Ausgabe 
(24.7.1894) 60
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einen Vogt. Herzog Ludwig begann nun, auf einem Bergeober Füssen eine Beste zu bauen; sie war gegen dasStift Augsburg gerichtet, konnte daher von den Bischöfennicht geduldet werden. Wirklich verstand sich Herzog Ludwigin einem mit Bischof Wolfhart von Augsburg wahrschein-lich im Februar 1292 geschlossenen Vergleiche, vom Bauevon Besten zu Füssen und in der Umgebung abzustehen.1313 fiel die Vogtei an die Bischöfe von Augsburg , da-mit war die Oberhoheit des Hochstiftes Augsburg überdie Stadt Füssen begründet. Die Eigenschaft einer Stadtträgt Füssen schon im 13. Jahrhundert. Auf dem Bergestand damals schon eine bischöfliche Beste. Der Berg selbstaber gehörte dem St. Magnuskloster.

Bischof Friedrich erweiterte 1322 das Schloß undbefestigte es stärker. Auch die Stadt, welche dem vonKaiser Ludwig zu Augsburg am 4. Oktober 1330 in

stand, gewährte der BürgerschaftMahrung und förderteviel Wohlstand. Am 19. Juli 1046 wurde Füssen vonSebastian Schertlin von Burtenbach , dem Hauptmann deroberdeutschen Städte, eingenommen. Schertlin setzte soforteine neue Stadtverwaltung ein, schaffte den katholischenGottesdienst ab, entfernte die Heiligenbilder aus den Kirchenund ließ durch einen Prüdikantcn, Johann Flimmer, dener aus Augsburg mitgebracht hatte, bei St. Magnuslutherisch predigen. Am 12. Juli legte Schertlin in dieStadt eine Besatzung und zog, nachdem er Schloß undKloster rein ausgeplündert, gegen Augsburg ab.

Auch des Kurfürsten Moriz von Sachsen hochver-räterischer Zug nach Tirol gegen Karl V. im Jahre 1552ging über Füssen , das am 18. Mai von ihm eingenom-men wurde. Mit dem Jahre 1632 begannen die Leidenund Schrecken des Schwedenkrieges in reichem Maße auch

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Schwaben und in Oberbayern errichteten Landfrieden bei-trat, erhielt eine neue Befestigung, zu deren HerstellungBischof Heinrich im Jahre 1338 den Bürgern den Lech -zoll auf 3 Jahre bewilligte. Die Stadt Füssen war schonin früher Zeit zur Ausübung des Halsgerichts berechtigt,den Vollzug dieses Rechtes erleichterte Kaiser Sigismund der Stadt unter'm 23. September 1431 dadurch, daßvon dem oft schwer aufzubringenden Sieben-Eide (Eide vor sieben Richtern in jedem einzelnen Falle) abgestandenwerden durfte und den Bürgermeistern und dem Ratheeingeräumt wurde, über übelthätige und schädliche Leutejedesmal gemäß ihrer allgemeinen eidlichen Verpflichtungzu erkennen und sie mit dem Tode oder an Leib undGliedern zu strafen. Die letzten Jahrzehnte des 15. unddie ersten des 16. Jahrhunderts bildeten Füffens glän-zendste Zeit. Der lebhafte Verkehr und Waarendurchzug,als der italienisch-deutsche Handel in schönster Blüthe

über Füssen heranzuziehen. Beim Heranrücken der Schweden flüchteten die Einwohner massenhaft nach Tirol. AmAbende des 22. Juni stand General Banner mit vielemKriegsvolke und schwerem Geschütze vor der Stadt. Nacheinstündiger Beschießung am nächsten Morgen war erHerr derselben. Den größten Theil der Besatzung nahmer gefangen. Die Stadt mußte 5000 Gulden Brand-schatzung erlegen. Banner nahm Wohnung im Kloster St.Magnus. Am 1. Juli zog das Hauptheer Banner's nachAugsburg zurück; in Füssen blieben nur 400 Mann alsBesatzung. Gegen sie rückte Erzherzog Leopold aus Tirolher mit 12,000 Mann und begann am 17. Juli dieStadt zu beschießen; nach dritthalbtägigem Sturme mußtesich die Stadt ergeben, welche einer gründlichen Plünde-rung anheimfiel. Die folgenden Jahre brachten für Füssen endlose Durchzöge von kaiserlichen Kriegsvölkern und schwerdrückende Einquartierungen. Erst nachdem 1648 Friede