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aufgehört, zu existiren. Hügel von erstarrten Menschen,ganze Reihen von Thierkadavern bildeten die Marksteinedieser Heerstraße des Todes.
Schritt für Schritt fechtend zog man sich zurück. Aufeigene Kraft war unser Regiment gestellt, denn „Leiningen-Chevaulegers" existirten bloß mehr auf dem Papier.
Unser Regiment bildete die Arriöregarde, und vonunseren Säbeln hing das Heil der anderen Tapferen ab;denn immer ärger wird das Drängen der Kosaken , Pulkauf Pulk, Sotnie um Sotnie braust heran, mordgierigdie Pike einzubohren in die Leiber der Unseren.
Da schmetterten in die Winterluft so hell, so sieges-freudig, wie einst in fröhlicheren, glücklicheren Tagen, dieTrompeten der „Königs-Chevaulegers", und mit hoch-geschwungenem Säbel in der Faust stürzt sich Graf vonSeyssel d'Aix selbst an der Spitze seiner heldenhaftenGrünröcke blindlings hinein in Tod und Verderben, inden vorgehaltenen Lanzenrechen, hinein in den dichtestenSchwärm der Russen, die in wilder Flucht auseinander-stieben und einen General sowie zahlreiche Offiziere inden Händen der Unseren lassen.
Nie war ein Lob gerechter als das, welches der Vize-könig Italiens, Prinz Eugen , unseren Königs-Chevau-legers spendete; aber der Bluttag hatte die Schwingengelähmt, erschöpft waren die Kräfte, total ausgepumptbis zum letzten Rest von Odem waren Roß und Reiter.
Zum letzten Male erscheint die Division Preysingunter dem so glorreich geführten Namen.
Schon die folgende Nacht bringt die Auflösung, esgibt keine Feuerung mehr für die Biwaks, keine HandvollHafer für die Pferde, nicht eine Krume Brodes mehr —der Nest hieß Schweigen und Tod!
(Schluß folgt.)
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Zu unseren Bildern.
Kaiser Nikolaus Aiexandrowitsch.
Rußlands neuer Zar wurde am 18. Mai 1868 in Peters-burg geboren. Im Hinblick aus seine dereinstige hohe Stellungerhielt de> selbe unter Oberleitung des General-AdjutantenDamelowitscb, eines hochgebildeten Mannes, eine eben so gründ-liche wie vielseitige Erziehung und wissenschaftliche Bildung. Diekaiserlichen Eltern legten einen beioiweren Werth darauf, daßihr Sohn seinen Gesichtskreis durch größere Reisen in das Aus-land erweitere. Zn diesem Zweck trat der Zarewitsch >m Jahre1890 eine längere Reise nach dem Orient und nach Asien an,auf welcher er, wie bekannt, einst in Lebensgefahr gebieth. Eswar im Frühjahr 1891, als Großfürst Nikolaus auf seiner Rück-kehr von Batavia über Saigon sich nach Hongkong und sodannnach Japan begab. In das russische Heer trat der jetzige Kaisermit 18 Jahren, und zwar der Tradition gemäß in das Preo-brascbenSkcsche Garde-Infanterieregiment, ein. Daran schlössensich Dienstleistungen bei den anderen Waffen, in denen er denGrund zu einer soliden Kenntniß des Dienstbetriebes und derAusbildung der Kavallerie und Artillerie legte. Bei seinenWiederholten Besuchen am deutschen Kaiserhofe hat sich der Groß-fürst Nikolaus Aiexandrowitsch die Sympathien der Kreise er-worben, mit denen er in nähere periönltche Berührung gekom-men. Allgemein werden die Urbanität seines Wesens, die Fein-heit seiner Umgangsformen im gesellschaftlichen Verkehr und dieUnbefangenheit seiner Anschauungsweise gerühmt. Zu dem preuß.Heere steht derselbe dadurch in persönlicher Beziehung, daß erChef des 1. Westfäl. Husarenregimcnts Nr. 8 ist, und daß erL I» »uits des Kaiser Acexander-Garde-Grenadier-RegimentsNr. 1 geführt wird. Zar Nckoiaus II. ist im Begriff, einerPrinzessin aus einem deutschen Herrscherhause, welches seit Jahr-zehnten durch Familienbandc mit der russischen Herrscherfamilieverknüpft ist, der Prinzessin Alix von Hessen (deren Bild wirin Nr. 41 h. I. des Unterhaliungsblattes brachten), die Handzur Vermählung zu reichen. Möge auf dieser Verbindung derSegen deS Himmels in reichstem Maße ruhen!
Nas Ktammschlotz der Nomanosf in Moskau ,
die Wiege der heutigen russischen Dynastie, stand Jahrhundertelang vergessen auf der Warwarka in Moskau , bis es im Jahre1856 aus Befehl des Kaisers Alexander II. restaurirt ward.Unser Bild stellt die Rückseite und Hauptfaxade des restaurirtenGebäudes dar. Man genießt von den Höher gelegenen Zimmernaus eine herrliche Aussicht über die Stadt. Im Erdgeschoß be-finden sich Keller und Küche, darüber Waffen- und Vorraths-kümmern. In dem niedrigen Aufbau unter dem Dache wohntedie Bojarin mit den Kindern, die Zimmer find der Modeälterer Zeit entsprechend niedrig und haben wenig Licht. Unterder Regierung von Boris Godunoff (1589-1605) tritt zuerstdie Familie der Romanoffs auf; der erste Zar aus dem HauseRomanoff ward 1613 erwählt.
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Allerlei.
Bayerische Drohung. Ein Bauer besteigt inangeheitertem Zustande den Dampfer auf dem Starn-berger See. Da er durch seine schwankenden Bewegungenallerlei Gegenstände und auch Personen anrempelt, soruft ihm der Kapitän zu: „Jetzt setzen Sie sich niederund verhalten sich ruhig, sonst werfe ich Sie sofort inden See!" — „So?" sagte der Bauer zornbebend, „baldstmir das nochmal sagst, sauf i die ganze Lachen aus, undnacha kannst mit Dei'm Schlitten auf'm Sand ham fahren!"
Kasernhofblüthe. Unteroffizier szu einem rechtmageren Rekrutenj: „Mensch, Sie sehen ja aus wie einAbreißkalender am 31. Dezember!"
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Goldkörner.
Wer nichts zu verzapfen hat, hänge kein Schild aus. K.
Viele Menschen sehen die Tugend mehr im Bereuen derFehler, als im Vermeiden derselben. Christoph Lichtcnberg.
Mikder-Iiäthsek.
Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 89:
Weiß. Schwarz.
1. S. 84—85 K. 84—85 : (^ oder 8)
2. D. 66—85 : -st beliebig.
3. L. 84-05 resp.
D. 85—05 Matt.
L..
s. 06—85:
2. D. 66-87 K. 84-84
3 D 87-84 Matt.
8 .
1. 06-05
2. S. 85-86 : -i- K. 86 84
3. D 66 6t Matt.
Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 91:
Weiß. Schwarz.
1. T. 64-65 -j- K. 85 65:
2. S. 88-87 K. 65—85
3. 62-64 Matt.
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