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A l t e r L e i.
Zuverlässiges über den Untergang desassyrischenReiches (606 v. Chr.) erfahren wir jetztzum ersten Male aus einer Veröffentlichung des Assyrio-logen Dr. Hugo W inck ler-Berlin in der neuestenNummer der Berl. Phil. Wochenschrift. Im vorigenJahre fand der französische Gelehrte Pognon auf demTrümmerfelde des alten Babylon eine Steleninschrist desletzten einheimischen Herrschers, König Nabunaids(555 bis 538 v. Chr.), welche in das Museum vonConstantinopel gebracht worden ist. Winckler gibt eineÜbersetzung und Erläuterung von zwei Columnen desTextes. Die neugefundene Inschrift erzählt Folgendes:„Hülfe gewährte der Gott dem Nabopolassar (König vonBabylon zwischen 626 und 605). Seinem göttlichenGebote zufolge kam der König der Medo-Skythen, derseines Gleichen nicht hatte, dem Nabopolassar zur Ret-tung her. Im Westen und Osten, im Süden undNorden riß er Alles wie die Sintfluth weg, er half Ba-bylon . Der König der Medo-Skythen, der Furchtlose,zerstörte ihre Tempel; von allen Göttern Suris (ältereForm für Assyrien, zugleich die Grundform für „Syria ")und denen der Städte Babyloniens , die sich gegen denKönig von Babylon feindlich verhielten, ihm nicht bei-standen, zerstörte er die Heiligthümer. Keins ließ er übrig,alles zerstörte er." Von Bedeutung den griechischen Nach-richten gegenüber ist, daß nicht die „Weder" undBabylonierdas assyrische Reich gemeinsam vernichteten, wie man bisherfast allgemein annahm, sondern daß der medoskythischeKönig es allein unternahm. Greift er doch im Gefühlseiner Macht nach Babylonien hinüber und bestraft dorteinige Städte nach Gutdünken.
Ameisenschlachten. Büchner schreibt in sei-nem Buche „Aus dem Geistesleben der Thiere"Seite 130: „Am bequemsten und angenehmstenfinden es die körnersammelnden Ameisen, wiedie Menschen auch, Raub und Plünderung bei ihreneigenen Brüdern und Verwandten auszuüben. Vielleichttreibt sie dazu jener kriegerische und streilfähige Sinn,welcher den meisten Ameisenarten angeboren ist. Mog-gridge sah einen solchen Kampf, welcher vom 18. Januarbis zum 4. März dauerte. So oft er während dieserZeit den Platz besuchte, bemerkte er nur Scenen desKampfes und der Plünderung. Die feindlichen Nesterwaren ungefähr 15 Fuß von einander entfernt, und manstritt sich auf das erbittertste um jedes einzelne Samen-korn. Der Platz war stets mit Todten oder Verstümmeltenbedeckt. Am häufigsten kam das Abreißen und Abdrehendes Hinterleibes vor. Aber das übergebliebene Vordertheil,oft nur aus dem Kopf und einzelnen Beinen bestehend,hielt das ergriffene Korn krampfhaft fest und wurde vondem Sieger mit dem letzteren weggeschleppt."
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Warumbfrowenwehrklafsen (schwatzen) dennMänner?"—für diese von ungalanten Herren der Schöpfungso oft aufgeworfene Frage hat im Anfange des 15. Jahr-hunderts Jakob Twinger von Königshöfen, derChronist der Stadt Straßburg , eine ebenso komische wieernstgemeinte Erklärung gefunden. Nachdem er die Er-schaffung Eva's aus der Rippe Adam's — der „imparadys fest entschlief, da er jung war!" geschildert,schreibt er: „...hievon ist nit unbillich, wenn frowen
beynander sind, daß sie «ehr redent und klaffe» denndie männer; da die frow ist auß einer ryppe alß einemdeine und der mann ist auß erden. Wer nun lützel(lauter) betn thuet in einen sack und ihn regt und schüttelt,so tönet es mehr, denn wer ihn voll erde gießet." —Obwohl als Kapitelherr selbst unbeweibt, scheint Twingerjedoch vor den Töchtern Eva's und ihrer Rache ob dieserDeutung nicht ohne Besorgniß gewesen zu sein; so beeilter sich denn, die Frauenwelt wieder zu versöhnen, indemer fortfährt: „...auch ist zu wissen, daß die frawedarumb ward auß einer ryppe gemacht und nit auß desmanneS fließen, daz sie nit sollte ganz unter dem mannesein: noch auß seinem Haupte, daz sie nit über ihm were;sondern sie ward beschaffen auß einem Theil mitten immensch,en darumb daz frawe und man mittenander in allendingen füllent gleich und eins sein, als ob sie ein leibund zwo seelen weren."
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Das Königreich Rumänien besitzt, wie i« Allge-meinen nur wenig bekannt sein dürfte, eine ziemlich be-trächtliche Produktion an Petroleum, welche noch be-deutend gehoben werden könnte, wenn sich dieselbe in denHänden größerer Gesellschaften befände, während zur Zeitdie Erbohrung des Erdöles von einer Menge kleiner Unter-nehmer in primitivster Weise geschieht. Im Ganzen sindzur Zeit 751 Bohrlöcher in Betrieb, deren Tiefe zwischen60—240 Meter beträgt und die von 123 Unternehmernausgebeutet werden. Die Gesammt-Produktion an Noh-Petroleum betrug im vergangenen Jahr 7460 Waggonszu 10,000 Kilo, die einem Werthe von gegen 3 MillionenFrancs entsprechen. (Mitgetheilt vom InternationalenPatentbureau Carl Fr. Reichest, Berlin 6.)
Blumenliebhabers i. Der deutsche Kaiser Wilhelm l«liebte die Kornblumen, welche bet jeder Festlichkeit, soweitsie nur zu beschaffen waren, ihm dargebracht wurden.Der englische Romancier Charles Dickens liebte wahrhaftleidenschaftlich dunkelrothe Geranien, Schiller Lilien, Goethe Hortensien und Mohnblüthen, L. Spohr Nelken, Ludwig II.von Bayern Jasmin, Uhland die Apfclblüihe, Disraeltdie liebliche xriwross oder englische Frühlingsprimel,Robert Burns das Marienblümchen und Sir WalterScott die wilden blauen Hyazinthen, die Irlus bolls seinerschottischen Heimath.
Der erste Locowotiv-Führer der Welt istkürzlich zu London im Alter von 83 Jahren verstorben.Er war es, der die erste von Stephenson gebaute Loko-motive „The Rocket" leitete und auch fast bis zu seinemTode seinem Berufe als Locomotiv-Führer oblag; jeden-falls verdient fein Name in der Geschichte des Eisen-bahn-WesenS verzeichnet zu werden. (Mitgetheilt vomInternationalen Patent-Bureau von Carl Fr. Reichest,Berlin 6.)
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Kinderschlauheit. „Mama, ich habe Husten."— „Dann geh' zu Bett." — „Nein, Mama, das nütztnichts." — „Dann wirst Du kalt abgerieben." — „Achnein, Mama, da wird eS nur noch schlimmer." —„Dann laß eS! Ich habe auch Husten." — „Ach, Duarmes Mamachenl Soll ich Dir ein paar Brustkaramelleuholen?"