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„Sie haben mir nicht einmal die Hand gereicht/'klagte sie unter Thränen, „ich werde mich hier niemalswohl fühlen." Ein lautes Pochen an der Thür wecktesie aus ihren dumpfen Träumen. Marie kam, um siezum Frühstück in das Speisezimmer zu führen.
Augenscheinlich hatten die drei Damen ihre Gesinnungüber die neue Hausgenossin geändert, denn Cccilie lächeltedie Cousine freundlich an, auch Edith ging auf sie zuund reichte ihr die Hand. Die alte Dame schien be-friedigt, denn sie nickte ihren Töchtern verstündnißvoll zu,dann umarmte sie die erstaunte Nichte und drückte einenKuß auf ihre Stirn.
„Du hast DeinesVaters Züge, hoffent-lich hastDunichtseinenLeichtsinn geerbt," be-gann sie. „Wir habenhier im Hause vielArbeit; wir wolltenuns schon eine Hülfenehmen, aber jetzt, daDu gekommen bist,müssen wir sehen, daßwir allein fertig wer-den. Bist Du geschicktin Handarbeit?"
„Ja!"
„Kannst Du Hütegarniren?" fragte Ce-cilie ungestüm.
„Und Kleider an-fertigen?" warf Edithein.
„Ich habe beidesfür mich stets gethan,"lautete die Antwort,
„aber gewiß seid Ihranspruchsvoller, wieich es bin."
„Hast Du dasKleidselbst gemacht, wasDu an hast? es sitztvorzüglich ",fuhrEdithfort, mit kritischenBlicken den Anzug derneuen Cousine be-trachtend.
„Ja; ich machtemeine Kleider stetsallein."
„Gut. Ich will Direinige meiner Kleidernach dem Frühstück zeigen; sie müssen umgeändert werden.Eine Schneiderin würde sich zu viel dafür bezahlenlassen; dann fehlt mir auch ein Gesellschaftskleid."
„Ich will helfen so gut ich kann," versicherte Melitta,nur mühsam ein verächtliches Lächeln unterdrückend, daßdas Benehmen der Cousinen sich über Nacht so gänzlichgeändert hatte. (Fortsetzung folgt.)
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Goldkörner.
Vieles wünscht sich der Mensch, und doch bedarf er nur wenig;Denn die Tage sind kurz und beschränkt der Sterblichen Schicksal.
Bedernau.
(Mit Illustrationen.)
Bedernau, im Alterthum „Werdernaw," „Wetternau"geheißen, ist ein volkreiches Pfarrdorf !//z Stundenwestlich von Pfaffenhausen , an einem in's Kammelthalabfallenden Hügelgelände, und zählte stets zur altenHerrschaft Mindelheim , deren erste Inhaber die Welf'schenVasallen von Mindelberg waren. Im Jahre 1250 stifteteSchwigger von Mindelberg in seinem Dorf Werdernawein Wilhelmitenkloster, welches, im Jahre 1256 von Papst
und Bischof bestätigt,schon i. I. 1257 dieOrdensregel der Ere-miten des hl. Augustinannehmen mußte undspäter nach Mindel-heim verlegt wurde.Nach Pl.Braun(Htst.-top.Bschrbg.1S.179)geschah die VerlegungdesKlosters 1264, dasist aber nach der unsvorliegenden Urkundev. I. 1275, betr. denVerkauf des Hofes zuBergenstetten an „dieBrüder so da geheißensint von Bedernaw"(wörtlich) nicht richtig,sondern waren viel-mehr die Augustiner-Eremiten damals —1275 — noch in Be-dernau. Die Verleg-ung des Klosters nachMindelheim scheint je-doch bald darauf statt-gefunden zu haben.Als sie erfolgte, be-stätigte Schwigger vonMindelberg die Kirchevon Bedernau demKloster i. Mindelheim .Im Jahre 1288 nahmHeinrich von Mindel-berg den Kirchensatzvon Bedernau wiederan sich und gab demAugustiner-Klosterdafür den Kirchensatzvon Mindelau.
Die Inhaber der Herrschaft Mindelheim im 16. Jahr-hundert, die Herren v. Frundsberg , gaben Bedernau mitBaumgärtl wieder an reiche Stadtbürger als Afterlehen, sonach dem Bauernkriege an die Stebenhaber aus Memmingen .J.J. 1556 waren Marx und Johann Egolf Stebenhaber imLehenbesitz von Bedernau. I. 1.1590 war David Weiß,Bürger von Augsburg , im Ortsbesitz. Als am Anfang des17. Jahrhunderts die Herrschaft Mindelheim in den Besitzdes Herzogs Max von Bayern gelangt war, erlangte der reicheAugsburger Bürger Hans Oesterreichs um 1616 Bedernauals bayer. Lehen . Er präsentirte i.J. 1617 den Fr. Bronnerund nach dessen Rücktritt 2. April 1618 den PH.Schrueff als
Dedernau. (Schloß der Freiherren v. Castell.)
Original-Aufnahme von Gustav Baader, Photograph in Krnrnbach. fVervielfältigurigSrecht vorbehalten.)
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