sich erquicken; ein paar Tische waren mit schweizerischenCavallerie-Offizieren besetzt. Es war 11 Uhr 22 Min.Nachts, als unser Zug den Bahnhof verließ. Das Mond-licht beleuchtete die Berner Alpen , die bei der Ausfahrtaus dem Bahnhof sichtbar wurden, sie werden aber balddurch den Gurten verdeckt. Dann fährt die Bahn durchein Wiesenthal, verläßt nach Förishaus das Berner Gebietund betritt den Freiburger Kanton, fährt durch denFlammat- und Mühlthal-Tunnel, passiert schließlich eineüber die Saane erbaute 370 Meter lange und 80 Meterhohe Eisenbahnbrücke und gelangt nach Freiburg (12,000Einwohner). Sehenswerth ist die Nikolauskirche mit einerder größten Orgeln Europas ; die Orgel hat 7800 Pfeifenund 65 Register. Für uns Augsburger Diözesanenhat besondere Bedeutung die Michaelskirche mit demGrabmal des sel. Jesuitcnpaters Petrus Canistus, demunsere Diözese so viel verdankt wegen Erhaltung deskatholischen Glaubens; er war ja mehrere Jahre auchDomprediger in Augsburg . Der Nacht halber konntean einen Aufenthalt nicht gedacht werden. Die Pilgervon 1890 haben in feierlicher Procession dessen Grab-mal besucht, wobei sie von einem Jesuitenpater Namensdes Bischofs begrüßt wurden, in salbungsvoller Predigt.Die dortige katholische Universität blüht mehr von Jahrzu Jahr und weist eine ziemlich große Frequenz-Zifferauf. Der berühmteste Professor an der theologischenFakultät ist der Dominikaner Peter Weiß, ein haupt-sächlicher Anziehungspunkt für die Studenten. In derNähe der Michaelskirche ist die größte und längste Draht-brücke Europas, 247 Meter lang. Von Freiburg gehtdie Bahn über einen hohen Damm längs der Glane hin,dann über eine prächtige Steindrucke, sodann folgt eineeinförmige Hochebene.
Nach der Station Chcxbres führt die Bahn durchden 460 Meter langen Tunnel von Cornallaz; nach demAustritt aus demselben wird man durch den wunderbarenAnblick des Genfer Sees überrascht. Die Landschaftwird immer herrlicher, der Weg führt durch Weingegenden,nach 2 kleineren Tunnels über die 43 Meter langePaudoze-Brücks nach Lausanne (33,000 Einwohner),auf 3 Hügeln erbaut, mit einer herrlichen Kathedrale.Mit Lausanne haben wir das Ufer des Genfer Seesberührt. Derselbe hat einen Flächeninhalt von 11^geogr. Meilen, ist 14/g Quadrat-Meile größer, als derBodensee , 78 Kilometer lang. Die Bahn führt vorbeian den Städten Morges (4088 Einwohner) mit Hafenund altem Schloß, Nhon (4200 Einwohner) mit Schloßaus dem 16. Jahrhundert, nach Genf (70,000 Ein-wohner), der bevölkertsten und reichsten Stadt der Schweiz .Genf wird durch die Rhone in zwei Theile getheilt unddurch 8 Brücken verbunden, deren größte die Pont-du-Montblanc. Genf , die Stadt Calvins, deren Einwohnerfrüher fanatischen Haß gegen die Katholiken hatten, istsehr reich an Sehenswürdigkeiten; wir konnten davonnicht profitieren! Hier spricht man auch das reinste Fran-zösisch, weshalb Genf stets gerne von Sprachbeflissenenaufgesucht wird. Es war am 11. April 3 Uhr 25 Min.Morgens, als wir ankamen, 4 Uhr 30 Min., als wirabreisten auf der Bahnlinie Genf—Lyon , 170 Kilometerlang, mit 15 Bahnstationen. Die Bahn tritt jetzt infranzösisches Gebiet, geht nach der 5. Station Collonges durch 2 kleinere Tunnels, dann durch den 3900 Meterlangen Tunnel Credo, überschreitet den herrlichen Viaductüber die Valseriue (11 Bogen, der größte 52 Meter
hoch) und gelangt nach Bellegarde, der Zollstationfür Schweiz und Frankreich. Alles aussteigenl Zoll-revision! Mit Eilfertigkeit und Hast drängte sich dasGros der 500 Pilger durch die Zollhallen; es brauchtenur wenig Zoll bezahlt zu werden, die Meisten hattennichts zu entrichten; die ganze Revision wurde schnellbethätigt, mit großer Milde. Alsbald waren wiedersämmtliche Pilger in den hübschen, großen und bequemenWaggons der Lyoner Bahn untergebracht. Man passiertbald nach Austritt aus dem Bahnhof 4 Tunnels, vondenen der längste der Paradies-Tunnel ist, 1025 Meter,und erreicht die Station Pyrimont, bei der bedeutendeAsphaltminen sich befinden. Der Zug ging an denUfern der Rhone zwischen Felsen und Schluchten mitviel größerer Schnelligkeit, als in der Schweiz. Diemeisten Pilger befanden sich zum ersten Male auf demBoden Frankreichs, welchen heutzutage der Deutsche miteinem eigenthümlichen Gefühle betritt; wie wird manuns begegnen? hieß es; erst am andern Ende des großenReiches, an der Grenze von Spanien, werden wir nachlanger Fahrt das hehre Ziel der großen Reise erreichen.Nach der Station Culoz ist die Bahnrichtung eine nord-westliche bis Amberieu (3618 Einwohner), von daeine südwestliche bis Lyon mit 5 Hauptbahnhöfen und 7andern. Zuerst passiert die Bahn den Bahnhof St.»Claire, dann den Viaduct über die Rhone, den 2. Bahn-hof Brotteaux, überschreitet noch einmal die Rhone undläuft in den Centralbahnhof von Perrache ein.
Wir sind in Lyon angelangt, in einer herrlichenund sehr fruchtbaren Gegend gelegen, der größten StadtFrankreichs nach Paris, am Zusammenflüsse der Rhone und Saöne; es ist 9^ Uhr nach Pariser Zeit, mittel-europäische Zeit 10 Uhr. Das Comits hatte eine deutsche Landsmännin ersucht, für die Pilger in geeigneten HotelsQuartiere zu bestellen, Fräulein Amölie Lorch, Lehrerinder deutschen Sprache, Nue Vauban 39, welche unserwartete und begrüßte; nach Austheilung der Quartier-karten fuhren wir in Paktiern in die betreffenden Hotels.Viele von uns in das nahe Hotel Toulouse , früher HotelStraßburg, wo wir gutes Quartier und sehr gute Be-köstigung erhielten bei müßigen Preisen.
Lyon ist nach Umfang, Bevölkerung, industrieller undpolitischer Bedeutung die zweite Stadt Frankreichs , derenEinwohner durch edlen Bürgerfinn und Bürgerfleiß sichhervorthun, zählt 350,000 Einwohner; es besitzt mancheElemente von Paris und gibt ein Abbild vom Lebender Weltstadt an der Seine, die wir schon gelegentlicheiner Weltausstellung im Jahre 1867 kennen gelernthaben. Die Rues de la Nepublique, del'Hotel de Ville,de Perrache, mit blühenden Anlagen und Baumpflanzungen,diese Straßen mit ihren luxuriös decorirten Schaufensternund dem stolzen Hochbau ihrer mächtigen Häuserfronten,sowie einige Stadttheile jenseits der Rhone , concurrierenmit namhaften Pariser Straßen. Die prächtige PlacePerrache und der reizende Square auf dem Nepublikplatz,das Kaffeehaus-Leben auf der Straße, das Geschrei derKleiderhündler und anderer Verkäufer und Zeitungsträgerund viele dem Deutschen fremde Dinge erinnern anFrankreichs Hauptstadt; besonders auch die herrlichengeräumigen Passagen. Der Lyoner ist ein Franzoseanderer Art als der Pariser , ohne dessen Feinheiten, denEsprit; sein Handel, seine Industrie, seine Zahlen absor-biren ihn. Außer den vielen und guten Gasthöfen siehtman Zahlreiche Cafäs und Restaurants, auch Cafos-Choco-