Ausgabe 
(26.10.1894) 87
Seite
673
 
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Areitag, den 26. October

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Kür die Redaction verantwortlich:Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L

hilipp Frick in Augsburg ,rabherr in Augsburg tVorbesttzer vr. Max Huttlcr),

BernmarÄ von Httdesheim.

Erzählung aus dem zehnten Jahrhundert von Antonie Haupt .

(Fortsetzung.)

Die Kaiserin hatte einen Wunsch auf dem Herzen,den die Prinzessin Sophia, welche zugegen war, theilte.Auch Theophano duldete, nicht, daß der Priester seinenDank für die reichen Geschenke aussprach. Nasch leitetesie also ein:

Herr Bernward, Eurer Weisheit habe ich rück-haltlos die Erziehung und den Unterricht des jungenKaisers anvertraut; und darum, mein viclgelehrter Herr,folge ich, das wißt Ihr, in allen Stücken, die OttosWohl und Wehe betreffen, Eurem Rathe. Heute handeltes sich um eine Freude, die ich meinem Sohne gewährenmöchte. Von allen Seiten drängt man mich, den jungenKaiser nach seinem Wunsche an den Jagden theilnehmenzu lassen, so für die kommenden Tage vorbereitet sind.Nicht am wenigsten bittet um die Gegenwart des kaiser-lichen Bruders meine Tochter Sophia. Sie hat amedlen Waidwerk Freude und möchte selber mitreiten."

Der Hofkaplan schaute eine Weile bedenklich vorsich hin.

Hohe Herrin, mir thut es leid, mich EuermWunsche widersetzen zu müssen," sprach er alsdann.Es freut mich, wenn mein Otto auf dem Burghofe imWaffenhandwerk sich übt, doch weiß ich auch, daß er zujung ist, um Genuß am Vergnügen der Männer zufinden; und ich weiß auch, daß solche Zerstreuung eingroßes Hemmnis; wäre in seinen Studien, denen er mitEifer sich hingibt. Darum laßt ihn ungestört untermeiner Obhut," also bat er flehentlich.

Otto möchte so gerne an der Jagd tlMnehmen,"wendete die Kaiserin ein.

Bernward neigte das Haupt?

Es ist gut und nothwendig für den zukünftigenWeltbeherrscher, daß ihm schon in der Jugend einigeHemmnisse entgegentreten. Das Leben hier auf Erdenist ein steter Kampf. Wer als Herrscher auf einemThrone sitzen soll, muß vor allen Dingen lernen, sichselbst zu überwinden."

Theophano nickte unwillkürlich beistimmend.

Aber, Herr Bernward. wie soll Sophias Wunscherfüllt werden?" so fragte sie alsdann bekümmert.

Ehe der Hofkaplan etwelche Antwort bereit hatte,rief die erzürnte Prinzessin:

Schweigt nur. Ich weiß es, gestrenger Mann,Ihr haltet es für unschicklich, daß die Kaisers-Tochterund -Schwester sich an weltlichen Freuden erlustige,zumal da sie, wie Euch bekannt, in nächster Zeit derWelt Lebewohl sagen und ins Kloster eintreten soll."

Ein seines Lächeln flog über des jungen Priesters

Züge.

Da Ihr es also genau zu wissen scheint, HerrinSophia, daß züchtige Jungfrauen sich still in ihrerKemenate halten, und daß es bei denen nicht Sitte ist,mehr, als nöthig, sich öffentlich zu zeigen, so brauche ichdarüber kein Wort zu verlieren. Freilich würde ich esfür geziemender erachten, wenn Ihr zur Vorbereitungauf Euern künftigen heiligen Stand bemüht wäret, imgeistlichen Leben voranzuschreiten, anstatt weltliche Zer-streuungen zu suchen."

Die Prinzessin entgegnete heftig:

Soll es mir denn nicht gestattet sein, erlaubteweltliche Freuden zu genießen, weil ich mein Leben inklösterlicher Zurückgezogenheit beschließen will!"

Bernward richtete sein seelenvolles Auge auf dieKaiserstochier.

Junge Herrin, Ihr wißt nicht, was Euch frommt,"sagte er.Seit einem halben Jahre ist es mir vergönnt,in Eurer Nähe zu leben, Euch täglich zusehen; inzwischenaber ich fühle mich verpflichtet, es endlich auszu-sprechen ist es mir auch klar geworden, daß Ihr mitEuerm hohen und ehrbegierigen Sinn besser auf einenThron, als in die Dienstbarkeit des Ordenslebens taugt.O, folget meinem Rath, bleibt in der Welt! Für Euchist das heilsamer. Bedenket wohl, daß Ihr als Ordens-frau allen Würden und Ehren, aller Anerkennung ent-sagen müßt, nichts besitzen dürft und in aller Unter-würfigkeit Euern geistlichen Obern dienen sollt. WelcheVersuchungen, welche Unruhen würden Euch daraus er-wachsen, wenn Ihr Demuth und vollkommenen Gehorsamgelobt hättet! In den Orden tritt man ein, um zudienen, nicht um zu herrschen, und im Kloster kannNiemand bestehen, der nicht von ganzem Herzen sichdemüthigen will. Ueberleget meine Mahnung wohl."

Sophia war bald roth, bald bleich geworden, währendder freimüthige Priester überzeugungsvoll zu ihr sprach.Jetzt entgegnete sie:

Wie könnt Ihr glauben, die deutsche Kaiserstochterwerde lange in demüthiger Unterwerfung dienen müssen!"Sie warf den Kopf zurück.Der Aebtissinnenstab ist