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1896 .
„Augsburgrr PostMung".
Dinstag, den 7. April
Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg .
Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbefttzer Dr. Max Huttlcr).
Osterlie-.
Ist der Frühling neu erschienenTragen in die ErdenrundeJedes Jahr die OsterglockenAllen Herzen frohe Kunde:
Alleluja, Alleluja!
Christ der Herr ist auferstanden!
Kühn, ein hochgemuther DegenBrach der Held des Todes Banden.
Alleluja, Alleluja!
Aus dem Schatten dunkler GrüfteSteigt des Siegers KreuzesfahneHocherflatternd in die Lüfte.
Alleluja, Alleluja!
Der getödtet war, er lebet,
Und die Himmelsheere jauchzenUnd der Höllenpfuhl erbebet.
Alleluja, Alleluja!
Preis dem Todesüberwinder,
Der der Lohn für die GerechtenUnd das Heil ward für die Sünder.
Alleluja, Alleluja!
Der am Kreuz in Schmach gestorbenHat durch seinen Tod das LebenAller Welt und uns erworben.
Laßt uns seiner Fahne folgen,
Seine Wege laßt uns gehen.
Daß wir all' zu ewigem LebenMit ihm, durch ihn auferstehen!
-«SANS«—-
Audas Makkaöäus.
Historischer Roman von A. L. O. E.
Frei nach dem Englischen von D. Colonius.(Fortsetzung.)
10. Kapitel.
Verborgenheit.
Wir wollen nun zurückkehren in die stille Wohnungder Hadassah, wo Lycidas Tag für Tag hoffnungsloserin die seidenen Maschen, die ihn als einen unfreiwilligGefangenen in dem hebräischen Hause festhielten, verstrickt
wurde. Die Gefahr seiner Lage machte dieselbe nochreizvoller. Mit Entzücken bemerkte der Grieche, wie sehrSarah um seine Sicherheit besorgt war. Wenn Lycidasdie Schwelle seiner „Höhle" überschritt, hielt Sarah inder Nähe der Eingangsthür, ihre Spindel in der Hand,sorgfältig Wacht, um ihm bei dem Eintritt eines Fremdenrechtzeitig Warnung zukommen zu lassen.
Ein Wink des Mädchens warnte den Athener hin-reichend. Die Aussicht von dem Thorwege gewährte einenso weiten Blick auf die Straße, daß es für einenFremden unmöglich wurde, das Haus so plötzlich zu be-treten, daß Lycidas nicht Zeit gehabt hätte, auf einenschnellen Wink sich hinter seinen Vorhang zurückzuziehen.
Einmal kam aber doch eine Gelegenheit, wo dievornehme Schildwache nicht recht auf ihrem Posten war.Lycidas gab auf ihren Arm gestützt der Hadassah eineBeschreibung des Kampfes bei Thermopylä, währendseine Augen auf Sarah gerichtet waren, die in derNähe sitzend ihre ganze Aufmerksamkeit auf seine er-greifende Schilderung lenkte, als plötzlich Abischai,athemlos vor Erregung, in das Haus trat, ohne daßSarah sein Kommen bemerken und ihr gewohntes Signalgeben konnte. Hadassah hörte zuerst den Ton schnellerFußtritte, obwohl auch nicht eher, als bis Abischai bei-nahe die Schwelle überschritten hatte. Mit großerGeistesgegenwart warf die Wittwe einen großen ge-streiften Mantel von Ziegenhaar über Lycidas, welchensie für Judas Makkabäus für den Fall gemacht hatte,daß eine Gelegenheit sich fände, ihn dem Führer zu-kommen zu lassen. Hadassah setzte sich dann so, daß siesich zwischen ihrem Gaste und der Thür befand. DieseBewegungen waren so schnell, daß sie zu ihrer Aus-führung weniger Zeit beanspruchten, als der Bericht.
„Aber Kind, Du siehst ja so entsetzt und erschrecktaus, als ob die Syrer hinter Dir wären!" rief Abischaider Sarah zu, als er ihr entsetztes Gesicht gewahrwurde. Seine Augen blitzten triuwphirend, und seineBewegungen verriethen die höchste Aufregung, als erfortfuhr: „Ich bringe Euch Siegesnachrichten — einglorreicher Sieg ist von unserem Helden Judas Makka-bäus erfochten I Apollonius — mögen die Gräber seinerVäter beschimpft werden — Apollonius, der die Häuseram Berge Zion niederriß, um aus den Steinen der-selben Befestigungen zu machen, ist nun überwältigtworden. Der Mörder, der Bedrücker, das Werkzeugeines Tyrannen, ja, beinahe schrecklicher als der Tyrann