Ausgabe 
(24.7.1894) 60
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durch die weiten Säle rollenden, zum Theil von Dampf-kraft getriebenen Laufkrahnen das Alles muß mansehen und auf seine Sinne wirken lassen, um einen richtigen,aber zugleich überwältigenden Eindruck zu empfangen vonder großartigen Entwicklung der deutschen Maschinen-Jndustrte überhaupt und ihrer in der Fabrik zu Augsburg kultivirten Zweige insbesondere.

Die eigentliche active Thätigkeit vertheilt sich auf fol-gende Lokale: eine Eisen- und Metallgießerei, eine Guß-putzerei, eine Schmiede und Kesselschmiede, eine Dreherei,ein Montirgebäude für Dampfmaschinen und Turbinenund eine Schnellpressenwerkstätte nebst Montirsaal, wozuals wichtige Nebeneinrichtungen kommen: eine Sägemühlemit großartigem, den Reichthum eines ganzen Waldesbergendem Holzvorrathslager, eine Modellschreinerei undein Modellmagazin.

In diesen Lokalen, für deren Luftreinigung Venti-latoren sorgen, befinden sich 7 Dampfmaschinen und 1Turbine von zusammen 8001000 Pferdekräften, 380Schraubstöcke, 334 Drehbänke, 67 Hobelmaschinen, 96Bohrmaschinen, 51 Stoß- und Fräsmaschinen, 14 Näder-schneidmaschinen, 50 Schmiedfeuer, 11 Dampf- und Prä-cisionshämmer, 8 Vollgattersägen, 77 Hobelbänke, 115Krahnen und Aufzüge, wobei 45 Laufkrahnen von 500bis 30,000 Kilogramm Tragkraft. Die elektrische Be-leuchtungsanlage umfaßt 272 Bogenlampen und 1100Glühlampen. Die Fabrik besitzt eine Schienenanlage zurVerbindung mit dem Bahnhof (Geleiselänge innerhalb derFabrik circa 3000 Meter), 1 Lokomotive und 1 fahrbarenDampfkrahnen.

Die Buchdruckmnschinen-Werkstätte anlangend, istder ganze Montirsaal mit Laufkrahnen ausgestattet, mitderen Hilfe jede schwere Last leicht transportirt werdenkann, wie auch vermittelst derselben das Einlegen derCylinder mit Leichtigkeit und vollkommenster Sicherheitausgeführt wird. Neben den Laufkrahnen sind ebenfallsdurch den ganzen Saal Transmissionen gelegt, sowohlzum Betriebe der aufgestellten Werkzeugmaschinen, als auchnamentlich zur Probeweisen Inbetriebsetzung aller hier zu-sammengestellten Buchdruckmaschinen.

Und in dieser Beziehung ist der sich hier bietendeAnblick von wahrhaft überraschender Großartigkeit. Manglaubt sich in eine Buchdruckerei allerersten Ranges ver-setzt, wenn man den ganzen weiten Saal von einer Er-höhung überblickt und die Menge der aufgestellten Ma-schinen aller Gattungen sieht, die hier in nicht geringerZahl schon vollkommen fertig stehen, während nicht wenigersich in mehr oder minder vorgeschrittenen Stadien der Zu-sammensetzung befinden. Wohl kein Besucher der Fabrikwird sich von dem Montirsaale ohne aufrichtige Bewun-derung trennen, denn er ist einzig in seiner Art undvon seltener Großartigkeit.

Einige allgemeine nützliche Nebeneinrichtungen derFabrik mögen noch Erwähnung finden. Zu ihnen zählenwir, daß, wo nöthig, jeder der großen WerkstättenZeichenräume für die Ausführung der Details beigegebensind, so daß ein direktes Hand-in-Hand-gehen des ent-werfenden Ingenieurs oder Abtheilungsmeisters, welchletzterer stets auch sein abgesondertes Zimmer in der Werk-statt hat, mit dem praktisch ausführenden Arbeiter möglichist. Als sehr nützlich erweist sich auch das Holzpflaster inden meisten Werkstätten, das sich am praktischsten in diesenRäumen bewährt, wo ein niederfallender Gegenstand oftdie stärksten Bohlen zu zersplittern vermag. Gegen Feuers-

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gefahr ist Vorsorge getroffen durch eine ausgedehnte An-lage von Nothpfosten, die sofort durch die Dampfmaschineoder die Turbine gespeist und getrieben werden können.

Daß die Fabrik außer umfangreichen Remisen auchtrefflich eingerichtete und vorzüglich gehaltene Stallungenbesitzt, sei nur nebenbei erwähnt.

Auf dem Fabrikterrain ist auch eine Wirthschaft (Haus-meisterei) eingerichtet, wo einfache Nahrungsmittel und Ge-tränke zu Selbstkostenpreisen abgegeben werden. Auch eineAnzahl Häuser hat man in geringer Entfernung von denFabriklokalitäten in sehr gesunder Lage, inmitten vonGärten und Wiesen, errichtet, in denen sich je nach derGröße des Hauses vier oder acht Wohnungen von dreiund vier Zimmern für Arbeiterfamilien befinden. Zujeder derselben ist auch ein Stückchen Gartenland zumbeliebigen Anbau von Gemüse oder Blumen beigegeben.

Unter den Wohlfahrtseinrichtungen zu Gunsten derArbeiter in der Maschinenfabrik sind zu nennen: dieArbeiter-Wohlfnhrts-Einrichtungs-Kasse mit einem Ver-mögen von M. 73,622.24 (Stand am 30. Juni 1893),die Arbeiter-Unterstützungs-Kasse mit einem Vermögen vonM. 255,726.37, die Pensionskaffe der Angestellten miteinem Vermögen von M. 150,392.18, die Spezial-Unter-stützungskasse des Aufsichtsrathes (unterstützt bis 30. Juni1893 wurden seit Gründung 643 Hilfsbedürftige mitM. 27,038.41 im Gesammtbetrage), die Arbeiter-Spar-kasse mit einer Einlage von M. 148,476.16 (Stand am30. Juni 1893).

Aus Vorstehendem ist ersichtlich, über welch gewaltigeMittel die Maschinenfabrik Augsburg verfügt und wo-durch sie in den Stand gesetzt ist, ebenso prompt alscxact und gewissenhaft zu arbeiten. Die Menschen ver-gehen, die Welt aber schreitet vorwärts! UndVorwärts!"ist auch die Losung der Maschinenfabrik Augsburg. Mögedas großartige Etablissement stets in gleicher Weise wiebisher gedeihen und blühen!

Füssen.

(Hiezu das Bild Seite 463.)

Füssen, Stadt mit ca. 2800 Einwohnern, vor demEingänge in das Hochgebirge, am Lech gelegen, ist Grenz-stadt gegen Tirol, Sitz eines Bezirksamtes, Amtsgerichtesund Rentamtes. Die Stadt hat sechs katholische Kirchen,ein Franziskanerkloster, ein Schloß, eine große Seiler-waarenfabrik. Das im südlichen Theile der Stadt aufeinem Felsen gelegene umfangreiche Schloß, von dessenThurme aus man eine reizende Aussicht genießt, ist durchden am 22. April 1745 zwischen dem Kurfürsten Maxi-milian III. von Bayern und Maria Theresia daselbstabgeschlossenen Frieden merkwürdig geworden. Neben derBurg stehen die Gebäude der ehemaligen Benediktiner-Abtei St. Mang und die Stiftskirche, im gefälligen No-kokostil, mit interessanten Grabdenkmälern und Gemälden.Füssen steht an der Stelle einer römischen Niederlassung.Um 720 erhielt es die Benediktiner-Abtei St. Mang,nach ihrem Gründer, dem Mönche Magnus, benannt. Erstim Besitze der Welsen, kam es 1191 an die Hohenstaufenund 1226 durch Verpfändung an den Herzog Ludwigvon Bayern. Damals hatte auch das Hochstift Augsburg bereits Besitzungen und Rechte in und um Füssen, na-mentlich, wie es scheint, die Advokatie des Klosters. DieBischöfe hielten in Füssen zur Vertretung ihrer Rechte