Ausgabe 
(23.10.1894) 86
Seite
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Erzieher. Prinzessin Sophia aber schüttelte mißbilligenddas schöne Köpfchen und flüsterte ihrer Schwester zu:

Der junge Kaplan Bernward, so die Fülle allerWissenschaft in sich zu vereinen scheint, ist dem Hoch-muth und der Anmaßung Unterthan worden, seit er amHofe weilt. Wie kann er sich herausnehmen, an einemPlatze sich zu spreizen, der von Rechtswegen dem Erstendes Reiches zugestanden hätte."

Adelheid zog in unverhohlenem Erstaunen dieBrauen hoch.

Du redest just, als ob es Dir unbekannt sei, daßdie Kaiserin selberjedwevem die gebüh-rende Stelle anwei-sen läßt."

Sophia seufzte.

Das ist's jaeben, daß der Ueber-müthige in kurzerZeit solchermaßendie Gunst und dasVertrauen unsererkaiserlichen Mutter,sowie die Gewogen-heit sämmtlicherGroßen gewonnenhat, daß man ihmdie erste Stelle ein-räumt! Der jungePriester hätte sie inBescheidenheit undrichtiger Erkenntnißseines Minder-werthes zurückweisenMüssen."

Adelheid lächelte.

Kannst Du esleugnen, daß unserBruder unter derLeitung Bernwardswunderbare Fort-schritte in den Wis-senschaften macht, ja,daß Otto seinemweisen Lehrmeistermit großem Ver-trauen und zärtlicherLiebe anhängt? Ge-bührt da dem sorg-samen, getreuen Er-zieher nicht der Platzan seines ZöglingsSeite?" Die Aeltere zuckte die Achseln.

Weil er streng und unnachsichtig ist in allem, weiler mit Ueberlegenheit und Festigkeit auftritt, überschätzetIhr ihn."

Ueber Adelheids rosiges Antlitz glitt ein schalk-hafter Zug.

Schwesterlein, hast Du dem jungen, eifrigen Ge-strengen etwa Veranlassung gegeben, auch Dir eine weiseLehre zu ertheilen, so Du ihm nicht verzeihen magst?"

Ein namhaft verwunderter, unfreundlicher BlickSophiens streifte hierauf die Schwester.

Keine Antwort ist auch eine Antwort, dachte Adel-heid, darum sagte sie:

Solche Lehre kam jedenfalls von gutem Herzenund wurde in frommem Eifer ertheilt."

Genug," sprach Sophie gebietend. Ihr Ohrlauschte fernem Klänge.

Horch, tönt das nicht wie hallender Hörnerklang,wie das Nahen eines siegfrohen Heeres? Wer mag amFeste so verspätet vor unserer Kaiserburg aufrecken?"

Und der helle Klang kommt näher; es braust heranwie schnelle Neiterschaar.

Der Sachsenher-zog entfernt sich, umKundschaft einzu-ziehen. Es ist dasheute seines Amtes,denn er hat als Mar-schall für die Ord-nung zu sorgen.

Sophia wendetsich zu dem griechi-schen Edelfrüuleinihr zur Linken:

Helena, schauehinab und berichteuns, was auf demBurghof sich zu-trägt. "

DiejungeGriechinlugte eine erklecklicheWeile durch dasFenster, dann gabsie folgendermaßenAuskunft:

Gnädige Ge-bieterin, das mußein Königssohn sein.Ein hochgemutherHeld, herrlich inJugendkraft, reitetstolz mit seinenMannen an, groß-mächtigen Sieg zukünden. Auch Geiselnführen die stattlichenRecken mit sich, diescheinen von edlemBlut; fürnehmlichder erste ist reichgeschmückt; seinschwarzkrauses Haarweht im Winde, undseine pechschwarzen Augen blitzen. Den Gefangenen kenneich nicht. Und wer der siegreiche Führer der stolzenRitterschaar, der Held von königlicher Gestalt mag sein,das möchte ich wissen."

Ich auch," sprach Sophia.Ihr SachsentöchterHildeswitha und Hedwig schaut zu, ob Euch der Heldbekannt ist." Die waren kaum aus Fenster geeilt und altenkaum auf das rege Getümmel im Burghofe und vorden Pforten der Pfalz niedergelugt, als sie sich sittigzum Gegengruße neigten. Ueber Hildeswithas lieb-reizendes Gesicht flog es dabei wie Morgenröthe. Hedwigflüsterte ihr zu:

Hauprllshofcn. (Kirche.)

Original-Aufnahme von Gustav Banker, Photograph in Krumbach. fBervielsältigungSrecht vorbehalten.;

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