588
Wir fügen zunächst eine Beschreibung bei, welcheHerr Hauptmann a. D. Hugo Arnold schrieb, undworin er das, was er bei einem Besuche daselbst beobach-tet und gesehen hat, mit interessanten geschichtlichen No-tizen verknüpft. (Herr Arnold ist als vaterländischerAlterthumsforscher eine rühmlich bekannte Autorität.) Erleitet den Bericht zuerst mit einigen Sätzen von allge-meinem Interesse ein:
„Den Söhnen St. Benedikts habe ich immerdareine warme Anhänglichkeit bewahrt, seitdem ich in Volks-schule und Gymnasium ihr Zögling gewesen war, undnamentlich ist von der Einweihung der Basilika des hl.Bonifazius an, bei welcher wir Schulknaben selbstver-ständlich unser angemessen Theil hatten, niemals derEindruck des Gemäldes von mir gewichen, welches dieMönche als Verkünder der Heilslehre und Be-kehrer unserer Vorfahren darstellt. Als ich spä-ter beim ernsten Studium der Geschichte ihre Bedeutungnicht blos als Boten des christlichen Glaubens, sondernauch als Begründer und Träger einer höheren Kulturvoll würdigen lernte, habe ich nach einer besonderen Seitehin die ältesten Spuren ihres Wirkens verfolgt, welcheals unverwischbare, sprechende Urkunden Jahrhunderte hin-durch davon zeugen: die Ortsnamen auf -zell und -Mün-ster , welche die Kunde von den ältesten mönchischen Nieder-lassungen in unseren Landen erhalten haben. München selbst trägt ja den Namen und das Wappen von denMönchen des Stifts Tegernsee , und in seiner Um-gebung, wenn auch nicht gerade in seiner unmittelbarenNähe, haben wir drei solche Ansiedelungen von ursprüng-lich mönchischem Charakter: Münster , ein Filialdorfder Pfarrei Egmattng, unweit der römischen Heerstaßevon Augsburg nach Salzburg , wo auf einem herrlichgelegenen Punkte eine jetzt etwas herabgekommene Kirchemit ziemlich großem gothischen Chöre steht; ferner Zellbei Ebenhausen , welches die Grundlage für das spä-tere Stift Schäftlarn am Peipinbach bildete, hart ander Römerstraße von Tölz über Wolfrathshausen nachAugsburg und nach Freising gelegen, und endlich Zell,j etzt Zellhof genannt, bei Schöngeising (die Station^.ci ^.rnsti'6 der Peutinger'schen Tafel), wo die Augs-burg-Salzburger Römerstraße die grüne Amper über-schreitet. Das waren die Vorposten der Bekeh-rer, von welchen aus das Christenthum in der Um-gebung verbreitet und anfänglich auch die Seelsorge ge-übt wurde. Doch nicht blos als Missionäre kamen dieBenediktiner , sie gingen, für ihren Unterhalt auf dieArbeit der eigenen Hände angewiesen, dem Volke mitdem Beispiele emsiger Bodenarbeit voran. Sie rodeten denWald, trockneten Sümpfe und Moräste und wandeltendas Land in fruchttragende Gefilde um, pflegten dasnützliche Handwerk und die edlen Künste in ihren Zellenund unterwiesen darin die Sippe der Gläubigen, welchesich um sie gesammelt hatten. So galten die Mansen,Höfe und Weiler der Stifte und Klöster als die bestbe-bauten, und frühzeitig bildete sich das Sprichwort: „Un-ter'« Krummstab ist gut wohnen."
Auf St. Ottilien übergehend schreibt der Herr Be-richterstatter:
„Solcher Erinnerungen voll, wanderte ich hinausnach Emming oder, wie der Ort nach der Patronindes Kirchleins jetzt lieber genannt wird, nach St. Otti-lien . Lieblichere Reize schmücken die Moränen-Land-schaft am anderen, am rechten Gestade des idyllischen
Ammersees; aber auch hier unterbrechen den tiefen Ernstder über die Hügelwellen sich dehnenden Forsten an-muthige Bilder; uralte Vergangenheit schwebt mit Däm-merschatten über verfallenen Wohnstätten und verlassenenStraßen, und die Sage plaudert von manchem früherenEreigniß. Der ehrengeachtete Hr. Emmo, der vor etwa13 Jahrhunderten für sich und die Seinen in Emmingdie Hütten baute, hat sich gar kein übles Plätzlein er-koren: auf der hochragenden Kuppe einer sonnigen Hügel-welle, deren Hänge fruchtbare Felder und Wiesen beklei-den, während aus den Niederungen die hellen Spiegelgrößerer und kleinerer- Weiher blinken, die Höhen schwarz-grüne Wälder säumen und hier am südlichen Horizontdie blauende Alpenkette im duftigen Nebel verschwimmt.Im Mittclalter gehörte das Dörfchen als Schwaige zurbenachbarten Herrschaft Greifenberg ; aus den Händender dort gebietenden Herren v. Perfall kam es an einenHrn. v. Haunenhofen, welcher an die bereits stehendeKirche ein Schlößlein anbaute. Dann gelangte es invielfachem Wechsel wieder an die Herren von Perfall,Gemmingen, Mändl v. Deutenhofen, Füll v. Windach undKammerberg (1674), aus welchem Geschlecht Hr. JohannUlrich dem Schlosse feine jetzige Gestalt gab, dann andie Freiherren v. Jngenheim. Später kam die HofmarkEmming an die Herren von Krempelhuber und schließ-lich sank es vom Adelssitze zum bäuerlichen Gut herab.
„Während die Neuzeit aus einstigen Klöstern glän-zende Prunkschlösser der Fürsten und des Adels schuf,geschah vor zwei Lustrum (10 Jahre) zu Emming eineUmwandlung, welche sonst nur das fromme Mittelaltergesehen hatte, als mächtige Grafen und Herren die trutzi-gen Burgen ihrer Ahnen verließen und sie in gottgeweihteAbteien und Stifte umgestalteten. Ein frommer Mann,der ehrwürdige ?. Andreas Amrhein, ein Benediktiner aus Beuron , erwarb den früheren Edelmannsitz und sie-delte dahin mit seiner ganzen Schaar von Getreuen, wieein germanischer Häuptling mit seiner Gefolgschaft, vonReichenbach am Regen im Bayerischen Walde um, wo eran die Ausführung des als selbstgestelltes Lebensziel be-gonnenen Werkes geschritten war, aber unter der Un-gunst der Verhältnisse keine gedeihliche Entwicklungder jungen Congregation erwarten konnte.
„Schon seit langen Jahren hatte sich nämlich derBenediktiner -Pater mit dem Gedanken getragen, eine alteAufgabe seines Ordens wieder aufzunehmen und in heid-nischen Landen eine Misston nach dem Vorbilde deralten englischen, deutschen und nordischen MissionsklösterSt. Benedikts mit einem Mutterhaus und Noviziat inEuropa zu gründen. Die Anregung dazu gab ihm dasWort des Papstes Pins IX. in einem Breve an BischofFreppel und in dem von Livingstone an die anglikani-schen Missionäre in Afrika ertheilten Rathe, die Klösterder alten Zeiten sich zum Muster zu nehmen und ihreAnstalten durch Nachahmung des dort gegebenen Beispie-les lebensfähig zu machen. Den gefaßten Plan führteer in offenbar richtiger und darum so herrlich gelingen-der Weise aus, indem er trachtete, nicht blos recht vieleMissionspriester, sondern auch Hilfsmissionäre aus demLaienstande in möglichst großer Zahl zu gewinnen, wiees bereits der hl. Franz Raver gethan hatte. Und zurvollkommenen Durchführung seines Vorhabens zog erauch das weibliche Geschlecht heran, denn Frauen solltengleichfalls den Unterricht und die Unterweisung der Wei-ber übernehmen. Die Pläne, welche k. Amrhein seinen