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ist mir aufbewahrt. Ich werde gebieten freier, unum-schränkter, als wenn ich eines Herrschers angetrautesWeib wäre."
Bernward rief schmerzlich erregt: „Mit solchen Ge-sinnungen wollt Ihr in den Orden eintreten! Ich sageEuch, wer sich im Klosterleben nicht bestrebt, der Geringsteund Dcmüthigste zu sein, wird sich und den anderen denFrieden nicht bewahren können."
Heftig erwiderte die Prinzessin: „Da scheint EuereSchwester Judith andere Meinung zu hegen; denn nachkaum einem Jahre seit ihrem Eintritt in den Ordennahm sie die Würde einer Aebtissin zu Ningelheim an."
4 Bernward chrtgeguete erlistn „Nur Engern und nurmu Gehorsam gegen ihre Mllschwestern übernahm JudithEas^ Amtj zu dem diese' sie gewählt "hatten."
Er unterdrückte die Bemerkung, daß Judith ihrerheldenmüthigen Tugenden, ihres heiligmüßigen Lebens-wandels halber so bald schon zu dieser Stelle auserkorenworden sei, denn er wollte die Aufgebrachte nicht erzürnen.
In Sophias stolzes Herz aber hatte er einen Stachelgesenkt. Seine wohlgemeinte Warnung vergaß und ver-gab diese ihm nie und nimmer.
V.
Das Waffenspiel zu Quedlinburg.
Es hält der Kaiser ein großes Turney,D'rum zogen die Ritter all' herbei,Wohlansgerüstet nach NittcrbrauchMit Lanzen und blanken Schwertern auch.
Griebel.
Glückliche Tage für Bernward brachte das schöneOstei fest zu Quedlinburg. Da konnte er endlich, wieer es längst ersehnt, mit seinem heimgekehrten BruderTammo plaudern, da empfing ihn mit herzlicher Liebesein Oheim, der Bischof Volkmar von Utrecht, da begrüßteihn der kluge Bischof Osdag von Htldesheim; sein ge-treuer Freund, Graf Altman von Olesburg, trat ihmentgegen, sein junger Mitschüler von der Hildesheimer Domschule, Heinrich von Bayern, war beglückt, ihn wieder-zufinden.
Der junge Hofkaplan und kaiserliche Lehrmeisterhätte sich vervielfältigen müssen, um allen genügen zukönnen, die Ansprüche an ihn erhoben. Die Großen desReiches suchten den gelehrten, den arbeitsfreudigen Er-zieher des Kaisers kennen zu lernen. Diesen bescheidenenPriester zierten ja die edelsten Gaben — Heiligkeit undWissenschaft — welche Hochachtung und Bewunderungherausforderten.
Am ersten Tage nach dem Osterfeste wurde draußenauf dem weiten Wiesenplan ein großes Kampfspiel ge-halten, wobei die Blüthe der Ritterschaft Proben ihrerKraft und Wafsengewandtheit ablegen sollte. Die mitbunten Teppichen geschmückten Tribünen belebten sich miterlesenen Zuschauern der vornehmsten Stände.
Unter dem Purpur-Baldachin nahm Bernward nebenseinem kaiserlichen Zögling Platz. Sein kunstsinniges,für alles Schöne empfängliches Auge schweifte heute überdas weite glänzende Rundbild.
Gerade gegenüber erhob sich der goldbefranste Altander Kaiserin. Die schöne Frau saß in der Mitte ihrerTöchter und war umringt von einem Kranze edler Hof-damen. Ein heiteres, ein farbenprächtiges Bild.
Prinzessin Sophia hatte das Ehrenamt übernommen,die Sieger mit dem Preise zu krönen. Die Kaisers-tochter sah entzückend aus in ihrem silberglitzernden, blaß-
rosigen Gewände, das schwarze Lockenhaar mit thau-flimmernden Heckcnröschen geschmückt.
Doch ebenso wohlgefällig als auf ihr hafteten dieBlicke mancher Ritter auf der blonden Hofdame, welchenicht weit von ihr saß. Hildeswitha in einem zartenGewände von wasserblauem silberdurchwirktem Stoff, dasrings mit Schneeglöckchen geziert war, sah selber aus wieein lieblich frisches Schneeglöckchen.
Die Herren, so in der Nähe des Wendenprinzensaßen, glaubten wohl nicht mit Unrecht, daß dessen Blickenach dem Frauen-Altan, sowie dessen Bewunderung aus-drückende Flüsterworte: „O, wie ist sie holdselig!" deranmuthsvollen Hildeswitha galten. ,
Eine kleine Bewegung ^ ging ljurch die Reihen derjungen Edeldamen, ^als ein schlanker Page sich geschmeidighindurchwand und dem Hoffrüuletn Hildeswitha von Olcs-burg mit leisen Flüsterworten einen Strauß herrlicherRosen überreichte.
„Rosen im Ostermonat! Der Spender muß einreicher Fürst sein," äußerte die Griechin Helena be-wundernd.
„Soll ich Euch den Geber verrathen?" fragte lächelndeine blonde Schöne.
„Sprich, Gisela. Geschwind sag' uns, wer ist er?"klang es auffordernd von allen Seiten.
Die also Bestürmte erzählte leise:
„Draußen vor den Schranken sah ich jenen Edel-knaben in vertraulicher Zwiesprache mit dem Sohne desWendenkönigs, der drüben sitzt und unverwandt herüber-schaut. Er wird dem Pagen den Auftrag zu der Hul-digung gegeben haben. Seht, wie seine schwarzen Augenblitzen. Ihm wäre es auch lieber, sich dort unten auffeurigem Streitroß zu tummeln, als betrübt den Zu-schauer zu spielen."
„Nun, allzu betrübt schaut er nicht drein," lachteHelena.
„Warum sollte er das auch," entgegnete die Andere.„Seine Gefangenschaft wird ihm zum ersten nicht garso schwer gemacht und wird zweitens auch nicht von be-trächtlicher Dauer sein. Der reiche und mächtige KönigMistut mag schon bald das Lösegeld für den Sohn auf-bringen und mit der Einsendung nicht zögern."
Helena meinte lächelnd:
„Da wird unsere Herrin Theophano am Ende wohlgar genöthigt sein, neben der Geisel eine ihrer Hofdamenfreizugeben. Doch seht, wie sie auf dem Wahlplatzegegeneinander rennen. Hört, wie die Rüstungen dröhnen,die Schilde klirren von gewaltigen Streichen! DasSpiel wird ernst, es erfordert unsere ungetheilte Auf-merksamkeit. Schaut, keiner der Helden ist sieghafter,als Tammo von Sommerschenburg!"
Den Edelfräulein ringsumher mochte wohl dasselbedünken, denn keine äußerte andere Meinung.
Mit größerem Antheil noch, als von der Frauen-Altane, wurden von deS Kaisers Tribüne aus die Wechsel-fälle des Kampsspiels verfolgt.
Voll freudiger Spannung beobachtete Bernward, mitwelcher Geschicklichkeit der junge Heinrich von Bayern schon die Waffen handhabte, sah er, wie Freund Altmanvon Olesburg sich mächtig auszeichnete, gewahrte er mitHochgefühl, wie sein Bruder Tammo, ohne selber eineinziges Mal zu wanken oder den Speer fehlzustoßen,alle, die ihm nahten, in den Sand warf und gar manchemdie Waffen nahm.