Ausgabe 
(23.10.1894) 86
Seite
665
 
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^L86.

1894.

Augsburger Postzeitung".

Dinstag, den 23. October

Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas <L Grabhcrr in Augsburg (Borbefitzer Dr. Max Huttler ).

Bernrvard von Hildesherm.

Erzählung aus dem zehnten Jahrhundert von Antonie Haupt .

<SoMe»ung.)

IV.

Am Hofe Otto's III.

Und alle Lande staunten froh erschrocken,Denn allwärts warf die Krone ibre Strahlen,Und rings von selber rührten sich die Glocken.

Strachwitz.

Das Auferstehungsfest war nahe.

Der junge Otto wünschte nach altem Brauch dersächsischen Kaiser das Osterfest zu Quedlinburg zu feierninmitten der Seinen, inmitten des Hofes schimmernderPracht.

Ostern, Auferstehungsfest I Allenthalben regte es sicherwachend in der Natur, allenthalben regte es sichösterlich in den Herzen. Alle Zwietracht war ausge-löscht. Ein großes Versöhnungsfest wurde gefeiert.

In der unabsehbar weiten blühenden Lenzslur zogendie Ritterschaaren lustig heran im Sonnenschein auf allenWegen, aus allen Gauen, einzeln und geschaart, stattlichausgerüstet in glühender Farbenpracht, mit blitzendenSchilden und glänzenden Waffen.

Da kamen zunächst mit großem Gefolge die Häup-ter der treuesten, kräftigsten und streitbarsten deutschenMänner, die Herzoge und Markgrafen von Sachsen undThüringen. Da eilten herbei die Herzoge von Loth-ringen, von Schwaben, Franken, Kärnten und Bayern mit ihren Mannen.

Des letztgenannten Herzogs Beinameder Zänker"war ohnlängst in dender Friedliebende" umgewandelt.Die Chronik von Quedlinburg weiß viel davon zu er-zählen, wie der ehemalige Thronbestreiter demüthig imhärenen Büßerhemde um Verzeihung flehte, und wie dieKaiserin ihm alsdann nicht nur in Milde verziehen,sondern auch selbigem sein Herzogthum wiedergegebenund ihn unter die vertrautesten Freunde aufgenommenhatte, wie treu und tüchtig er gewaltet als Bayern-herzog, und mit welcher nachdrücklichen Strenge er gegensolche verfahren, so es gewagt, den Landfrieden zubrechen.

Da kamen aber auch die Fürsten der Böhmen undPolen, um den Vasalleneid zu leisten. Sie kamen fan-tastisch geschmückt und mit fremden seltsam wilden Völ-kern; die trugen kostbare Geschenke für den Oberlehens-herrn, den Kaiser.

Die Mauern der Stadt zeigten sich zu eng, dieVolksstämme alle zu umfassen. Eine bunte Zeltstadtsammelte sich vor Quedlinburg an und dehnte sich weitin die Ebene aus.

Das war ein Grüßen, ein freudiges Händeschütteln,ein lebhafter Verkehrt

Die ganze Herrlichkeit des Reiches entfaltete sichin vollem Glänze um die auf hohem Felsen thronendeKaiserpfalz.

Und dicht neben der Burg wölbte der Dom inernster Majestät seine Hallen empor. Als dessen Glocken-geläute mit mächtig vollen Accorden zur Feier des Hoch-amtes einlud, da war gar bald kein Platz mehr in denweiten Hallen.

Da schaarten sich die stolzen Fürsten, die glänzen-den Hofleute, die schmucken Ritter, ja alle Großen desReiches um das kaiserliche Kind, und ein leuchtenderBlüthenkranz edler Frauen und Jungfrauen um diejugendschöne Kaiserin-Mutter. Ein prächtiges, farben-reiches Bild voll Macht, Hoheit und Glanz!

Aller Knie waren gebogen, aller Augen waren aufden weihrauchumwölkten, blumengeschmückten Altar ge-richtet, wo hell die Kerzen emporflammten. Höher emporzu Gottes Thron stiegen die Flammen der Andacht.

An den Stufen des Altars stand Erzbischof Wille-gis von Mainz, der Primas von Deutschland, dasheilige Opfer zu vollbringen, als Ministranten ihm zurSeite die Bischöfe Volkmar von Utrecht und Osdag vonHildcsheim. In weitem Halbkreise umgab den Altareine Schaar von Bischöfen und Prälaten.

Der Mainzer Erzbischof war ein stattlicher Würden-träger. Die kirchliche Prachtgewandung hob noch dieMajestät seiner Erscheinung. Aus seinen groß ange-legten frischen Zügen sprachen Kraft, Klugheit unv Edelmuth.

Solcherlei Betrachtungen gab sich freilich anjetzokeiner hin. Doch als das Hochamt zu Ende war, daharrten viele vor den Domthüren seines Kommens. Alser dann freundlich und segenspendend durch die Reihenschritt, ward manches Wort zu Gunsten des Kirchen-fürsten und Reichskanzlers laut.

Otto III. und die Kaiserin Theophano begabensich ohne Verzug durch einen gedeckten Gang in'diesteinerne Burghalle, allwo sie die Huldigung der Ge-treuen, den Vasalleneid der auf's Neue zum DeutschenReiche schwörenden Fürsten, sowie die Geschenke der letz-teren entgegennahmen.