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mahls nur für alle deütsche schuelen in augsburg sich auf2800 fl. belaufete"), 3000 fl. zur „armenanstalt inaugsburg ", 500 fl. aber „in die arme Häuser utriu8c;usistiAionis falte verwendet werden". „Diese Lotterie wurdenoch mit 4500 fl. gewinnsten vermehrt." Herr JohannesZorn , „apotheker und Senator in derNeichsstatt Kembten",bekam bei der Ziehung am 22. Februar 1790 als erstenPreis das „schlößl samt angehörr". Derselbe behielt esungefähr ein Halbjahr, konnte dann nicht einmal 400Louisdor lösen ; überdrüssig desselben, verkaufte er es um1000 Conventionsthaler, das ist zu 2400 fl, an HerrnMartin v. Binder, Domherrn in Augsburg.
In dieseZeit fällt das denkwürdigste Er-eigniß in der Geschichte Leitershofens. Diefranzösische Revolution zwang Hunderte von Adeligen undPriestern zur Emigration. Belgien, die Nheinlande, dieSchweiz und besonders auch Schwaben boten vielen fran-zösischen Priestern und andernFlüchtlingen Zuflucht. Unter allenemigrirten französischen Priesternjener Schreckenszeit beansprucht ent-schieden Ist Leonor Frz. v. Tour-ncly das meiste Interesse. Ge-boren zu Laval im heutigen De-partement Mayenne am 20. Jan.
1767 als Sohn des Herrn Che-valier Leonor Franz v. Tournely,
Herrn von Bois-Thibault, Hazay,
St. Marie du Bois, Chuboeufund Courberie, und der edlen from-men Johanna Mathurine Duplessis,zum Priester geweiht am 19. März1791 zu St. Sulpice in Paris, wandte sich Abbs (Leonor Franz)v. Tournely mit Prinz Carl vonBroglte, dem Sohne des berühm-ten Marschalls gleichen Namens,auf Rath des Seminar-DirectoisAbbe Emery nach Deutschland.
„Gott hat große Absichten mitIhnen, reisen Sie!" „Dort wirdGott Sie erkennen lassen, zu wel-chem Werke er Sie bestimmt hat";dies waren Emery's prophetischeWorte an Tournely, von dem seineMutter, die ihr Seelsorger di:
„Heilige' nannte, schon vorhersagte,er sei berufen, die Wiederherstellung der GesellschaftJesu vorzubereiten . Osterst, im damals österr. Luxemburg,nahm die Freunde zuerst auf, dann Antwerpen , das auchin österreichischen Händen war, wo Tournely mährendlOtägiger geistlicher liebungen im dortigen Kapuzinerklosterim Gebet vor einem Herz-Jesu-Bilde die Eingebung em-pfing, die zum Ersatz des seit 21. Juli 1773 aufge-hobenen Jesuitenordens zu gründende Gesellschaft nach demhl. Herzen Jesu zu benennen. Ein ehedem den Jesuiten gehöriges Landhaus bei Löwen nahm die ersten zweiGlieder dieser im April 1794 entstandenen Gesellschaftauf. Bald gesellten sich Tournely und Broglie des ErsterenBruder Fr. Xaver v. Tournely und Carl Leblanc zu.Als sie vor den nachrückenden siegreichen Revolutionären weiterflüchten mußten (nach deren Sieg bei Fleurus am26. Juni 1794), führte ihnen die göttliche VorsehungJoseph Varin in Venloo zu, der das von Tournely be-
r. Leonor Franz v. Tournely.
gründete Werk zu vollenden berufen war. Derselbe warwie C. Leblanc vorher Offizier. Unterdessen feierte dieRevolution ihre gräulichen Orgien in Frankreich . In denTagen des 2. und 3. September 1791 fielen bei 400Priester in Paris einem Blutbade zum Opfer. Am21. Januar 1793 fiel Ludwigs XVI . Haupt unter demBeile der Guillotine. Die sogen, „höllischen Colonnen"zogen mordend durch Frankreich . Die edle Mutter Tour-nely's wurde 1793 und 94 gefangen gehalten. DieMutter Joseph Varin's opferte freudig ihr Leben für dieSache der hl. Religion auf dem Schaffst am 19. Juli1794. Ihr Opfer erkaufte wohl das Opfer ihres Sohnes,das derselbe Tags zuvor durch den Eintritt in die Ge-sellschaft des hl. Herzens Jesu brachte. Von Venloo kamendie Emigranten über Aachen, Köln, Koblenz, Frankfurt nachAugsburg, wohin ihnen ihr Gönner in Antwerpen ,Abbs Pey, eine Empfehlung an Domherrn Beck gegebenhatte, der seine Verwendung beiKurfürst Clemens Wenzeslaus vonTrier, zugleich Bischof von Augs-burg , versprach. Einstweilen wurdedie Gesellschaft des heil. HerzensJesu im Benediktiner stifteSt. Ulrich (22. August 1794)aufgenommen. EndeAugust zogsie in das eben leerstehende„kleine Schloß" zu Leiters-hofe n ein, das ihr der Besitzer,Domherr Martin v. Binder, über-ließ. Hier — in einer Laube— war es, wo Ist v. Tour-nely am 2. Oktober 1794seine auf sechs Mitgliederangewachsene Gesellschaftversammelte und ihr er-öffnete, sie sollten wahreOrdensleute, wahre Kinderdes hl. Jgnatius sein, und darumwollten sie das Gelübde diesesheiligen Ordensstiftcrs nachahmen,sich dem Papste zur Verfügung zustellen — wenn möglich — inner-halb 18 Monaten persönlich —andernfalls schriftlich.
Am Ib.Okt. 1794 weihtensich die fünf genannten Mitgliederdieser Gesellschaft mit Fidelis vonGrivcl durch ein besonderes Gelübde den heil. HerzenJesu und Mariä und übernahmen die Verpflichiung,das begonnene Werk fortzuführen. Dies geschah amGrabe des hl. Ulrich zu Augsburg , des Schutz-heiligen der Diözese, die sie so freundlich aufgenommenhatte. Hier in Leitershofen war es auch, woTournely im Gebete der Gedanke sich auf-drängte, auch eine Gesellschaft von Frauen demheil. Herzen Jesu zu apostolischer Lehrthätigkeit zuweihen, wozu die Bruder ihm ihr Einverständnis) er-klärten (Mai 1795?). Tournely veranlaßte hier dieregelrechte Wahl eines Obern, wozu er einstimmig, trotzalles Widerstreben?, per Acclamation wie durch Abgabevon Stimmzetteln gewählt ward. Studium und Gebetzur Vorbereitung auf den gewählten Beruf heiligten dieRäume des „kleinen Schlosses". Die Bewohner desselbenwaren, wie Varin erzählt: ein Herz und eine Seele. Die