spiegelt sich besonders auffällig das kühne Formcngcwogedes italienischen Meisters.
Wüßte man nicht, daß Rudolph Wehr der Schöpferdieses neuen prächtigen Wiener Brunnens sei, man wärewahrlich versucht, alle Marmor-Ecken und -Enden abzu-suchen, ob nicht irgendwo eingemeißelt zu lesen: Dsrnivrrsäivivuo. (Fortsetzung folgt.)
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Einzug in Paris am 1. März 1871.
Nach eigenen Beobachtungen und Erfahrungen vonDr. H. RobolSky.
<Mchdruck verboten.!
Die französische Regierung hatte die harte Beding-ung des Prältminarfriedensvertrages vom 26. Februar1871, nach welcher ein Theil von Parts bis zur Rati-fikation des Vertrages von dem Feinde okkupiert werdenwürde, in folgender Weise angekündigt:
„Der Einzug der deutschen Truppen wurde zwischender französischen Militärbehörde und der deutschen Mili-tärbehörde geordnet. Dieser Einzug wird Mittwoch,1. März, um 10 Uhr morgens stattfinden. Die deutscheArmee wird den Raum zwischen der Seine und der Ruedu Faubourg Samt Horrors von dem Eintrachtsplatzean bis zum Quartier des Thermes besetzen. Die Effektiv-stärke der eingeführten Truppen wird 30,000 Mann nichtübersteigen, die Räumung findet unmittelbar nach Noti-fizierung der Präliminarien durch die Nationalversamm-lung statt. Die von der Kammer ernannte Kommission,welche den Verhandlungen anwohnte, reist heute nachBordeaux ab. Die Diskussion beginnt sofort. Diedeutsche Armee wird selber für ihren Unterhalt sorgenund keinerlei Requisition machen. Die Soldaten werdensoviel wie möglich in den Stadtgebäuden untergebrachtwerden. Die französische Armee wird das linke Seine-ufer besetzen. Niemand darf sich in Waffen und in Uni-form auf dem von den deutschen Truppen besetzten Ge-biet zeigen. Die Regierung beruft sich auf EurenPatriotismus und auf Eure Weisheit; Ihr habt dasSchicksal von Paris und selbst Frankreich in EurenHänden. Nach einem heldenmüthigen Widerstände hatder Hunger Euch gezwungen, Eure Forts dem siegreichenFeinde zu übergeben. Die Armeen, welche Euch zuHilfe kommen konnten, wurden hinter die Loire zurück-geworfen. Diese unbestreitbaren Thatsachen haben dieRegierung und die Nationalversammlung genöthigt,Friedensverhandlungen zu eröffnen. Während sechs Tagehaben Eure Unterhändler das Terrain Fuß bei Fußstreitig gemacht. Sie haben alles gethan, was menschen-möglich war, um die wenigst schädlichen Bedingungen zuerlangen. Sie haben Friedenspräliminarien unterzeichnet,welche der Nationalversammlung unterbreitet werden.Während der zur Prüfung dieser Präliminarien nöthigenZeit würden die Feindseligkeiten wieder begonnen haben,und ohne eine Verlängerung des Waffenstillstandes wäreunnützes Blut geflossen. Diese Verlängerung hat nurunter der Bedingung einer theilweisen und sehr kurzenBesetzung eines Theiles von Paris erlangt werden können.Wenn diese Konvention nicht geachtet würde, so wäreder Waffenstillstand gebrochen, der Feind, bereits Herrunserer Forts, würde mit offener Gewalt die ganze Stadtbesetzen. Euer Eigenthum, Eure Meisterwerke, Eure
Monumente, heute durch Konvention geschützt, würden esnicht mehr sein.
Thiers , Chef der Exekutivgewalt der französischenRepublik,
Jules Favre, Minister des Auswärtigen,
Einest Picard, Minister des Innern."
Vor dem Einzüge der ersten für die Besetzung vonParis bestimmten Truppen fand eine Revue derselbenvor Sr. Majestät dem Kaiser und König Wilhelm beiLongchamp vor Paris statt. Am Mittwoch (1. März)Vormittag verließ der Kaiser zu Wagen Versailles , umsich über St. Cloud nach Longchamp zu begeben, wohinihm der Kronprinz, der das Kommando über die Paradeführte, vorausgeeilt war, und wo ein großer Theil derdeutschen Fürsten sich versammelt hatte, darunter derKönig von Württemberg , die Prinzen Karl, Albrecht,Adalbert von Preußen, die Großherzöge von Baden,Weimar, Oldenburg und Mecklenburg-Schwerin , derHerzog von Coburg , die Prinzen Luitpold und Otto vonBayern, die Herzöge von Altenburg und Meiningen .Die Truppen gehörten unserem VI. und XI. Armee-korps und dem II. bayerischen Korps an. Da nicht mehrals 30,000 Mann auf einmal in Paris einrücken sollten,so war von jedem Regiment der drei genannten Armee-korps ein Bataillon zugezogen worden.
Gegen 11 ^ Uhr traten die Truppen an, und vonBataillon zu Bataillon wälzte sich ein tiefes Hurrah, alsein Trupp Offiziere, der Kronprinz voran, vorbeiritt.Um 10 Minuten vor 11 erhob sich dann der Ruf: „DerKönig l" und von Vorreitern begleitet, kam die Equi-page des Kaisers, von vier Rappen gezogen. Um 11Uhr, der für die Heerschau angesetzten Stunde, stieg derKaiser zu Pferde und ritt in scharfem Trab, von seinenGenerälen und Heerführern begleitet, die Allee hinausnach der Stelle, wo ihn der Kronprinz mit seinem Stäbeerwartete und ihm salutierend entgegenritt. Fast imnämlichen Augenblick stimmten die Mustkchöre längs derganzen Linie das „Heil Dir im Siegerkranz " an, undder Kaiser, seinen Sohn dicht an seiner Seite und etwa500 bis 600 Offiziere hinter ihm — galoppierte vonrechts nach links die Front entlang. Der Enthusiasmuswar ungeheuer, sagt ein englischer Berichterstatter, eswar nicht das „Vivs l'Lrnpsreur" der französischen Truppen mit dem Schwenken von Säbeln und dem un-ordentlichen Marschieren. Das „Hurrah" der Deutschenwar tief und dem Donner ähnlich, aber nicht ein Bajo-nett zitterte in den Reihen. Die Scene war groß undwürdevoll. Es folgte dann der Vorbeimarsch der Truppen,welche der Kronprinz anführte.
Ich wohnte mit einem Kollegen in einem Wagen,den wir uns in Sövres genommen hatten, dem herr-lichen Schauspiele bei. Da die Revue in ihrem weiterenVerlaus kein anderes Bild bot, als das, was wir un-zähligemal auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin ge-sehen, so wurde von meinem Gefährten sofort der Vor-schlag acceptiert, Longchamp zu verlassen, um unserenTruppen vorauszueilen und sie am Arc de Triomphe zubegrüßen. Ich war der erste Deutsche gewesen, derunsere Belagerungstruppen in Straßburg am Thore beimEinzug empfing, so reizte es mich, diese historische Rolleein zweites Mal zu spielen. Im Bois de Boulogne wares noch fast menschenleer. Lebhafter wurde es an demAusgange des Waldes, ohne daß wir belästigt wurden.Erst als uns ein Wagen einholte, welchen vier preußische