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die Brücke passiren zu lassen. Es wurde ihm gewährt,aber nur wenige Unglücksgefährten sind ihm geblieben,darunter Major Bieber und Rittmeister Fuchs von denKönigs-Chevaulegers. Weiter geht nun der Zug der Hand-voll Bayern , die sich sogar in dem Schnee verirren undgezwungen sind, den Uebergang auf der Eisdecke einesTeiches zu versuchen.
Wie gewöhnlich, ritt der Major v. Bieber unseresRegimentes an der Spitze seiner Schicksalsgenossen, wäh-rend der General Preysing den kleinen Zug beschloß. Daberstet mit markerschüterndem Krachen die Eisdecke, undder General, sowie einige Chevaulegers brechen ein undkämpfen mit den Fluthen einen furchtbaren Kampf aufTod und Leben, bis es dem Geueralstäbler F-lotow imVerein mit dem Rittmeister Fuchs von den Köuigs-Che-vaulegers gelingt, die Unglücklichen unter unsäglichenSchwierigkeiten und unter persönlicher Gefahr zu retten.
Zwar hatten in Poloczk die bayerischen Truppen Ver-stärkung erhalten, die aus der Heimath nachgesandt wor-den war, aber trotzdem war es nur möglich, aus je zweiChevaulegers-Regimentern je eine Eskadron zu formiren,und zwar bildeten die Königs-Chevaulegers mit Leiningenzusammen die 3. Eskadron des kombinirten Regiments,welches unter Kommando des Majors Baron Hertlingunseres Regimentes stand und bei der Musterung am2. Jänner 1813 zu Poloczk 9 Offiziere und 355 Pferdemusterte. Von unserem Regimente war nichts geblieben,als sein leuchtender Name, vernichtet war die Heldenschaar.
In der Stärke von 521 Mann war das Regimentausgelitten; nur 39 kehrten im Laufe des Frühlings all-mälig wieder nach Augsburg zurück. Die Fortdauer desKrieges gestattete keine Trauer. Die letzten Kräfte desLandes mußten aufgeboten werden, um eine neue Armeean Stelle des untergegangenen Heeres zu stellen, undschon am 20. März 1813 zog eine neu formirte Eskadronnach Bamberg , um sich dort mit den Eskadronen andererRegimenter zu einem Regimente zu verbinden, welchesnach Sachsen dirigirt und dem Befehle des MarschallsOudinot unterstellt wurde. Das Regiment kämpfte mitgroßer Bravour bei Bautzen, Luppenau, Wittenberg undJüterbogk, allerdings mit blutigen Verlusten. Nach demVertrage von Ried, schied es aus der Verbindung mitden Franzosen und kehrte in die Heimath zurück. AuchBayern hatte sich der Erhebung Europa's gegen den kor-sischen Unterdrücker angeschlossen. Im Januar des Jahres1814 zog unser Regiment über die Vogesen, um in dasHerz Frankreichs einzudringen, wo ihm kurz darauf Ge-legenheit geboten werden sollte, seiner Geschichte einender stolzesten Nuhmestage, den Tag der Schlacht vonBrienne, einzuverleiben.
Auch in den Schlachten von Bar sur Aube, in demReitergefecht von Malmaison, in der Schlacht von Arssur Aube empfanden die Franzosen die scharfen Säbelder Vierer, und es war eine wohlverdiente Auszeichnung,daß das Regiment an dem Einmarsch der Verbündetenin Paris, 1. April 1814, sich betheiligen durfte. Hieraufbildete es kurze Zeit einen Theil der Garnison von Aneyund kehrte am 23. Juni wieder in seine liebe GarnisonAugsburg zurück.
Die Rückkehr Napoleons von Elba rief die Weltneuerdings unter Waffen. Auch das 4. Regiment zogabermals über den Rhein; das Schicksal dieses Feldzugeswurde jedoch im Norden, in Belgien, auf dem Schlacht-felde von Waterloo entschieden, und die Theilnahme des
Regimentes an den Kämpfen beschränkte sich auf einigeunbedeutende Engagements. Am 10. Dezember kehrte dasRegiment wieder nach Augsburg zurück. AIS im Jahre1832 dem bayerischen Königssohne Otto, der den Thronvon Griechenland bestiegen hatte, ein bayerisches Trup-pencorps zur Verfügung gestellt wurde, gab auch oas 4.Chevaulegers-Regiment hierzu eine Eskadron ab, welcheam 3. Februar 1833 in Nauplia landete. Sie verbliebein Jahr in Griechenland, ohne irgendwelche nennens-werte Thätigkeit auszuüben, und kehrte im Novemberwieder zurück, um allerdings bei der Rückreise den Schreckeneines furchtbaren Seesturmes kennen zu lernen.
Als frohes Ereigniß in der Geschichte des Regimentsist der Eintritt Sr. K. Hoheit des Herzogs Ludwig zuverzeichnen. Se. K. Hoheit stand von 1863—1864 alsOberst an der Spitze des Regiments. Es waren nunlange Friedensjahre, bis im Jahre 1866 jener unseligeKrieg entzündet wurde, welcher leider die Söhne deutscherBruderstämme im blutigen Kriege gegen einander führte.Das Regiment zeichnete sich hier besonders in der Schlachtvon Kissingen aus, wobei sich Rittmeister Frhr. v. Egloff-stein den Max-Joseph-Orden erkämpfte. Bei der brillan-ten Attaque der bayerischen Kavallerie in der Schlachtvon Hettstädt ward dem Regiment leider nur die Auf-gabe der Reserve zugewiesen. Am 8. September rücktees wieder in seine Garnison Augsburg ein.
1870 zog das Regiment zum dritten Male über denRhein, Frankreichs Feldern zu I In dem großen Feldzugefinden wir nur ganz wenige Schlachten, in welchen dieReiterei mit jener Bedeutung eintritt, die ihr ehemalszukam; z. B. in dem Todesritt der Brigade Bredow; indem großen Kürassierangriff von Reichshofen; im Todes-ritt der Division Marguerite bei Sedan. Unser Regimentwar der zweiten Division als Divisionsregiment beige-geben , verließ am 30. Juli seine Garnison und über-schritt den Rhein bei Germersheim. Es war dem Regi-ment nicht gegönnt, an den Schlachten von Weißenburgund Wörth theilzunehmen. Als Avantgarde der zweitenDivision war der Dienst ein äußerst anstrengender, ins-besondere bei der großen Abschweifung gegen die belgischeGrenze, als es galt, Fühlung mit den Franzosen zu ge-winnen, welche unter Mac Mahon von Norden her denin Metz eingeschlossenen Bazaine entsetzen wollten.
Am 30. August stieß das Regiment bei Beaumontauf feindliche Biwaks und kam hierbei zum ersten Malein's Feuer.
Das Regiment attakirte eine Mitrailleusenbatterie,welche sich jedoch noch zeitig retten konnte. An der Schlachtvon Sedan nahm das Regiment keinen aktiven Antheilund wurde sodann zur Bewachung der französischen Ge-fangenen kommandirt. Am 22. September traf das Re-giment vor Paris ein, wurde aber sehr bald an die Loire gesendet und kämpfte dort unter von der Tann mit großerAuszeichnung in den Schlachten von Beaugency undBazoches les Hautes. Nach den Kämpfen von Orleans wurde es wieder nach Paris zurückbeordert, wo es biszum 30. Januar 1871 blieb. Hier ward dem Regimentdas schauerlich-schöne Schauspiel gegeben, den Brand vonParis und die Vernichtung der Kommune durch die Ver-sailler als unmittelbare Zuschauer zu beobachten. DemFriedensvertrage gemäß blieb ein ansehnlicher Theildeutscher Truppen auf französischem Boden zurück, biszur völligen Zahlung der Kriegskontribution. Auch das4. Chevaulegers-Regiment gehörte zu den Occupations-