versuchte mir das Schreiben zu entreißen. Da legtensich aber schon die kräftigen Hände der Polizeibeamtenauf die Arme Handersons, und der Polizeidtrektor selbstnahm den Brief, um ihn aufmerksam zu lesen. Indiesem Augenblicke gewann Handerson mit einem Satzdie Thür und entsprang. Ebenso schnell waren aberauch die Constabler hinter ihm und verfolgten denFlüchtling über den ziemlich großen Hof, der auf eineabgelegene Straße mündete. Doch würde Handersonentkommen sein, wenn er nicht gerade zwei Polizei-beamten, welche auf jener Straße standen, in die Händegelaufen wäre. Dieselben brachten ihn alsbald inSBureau zurück, wo er nunmehr sammt seiner Begleiterinin Haft behalten wurde. Daß wir es thatsächlich mitHanderson zu thun hatten, unterlag keinem Zweifel.Die mit Handerson zusammen verhaftete Frau war ihrerAussage nach wirklich seine Schwester, welche an einenFarmer Jngersol in Jdaho verhcirathet gewesen und nachdessen vor Kurzem erfolgten Tobe nach Salt Lake City übergesiedelt war. Dort wollte sie zunächst ein Mode-waarenmagazin begründen. Sie stand aber davon ab,als Handerson nach Utah kam und ihr erzählte, er habein einer europäischen Lotterie einen großen Gewinn(20,000 Dollars) gemacht, der seiner Frau, die sich nochin Dalton befand, in den nächsten Monaten ausgezahltwerde und die dann mit dem Kapitale nach Salt LakeCity kommen würde. Handerson's Schwester hatte ausdem Verkauf der Farm 1000 Dollars gelöst, vonwelchem Gelde sie jetzt mit ihrem Bruder lebte, da der-selbe nahezu mittellos nach Salt Lake City gekommenwar. In dem an Frau Handerson gerichteten Briefe,den die Polizei dem Gerichte übergeben hatte, theilte dieverwittwete Frau Jngersol ihrer Schwägerin mit, daßsie mit ihrem Bruder in Salt Lake City ein Geschäfterstehen wolle, welches der jetzige Besitzer für 15,000Dollars zu verkaufen beabsichtige. Frau Jngersol bat indem betreffenden Briefe ihre Schwägerin, sich reisefertigzu halten, damit sie, sobald ihr der Lotteriegewknn aus-gezahlt würde, sofort mit dem Kapital nach dem Westenreisen könne. ES hätten sich mehrere Käufer gemeldet,und daS Geschäft sei eine vorzügliche Kapitalsanlage.AuS diesem Schreiben ergab sich, daß Handerson einganz geriebener Schurke war, der auch seine Schwesterbetrogen hatte.
Inzwischen war auch Frau Handerson auf tele-graphische Requisition durch den Sheriff in Dalton ver-haftet worden. Sie leugnete wie ihr Mann rundwegalles ab, und behauptete, daß ihr Gatte längst nichtmehr unter den Lebenden weile. Da nahm der Unter-suchungsrichter in Dalton zu einer List seine Zuflucht.Er erzählte Frau Handerson, daß ihr Mann sie nurnach Salt Lake City habe locken wollen, um ihr dortdie 20,000 DollarS abzunehmen. Handerson habe ins-geheim ein Verhältniß mit einer jungen Dame in SaltLake City angeknüpft, der er die Ehe versprochen hätteund mit der er sofort nach Europa reisen würde, sobalder die 20,000 DollarS in seiner Tasche habe. WaSalle Kreuz- und Querfragen des Untersuchungsrichtersbisher nicht vermocht hatten, das bewirkte jetzt die Eifer-sucht. Als Frau Handerson von dem angeblichen Treu-bruch ihres Mannes hörte, schwand ihre bisherige Zurück-haltung sofort, und sie legte in Folge dessen ein völligoffenes Geständniß ab. Handerson sowohl als seineFrau liebten das Wohlleben und deshalb behagte ihnen
die schwere Farmarbeit nicht. Daher waren sie übtrein«gekommen, sich durch einen genial ersonnenen Streichein größeres Baarvermögen zu verschaffen. Zu demZwecke beschlossen sie eine Lebensverficherungsgesellschaftzu betrügen. Zunächst ließ sich Handerson auf 10,008Dollars versichern, um diesen Betrag dann auf daSDoppelte zu erhöhen. Der Zufall kam ihnen dabei zuHülfe. Ein Bekannter Handersons, der in der Figureine gewisse Ähnlichkeit mit ihm besaß, starb nämlichund wurde auf dem Kirchhofe, der sich in eine« an dieHanderson'sche Farm angrenzenden Walde befand, in derFamiliengruft beigesetzt.
Nachts begab sich Handerson mit seiner Frau aufden Friedhof, wo sie die Thür zur Gruft durch einenNachschlüssel öffneten. Vermittels eines Brecheisens ver-suchte Handerson die Steinplatte deS Grabes aufzu-heben. Die sehr schwere Platte fiel jedoch mit schreck-lichem Getöse nieder, und Handerson und seine Frauflüchteten aus Angst, daß daS Geräusch gehört wordensei, in den Wald. Als sich indessen Niemand zeigte,kehrten die beiden zur Gruft zurück, hoben die Stein-platte auf, öffneten darauf den hölzernen Sargdeckel undnahmen die^ Leiche heraus. Darauf brachten sie dieSteinplatte wieder in ihre richtige Lage, beseitigten alleSpuren ihrer nächtlichen Thätigkeit, schloffen die Thürund schleppten die Leiche in ihre Wohnung, wo sie vonNiemandem bemerkt gegen drei Uhr Morgens ankamen.Die Leiche versteckten sie zunächst im Keller. Am andernMorgen reiste Frau Handerson zu ihren Eltern ab. AlsHanderson hörte, daß alles entdeckt sei, ließ er sich zufolgendem Geständniß herbei. Nachdem seine Frau ab-gereist war, begaben sich auch die beiden Farmarbeiter,die nicht direkt auf der Farm, sondern in einem etwa150 Schritt entfernten Häuschen wohnten, in die Stadt.Als nun Handerson ganz allein auf seiner Farm war,schloß er die Thore, trug die Leiche aus dem Keller insein Schlafzimmer, legte sie in sein Bett, steckte ihrseinen Trauring an und spaltete ihr mit der Axt denSchädel. Dann legte Handerson das Beil in die Nähedes Bettes und häufte eine Menge Hobclspäne in demZimmer auf. Als dies geschehen war, tränkte er dieHobelspäne mit Petroleum und stellte zwei brennendeKerzen hinein. Nunmehr verließ er sein HauS, schloßdas Thor hinter sich ab, und begab sich, von Niemandembemerkt, auf einen Hügel im Walde, von wo aus erdas Dach seiner Farm beobachten konnte. DaS geschahin der neunten Abendstunde, und in der elften Stundesah er sein Haus in Flammen stehen. Auf Umwegenbegab sich Handerson dann nach der zweitnächsten Eisen-bahnstation, nachdem er sich noch durch einen falschenBart unkenntlich gemacht hatte. So gelang es ihm, un-bemerkt den Westen zu erreichen. Hier suchte er seineSchwester auf und erzählte ihr von seinem großen Lot-teriegewinn, der ihm in einigen Monaten ausgezahltwerden würde. Unter diesen Umständen gab ihm dieSchwester mehrere hundert Dollars, von denen er seinenLebensunterhalt bestritt. Handerson und seine Schwesterwurden nach Dalton gebracht, wo die gerichtliche Ver-handlung stattfand. DaS Urtheil lautete gegen Han-derson wegen Leichenraubes, vollendeter Brandstiftungund versuchten schweren Betrugs auf 10 Jahre Zucht-haus , Frau Handerson erhielt 3 Jahre Zuchthaus, wäh-rend die Mitangeklagte Frau Jngersol freigesprochenwurde.