748
zcihung und Gnade I Er entließ die Tiburtiner, so ihmfreudig auf's Neue zuschworen, straflos mit der Ver-wöhnung, sich fürderhin friedlich zu verhalten.
Zu derselben Zeit, als dieses weittragende Ereig-niß sich abspielte, stand Klaus vom Nheine mit derschönen Julia auf einer von Palchen überschatteten, vonMyrten umrankten Garten-Terrasse des nahen PalastesLomello . Er hatte die Welt um sich her vergessen, erblickte nur leidenschaftlich in die Augen der Geliebten.
„Meine aufgehende Sonne, mein Himmelsstern I"so nannte er in seiner künstlerischen Ueberschwänglichkeitdie gluthäugige Grafentochter, deren Liebe er im Sturmeerobert hatte. „Königin meines Herzens, auch meine Liebekam gleich der Deinen überwältigend wie ein Blitz vomHimmel. Das mußte so sein, denn wir sind für ein-ander geschaffen."
Der deutsche Künstler Klaus aber hatte wenig Theil-nahme für die Streitigkeiten der italienischen Städte.Ihm lag anderes näher am Herzen:
„Meine Seele, meine Heißgeliebte, warum, o warumgestattest Du nicht, daß ich mannhaft vor Deinen Vatertrete und Dich von ihm zum Weibe begehre?" so fragteer stürmisch.
Julia lächte.
„Du lieber Thörichter", gab sie zärtlich zur Ant-wort, „weil ich nicht will, daß dem fremden Künstlereine Abweisung zu Theil werde. Wenn mein gestrengerVater Dich aber näher kennt, wird er Dich immer liebergewinnen und Dir endlich die Hand seines Kindes nichtmehr versagen."
(Fortsetzung folgt.)
» «
MindeLzeU.
Original-Aufnahme von Gustav Baader, Photograph in Krumbach. sVervielfältigungsrecht vorbehalten)
Julia erwiderte feinen leidenschaftlichen Blick undnickte stumm. Das Wort erstarb ihr auf der Lippe ,denn ihr Vater, Graf Otto, nahte eilig. Der war auf-geregt und spähte finster hinüber nach der Kaiserburg.
Die Tiburtiner traten soeben mit allen Zeichenfreudiger Erregung aus dem Thore.
„Fürwahr," rief Graf Otto, „der Kaiser hat diehochmüthigen Eisenköpfe ohne Strafe freigegeben. Dasist schlimm. Wehe ihm, wenn Rom von der Begnadig-ung erfährt! Unsere Römer hegen langjährigen Haßgegen die stolzen Tiburitiner. Sie hofften, daß derenStadt dem Erdboden gleich gemacht und daß deren GüterRom anheimfallen würden. Die Enttäuschung mag allzugroß sein. Ich sehe eine Empörung voraus."
Nach diesen heftig hervorgestoßenen Worten eilteder treue Graf von Lomello zu seinem Kaiser. Er wollteihn warnen.
Mindelzell.
(Mit Illustrationen.)
Im herrlichen Mindelthale ist landschaftlich eine derschönsten Pfarreien Mindelzell. Es ist von Kirchheim 1^Stunden und von Ursberg ^ Stunden entfernt und aneinen Berg nach Art italienischer Dörfer angebaut. FünfMinuten davon fließt tue Mindel vorbei, von der es denNamen „Zella an der Mindel" hat. So mancher Bade-gast vom Krumbad (1 Stunde entfernt) war nicht wenigüberrascht, wenn er vom Berge aus plötzlich Mindelzellvor sich und im Umkreise Lhannhausen, Burg, SchloßSeifriedsberg, Balzhausen, Kirchheim, Mindelheim rc. rechtmalerisch daliegen sah, umrahmt von herrlichen Laub-wäldern. Mindelzell ward 1209 eine Pfarrei, von PapstJnnocenz III. bestätigt. 1232 wurde es mit allem Zu-behör von Siboto, Bischof zu Augsburg , dem Kloster Urs-