Ausgabe 
(3.3.1896) 18
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voll Soldaten ausrichten? Seine Festnehmung fällt unsnicht schwer. Ich öffne Euern Reitern die Thore, wirbemächtigen uns seiner und halten ihn fest, bis..."

Bis die vereinigten Sachsen und Schweden ", fielLeßlie dem Vetter ungehalten in's Wort, vor der Festungerscheinen und unsere Saumseligkeit alles verdorben hat.Dann sind wir Gefangene, und der Herzog ist frei!Die Person, der Name Wallenstein's allein ist mehr werthals eine ganze Armee. Das weiß er, das wissen dieSchweden . Denk' an Deine Pflicht und die ungeheuereVerantwortung, wenn der Herzog entkommt."

Durch Leßlie's Argument wurde schließlich auchGordon'S Widerspruch gegen die blutige Arbeit besiegt.Ein feierlicher Eid, für die Ausführung des BeschlossenenLeib und Leben, Gut und Blut einzusetzen, besiegelteden schrecklichen Bund. Dann trennte man sich.

(Fortsetzung folgt.)

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Quellen und Brunnen in Beziehung zurKunst und Geschichte.

Von Max Fürst.

(Fortsetzung.)

Nicht zu vergessen ist hier als ausgezeichneterBrunnenschöpfer der Hofbildhauer und Erzgießer desKönigs Salomon, Meister Hiram von Tyrus. DieBibel erzählt ja ausführlich, wie kunstreich er seinehernes Meer" für den Tempel zu gestalten wußte.An Hiram mag auch der Schöpfer des neuen Münchener Monumcntalbrunnens ein wenig gedacht haben, als erHiebei einen Ochsen oder Stier zur Verwendung brachte.Wenn Hiram aber gleich volle zwölf Ochsen zurSchmückung seines ehernen Beckens heranzog, so hat HerrHildebrand gut gethan, mit einem Stück sich zu begnügen;die Münchener hatten, wie man gar leicht merken konnte,an diesem einen schon genug, obwohl dieser nicht einmalin all' seinen Theilen der Rasse treu zu bleiben vermochthat, denn im Hinblick auf die Hintere Hälfte unseresMünchener Thieres kann selbst der Kurz- und Nachsich-tigste nimmermehr singen und sagen:Ein Kerl als wieein Rinde." Eben dieser verdächtigen Doppelnatur wegengehört unser gehörntes Monumental-Vieh nicht zu jenenOchsen, die allenfalls auch an einem Sonntag aus denBrunnen gezogen werden dürfen. Trotzdem haben einigewohlwollende Landwirthe gemeint, daß ob der seltenenAufzucht, welche dem Meister Hildebrand hier geglücktist, beim jüngsten Oktoberfeste noch ein besonderes Diplomhiefür ausgefertiget werden könnte. Diese frohe Erwar-tung fiel jedoch aus mehrfachen Gründen leider dorthin,wohin die Hintere Hälfte des fraglichen Thieres zunächstgravitirt in's Wasser. Vergleichsweise könnte manaber immerhin noch die Frage offen halten, ob nicht inZukunft der hiesige Metzgersprung vom alten Fischbrunnennach unserem neuen Brunnen verlegt werden solle, dennangesichts des riesigen, wenn auch marmornen Hornviehesmüßte das Vergnügen, im Winter in's Wasser springenzu dürfen, unseren Metzgerlehrlingcu doch noch viel zünf-tiger und verlockender erscheinen.

Lenken wir nach dieser Abschweifung, zu der unsunser jüngstes Brunnenthier verleitet hat, wieder infrühere Zeiten zurück. Am meisten künstlerische Vervoll-kommnung haben die Brunnen in der Renaissance ganz

besonders in Italien gefunden. Wir müßten nicht ausder Fontana di Trevi getrunken haben, um nicht mitbesonderer Vorliebe immer wieder nach dem sonnigenLande auszuschauen, das die Wellen der Adria und desMittelmcercs kosend umspülen. In der ganzen Weltwird kein Zoll und keine Steuer so freudig entrichtet,als wie der bekannte Saldo am Rande des berühmtenrömischen Brunnens; aber auch in keinem Zoll- undSteuer-Amt wird mit den Einkäufen täglich so fein säuber-lich ausgeräumt, als dieses die römischen Gassenjungenvermögen, wenn sie allabendlich den Boden des weitenBeckens der Fontana Trevi münzensuchend durchstöbern.Ist gut, daß bei den Eingriffen in diese in ihrer, Arteinzig dastehende Opferschale keiner dieser Langfingereine Strafe zu befürchten hat!

Von den vielen italienischen Meistern, welche herr-liche Brunnenwerke geschaffen haben, ist hier zunächst der-jenige zu nennen, der schon von Geburt aus zum Brunnen-macher prädestinirt erschien, nämlich der Bildhauer DomenicoForllana. So sehr dieser nun auch mit dem feuchten Ele-mente enge verwandt war, so mußte ihm dennoch, als erim Jahre 1589 bei Aufstellung des mächtigen Obeliskenam St. Petersplatze in höchst fataler Patsche saß, be-kanntlich ein Unberufener mahnend zurufen:Wasser aufdie Stricke!"

Den auszeichnenden Namen, den Fontana von Hausaus besaß, hat sich ein anderer italienischer Meister, Jakobdella Qucrcia, erst durch eigene That zu erringen ver-mocht. Als Quercia im Jahre 1419 den figurenreichenHauptbrunnen der Stadt Siena zur Aufstellungbrachte, war, wie Vasari berichtet, die Freude an demkunstreichen Werke so groß und allgemein, daß man inehrender Weise den Meister nur mehr mit dem Beinamendella Fontana" kennzeichnete. Vielleicht hätte auch derberühmte Nicolo Pisano eine ähnliche Auszeichnung fürseinen in Perugia sich befindenden herrlichen Brunnen er-halten, wenn nicht seine Lebenszeit in dem Momente ab-gelaufen wäre, in dem die Wasser seines Brunnenwerkeszu laufen begannen. Außerordentlich geschickt erwies sichals Brunnenkünstler Giovanni da Bologna . Im kühnenArrangement seiner Wasserstrahlen und Figuren kommenbereits alle die mannigfachen Güsse vor, welche in unsererZeit mit besonderer Vorliebe in Wörishvfen zur An-wendung gebracht werden. Der größte Wasserfreund unterden italienischen Künstlern ist übrigens immer der Bild-hauer Bernini gewesen, wie man aus den vielen Brunnenersehen kann, die er für Rom allein schon zur Ausführunggebracht hat. Die dortige Piazza Novana ist mit Brunnenähnlich gespickt, wie der Münchener Promenadeplatz mitDenkmälern. Da die Brunnen der Piazza Novana klugerWeise keine eigentliche Vorder- und Rückfront haben,sondern nach allen Seiten gleichartig sich ausnehmen, sosind sie ohne Zweifel ein glücklicherer Schmuck, als dietrockenen Monumente unseres Promenadeplatzes, die jaauch, künstlerisch betrachtet, nicht ohne bedenkliche Schatten-seiten sich erweisen.

In Beziehung auf Kunstbrunnen hat außerdem keinBildhauer so sehr Schule gemacht, wie der Meister Bernini .Sein Geist spukt wenn man so sagen darf aus denmeisten der größeren Brunnenwerke, welche in den letzterenJahrhunderten entstanden sind. Auch in der Gegenwartist Bernini noch nicht auf's Trockene gesetzt. In derimposanten Brunnengruppe, welche erst kürzlich vor derkaiserlichen Hofburg in Wien Aufstellung gesunden hat.