der Ort im Verlaufe derZeit den NamenJmmendorf" erhalten.

Urkundlich erscheintJmmendorf" zum ersten Maleim Jahre 1269. Der eigentliche Grundherr von Jmmen-dorf war der Besitzer der Burg Laubenbergerstein. Wahr-scheinlich wurde Jmmendorf im Jahre 1360 durch dieThätigkeit Heinrich von Montforts, Herrn zu Rothenfels,zur Stadt erhoben. Kaiser Karl IV. erlaubte dem GrafenHeinrich, die neue Stadt zu befestigen, und verlieh der-selben das Recht von Lindau . Damals bestand das Städt-chen außer einigen steinernen Gebäuden fast nur aus vonHolz und Lehm gebauten Häusern. Der Ort war abernicht nur durch Mauern und Gräben vor feindlichenUeberfällen geschützt, sondern auch noch durch Schanzenoder sog. Vorwerke sehr gut gesichert. Im Jahre 1407zogen Appenzeller, mit denen man in Fehde lag, vor Jm-menstadt, konnten es aber nicht einnehmen. Als zudemder oberschwäbische Adel sich sammelte und den Appen-zellern den Rückzug zu verlegen drohte, gaben sie die Be-lagerung von Jmmenstadt gänzlich auf und eilten demBodensee zu. Die Verfassung von Jmmenstadt währenddes Mittelalters war einfach. An der Spitze der Stadtstand ein Stadtammann. Neben demselben bestand einRath von 12 Mitgliedern, der, wie jener, von der Bürger-schaft alljährlich gewählt wurde. Zunftverfassung hatteJmmenstadt nicht, ebensowenig ein eigenes Stadtgericht.1422 erhielten die Grafen von Montfort-Rothenfels vomKaiser das Privilegium, in Jmmenstadt ein Landgerichtzu errichten. Späterhin wurden die Jmmenstädter steuer-bare Unterthanen von Rothenfels .

Mit Ende des 15. und zu Anfang des 16. Jahr-hunderts stand bei den Bürgern zu Jmmenstadt Viehzuchtund besonders Leinwandweberei in schönem Flor. ImBauernkriege waren die Jmmenstädter bauernfreundlichgesinnt. Als die Bauern des Algäu's sich erhoben, stelltesich auch aus Jmmenstadt's Mauern ein Bürger als Führeran die Spitze eines ihrer Haufen, es war Konr. Laubegg.Graf Ulrich v. Montfort verkaufte die Grafschaft Rothen-fels mit Jmmenstadt an den Freiherrn Johann Jakobv. Königsegg . Unter der Regierung des Freiherrn Georgv. Königsegg und seines Sohnes Hugo hatte Jmmenstadtsehr an Umfang zugenommen. 1629 wurde der Dachstuhlder Pfarrkirche aufgerichtet. 1632 im September flüch-teten die meisten Bewohner des Städtchens vor den heran-ziehenden Schweden . Zwei Regimenter zu Pferd und einRegiment zu Fuß brachten zwei Nächte und einen Tagin Jmmenstadt und Umgebung zu, was die Stadt 13,000Gulden kostete. Wie unverschämt sich die Schweden inJmmenstadt und nächster Umgebung benahmen, geht daraushervor, daß sie 600 Stück Kühe und Ochsen hinwegführten.Dann nahmen sie noch eine großartige Plünderung vor,bei welcher mehrere Personen niedergemacht wurden. Nachdem Schwedenkciege stiftete Graf Hugo das Kapuziner-Kloster zu Jmmenstadt. Er starb im Dezember 1666 undwurde in der Klosterkirche zu Jmmenstadt begraben. Als