Ausgabe 
(29.6.1894) 52
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latterS, wo Schockoladenfrühstücke zu haben sind; auchBier wird geschänkt in einem eleganten Lokale in mauri-schem Stil, ebenso in einer nahen Brauerei unter demBahnhof. Die Tramways fahren auf 10 langen Haupt-linien zu beiden Seiten der Nhüne und Saone, übererstere führen 9 Brücken, über letztere 13 Brücken; aufden Strömen fahren mehrere Dampfer; auf der Saoneaußerdem kleine Dampfer, Mouches genannt, die fleißigbenützt wurden auch unserseits. Sofort fällt der FestungS -Charakter von Lyon in die Augen, da es in einem Um-kreis von 6 Stunden von 18 detachierten Forts um-geben ist.

Die Stadt, am Kreuzungspunkte mehrerer Weltstraßeu,verdankt dieser Lage ihre hervorragende Bedeutung alsHaupthandelsplatz und Vermittlungspunkt zwischen demNorden und Süden Europas ; sie besteht aus der altenStadt, auf dem rechten Ufer der Saone, dann der eigent-lichen Stadt, auf der Landzunge zwischen beiden Strömen,und 6 Vorstädten! Auf einem Spazicrgange gelangtenwir von unserm Platz Perrache in die Bourbon-Straße,hier sind prächtige Magazine; sodann in das aristokratischeViertel Lyons , St.-Marttn, mit einer sehr alten Kloster-Kirche aus dem 10. Jahrhundert, 5schiffige romanischeBasilika mit 2 Thürmen; dann auf den Platz Bellecour,den Mittelpunkt des modernen Lyon , den schönsten Platzder Stadt, mit Edelkastanien, Gartenanlagen, Palmen,Springbrunnen geschmückt, begreiflich die Lieblingsprome-nade der Lyoner; in der Mitte das Reiterstandbild Lud-wigs XIV . Auf diesem Platze ist das Museum derGlaubensverbreitung, in der Woche von 85 Uhr ge-öffnet, mit einer ethnographischen Sammlung der vonden Missionären zugesendeten Geschenke, höchst interessant;unweit das Hospiz Charito, von General Kleber,demguten Deutschen", für Arme gestiftet, mit 1217 Betten;4000 arme Waisen und ausgesetzte Kinder werden aufKosten dieser Anstalt gepflegt und erzogen, und 400 alteArme hier bis an ihren Tod verpflegt. Die stolzeste allerLyoner Straßen ist dieRepublikstraße", welche mit denschönsten Pariser Straßen concurriren darf; hier ist auchdie Börse, gegenüber das Hotel de Ville, ein pompöserAusdruck der Lebensfülle der reichen Stadt, mit pracht-vollem Bildhauerschmuck in reiner edler Renaissance. Einerder bedeutendsten Plätze ist de Terreaux, mit einem schönenbroncenen Springbrunnen, an der Südseite das PalaisSt.-Pierre, ein ehemaliges Kloster, jetzt in ein Kunst-Museum umgewandelt für Sculpturen, Gemälde, archäo-logische und naturgeschichtliche Sammlungen, und einerBibliothek! Hievon konnten wir nicht Einsicht nehmen,bei so kurzgemessener Zeit; wir suchten die KathedraleSt. Johann auf, einen mächtigen gothischen Bau aus dem13. Jahrhundert, mit reicher Fayade, 3 Portalen mitsäulenreichen Scitenwänden; das Innere schmücken reicheGlasmalereien aus dem 14. Jahrhundert und moderne.Von da trachteten wir zur berühmten WallfahrtskircheNotre Dame de Fourviöres, hochgelegen auf dem Hügelam rechten Ufer der Saone, wohin eine Drahtseilbahnführt. Wir wählten einen aussichtsreichen breiten Fußweg.Diese alte Wallfahrtskirche, von den Bewohnern Lyons und aus weiter Ferne fleißig besucht, liegt auf einer dieStadt überragenden Anhöhe 470 Meter hoch, die sich inbedeutender Länge hinzieht, und von der aus man dieschönste Aussicht genießt auf die Riesenstadt und deren herr-liche Umgebung. Wir versammelten uns um 4 Uhr Nachm.in diesem alten Gotteshaus, in welchem ein berühmtes

Marienbild verehrt wird, durch dessen Verehrung schonso viele Gebetscrhörungen geschahen. Zuerst beteten wirden hl. Rosenkranz, und nach Aussetzung des Ällerheiligstenwurde eine weitere Andacht daran gereiht mit mehrerenWallfahrts -Gesängen, welche, mit Begeisterung gesungen,auch auf die anwesenden Franzosen großen Eindruckmachten. Das Lyoner JournalDimanche" sagt hierüber:Es sind am 11. April 500 bayerische Pilger in Lyon angekommen, um zu den Füßen der Gottesmutter ihrefrommen Gebete in ihrer Sprache niederzulegen. Wirbewunderten die liebliche Harmonie, welche den deutschenGesängen charakteristisch ist. Es war in der That schön,diese Pilger beten zu sehen mit größter Andacht, womitsie ihre Liebe zu Maria kundgaben." Neben dieser älterenKirche befindet sich eine neue, dreimal größere, zu U.L. Fr., die sich durch Pracht auszeichnet; sie hat bis jetzt17 Millionen Franken gekostet, lauter freiwillige Gaben,und werden noch 2 bis 3 Millionen erforderlich sein, umin dem byzantinischen Prachtbau das noch Fehlende ander Einrichtung zu ergänzen. Dieses großartige Kunstwerkist eine Votivkirche, bestehend aus einer Krypta und einerOberkirche mit vier Thürmen und reichem Hanptportal,errichtet aus Dankbarkeit von der Stadt Lyon für denbesonderen Schutz der hl. Gottesmutter zur Zeit des großenKrieges 1870/71. Der Name Fourviores stammt vomrömischen Forum, auf dessen Platz sie errichtet wurde.Lyon ist überhaupt der hl. Gottesmutter ganz ergeben;am 8. Dezember jeden Jahres erglänzt die Stadt ineinem Lichtmeere. Von hier aus besuchten wir unterFührung einer deutschen Lehrerin ein Kloster, das nebeneinem uralten Hciligthnm der ersten Christen in Lyon erbaut ist und auch den Leib des ersten hl. Bischofs vonLyon enthält, sowie viele Gebeine von hl. Märtyrern auSder Stadt. In der Vorstadt Ste.-Jrene findet man aufjedem Schritt Spuren des alten Lyon , die jetzigen Hänsersind theilweise aus seinen Trümmern gebaut. Die KircheSte.-Jrene hat eine sehr alte Krypta; neben der Kirchesieht man noch ansehnliche Neste der großartigen römischenWasserleitung. (Fortsetzung folgt.)

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A n r r r ä L h f e r.

(Die Striche sind durch finnentsprechende Wörter zu ersetzen,die im Zusammenhang ein bekanntes Sprichwort ergeben.)

ES war-! Der Mondenschein

Blinkt' mild in'S Kämmerchen hinein.

Versunken die Sorgen allDes Tags mit ihrem wüsten Schwall.

Ein süßes Träuinen hüllt mich ein,

Da tönt vom Dach ein kläglich Schrei'»,

Ließ man denn-frei?!

Zerstoben ist die Träumerei!

Der Mond selbst schaut voll Aerger d'relnUnd hüllt in Gewölk sich ein.

Auflösung des Kreuz-Räthsels in Nr. 31: