„Der Friede sei mit Dir!"
Bernward antwortete:
„Und mit Deinem Geiste."
Auch Egbert und Hildewald gaben ihm den Frie-denskuß zur Versicherung wechselseitiger Liebe, Eintrachtund Freundschaft, worin sie als Bischöfe der einen heili-gen Kirche Gottes mit einander stehen und wirken wollten.
Sodann feierte der ebengeweihte Bischof mit demErzbischof, der ihn geweiht, zusammen die heilige Messe.
Ein rührendes Bild: Zwei Bischöfe an einem Altare,die wie zwei Bruder von einem Brode aßen, aus einemKelche tranken!
Nach vollbrachter Messe und nach feierlicher Seg-nung des Volkes nahm der Confecrator wieder seinenThron ein. Der Neugeweihte kniete vcr ihm nieder,und Willegis setzte mit Beihilfe der assistirenden Bischöfeunter Segnungen, Gebeten und Gesängen die Mitra,
„den Helm der Stärke und des Heils, den Kopfschmuckdes Hohenpriesters", auf das Hauptdes Knieenden.
Mit gleicher Feierlichkeit wurdenBernward die bischöflichen Hand-schuhe angezogen, auf daß er seinegeweihten Hände vor jeglicher Be-fleckung bewahre.
Nachdem auch diese Ceremonievollzogen war, erhob sich Willegis,faßte Bernward, den Bischof vonHildesheim , an seiner Rechten, Erz-bischof Egbert nahm ihn an derLinken, so führten sie ihn auf denBischofsthron, welchen der Con-secrator selber soeben verlassenhatte, ein Zeichen, daß er nunwirklich zum Oberhirten gesetzt seiund die oberste Leitung seiner Kircheanjetzo übernehme. —
Willegis stimmte den Lobge-sang an:
„Dich Gott loben wir, DichHerr bekennen wir!" Brausendfiel das Volk ein. Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst ,
Während des Tedeums wurde Reichskanzler.
Bernward im ganzen hohenpriefter-lichenSchmuck mit Mitra und Stabvon den assistirenden Bischöfen in Procession durch dieKirchegeführt. Zum Schlüsse ertheilte er dem Volke denersten feierlichen Segen als Bischof.
Das war Bernwards Bischofsweihe.
Das Ehrenmahl, welches der junge Kaiser seinemgeliebten Lehrmeister prunkvoll und prächtig in der Königs-burg hatte bereiten lassen, war für Otto selber keinFreudenmahl. Nur mit Mühe gelang es dem kaiser-lichen Knaben, den Ausbruch seines Schmerzes zu be-zwingen in Gegenwart der fremden Bischöfe, der Fürsten und des ganzen Hofstaats.
Als er dann aber am Abende zum letzten Malemit dem väterlichen Freunde im trauten Gemach alleinwar, da brach Ottos gewaltsame Fassung zusammen,und seine Thränen flössen rückhaltlos.
„Ohne Halt, ohne Stütze! Was beginne ich?" riefer verzweiflungsvoll.
Auch Bernwards edles Antlitz wurde bleich. Er
neigte sich in Liebe zu dem Knaben und flüsterte sanfte
Bernhigungsworte, ja er legte seine Hände segnend aufdas Haupt des Trauernden.
„Mein Otto, Gott, der Allwissende, welcher michvon Dir trennt, daß ich meinem stammverwandten Volkeein treuer Hirt, ein Hoherpriester werde, läßt Dich nichtohne Stütze. Hundertfachen Ersatz für meine schwacheKraft findest Du in dem frommen und weisen PrälatenGerbert, dem gelehrten Leiter der Rheimser Domschule,so Du selber an Deine Seite gerufen hast. Gerbert,der ob seines Wissensschatzes von Abergläubischen sogarals Zauberer gepriesen wird, ist, das sage ich unbedenk-lich, der hervorragendste Geist unseres Jahrhunderts.Ihm schmiege Dich an, er wird Dich zum Guten lenken",also redete er auf Otto ein.
Der feurige Knabe aber rief begeistert:
„Als kostbares Vermächtniß nehme ich Gerbert zumeinem Lehrer an Eurer Stelle an. Der Prälat wirdmir theuer sein, weil Ihr, mein Geliebter, ihn mirgleichsam als hohes Gut hinter-lassen habt."
„Mein Otto, ich werde immeran Dich denken, immer für Dichsorgen, immer zu Deinem Rathbereit sein, wenn Du es verlangst,"erklärte Bernward innig.
Der junge Kaiser aber warf sichin leidenschaftlichem Schmerz andes scheidenden Lehrers Brust:
„Ja, Ihr sollt immer an michdenken, immer für mich beten, unddamit Ihr das thut, so theile ichmit Euch — ja ich Selbstsüchtigertheile mit Euch das Beste, was ichhabe."
Der Kaiser löste eine an seinerSchnur getragene elfenbeinerneKapsel von seinem Halse, öffnetedieselbe, und inmitten von Edel-steinen und köstlichen Perlen zeigtesich Bernwards Blicken ein schlich-tes Kreuz.
„Seht, das ist ein Stück vomwahren Kreuzesholze, daran unserHeiland sein Leben hingab. MeineMutter Theophano brachte dasHeiligthum von Palästina zu uns."
Bernward sank auf die Knie und küßte in tiefsterEhrerbietung die Reliquie vom heiligen Kreuze.
„0 orux uv6, sxes uniou! O, heiliges Kreuz,sei gegrüßt! Du meine Hoffnung, Du meine Stärke,Du meine Hilfe, sei gegrüßt! Mögest Du mir immerbleiben das Siegeszeichen wider den bösen Feind, dieQuelle meines Trostes und meine Ruhe in Trübsalen!Ja, möge das heilige Kreuz mir sein der Stab meinesAlters, die Zuflucht meines Lebens, die Waffe wideralle Feinde!"
Mit rascher Hand trennte Otto einen Theil derheiligen Reliquie los, legte den Splitter auf eine gol-dene Schale und überreichte ihn dem Knieenden. Derrief feurig:
„Mit solchem Gnadengeschenk willst Du mich, willstDu die Hildesheimer Kirche auszeichnen? O, habe tau-sendfachen Dank, mein Ottto! Nimm Dank auch im
Namen meines Volkes! Ich werde dem kostbaren Schatz