236
so die 10 Glasgemälde aus der Mittermeyer'schen Kunst-anstalt zu Lauingen ; dann den in origineller Weise vonHerrn Kunstmaler Johann Kaspar in Obergünzburg inOel gemalten und nach den Gesichten der gottseligen AnnaKatharina Emmerich ausgeführten, sehr werthvollen Kreuz-weg; endlich die Frescogemälde am Plafond, von demKunstmaler Osterried ausgeführt im Jahre 1859, welchedie hl. Mutter Gottes und den hl. Kirchenpatron Vitusam Throne der allerheiligsten Dreifaltigkeit als unsereFürbitter darstellen.
Im Jahre 1878 erhielt die Pfarrkirche auf derWestseite einen Anbau, ein neues Vorzeichen, unterwelchem eine Oelberggrotte aus Tuff- und Tropfsteinen,aus den Steinbrüchen zu Bayersoien errichtet wurde.Dieser Oelberg ist bereichert mit mehreren von HerrnPfarrer A. Lächle aus Jerusalem mitgebrachten Steinen.
Im Jahre 1894 wurde in nächster Nähe der Pfarr-kirche eine Lourdeskapelle mit Grotte im gothischen Stileerbaut. Die Photographie des Pfarrhauses zeigt auchdas Aeußere derselben. Bauzeichner und Bauleiter warHerr Kunstschretner und Altarbauer Joseph Kraut inBernbeuren . Herr Kraut hat sich seiner schwierigen Auf-gabe als vollkommen gewachsen gezeigt.
Die eigentliche Felsengrotte ist eine sehr gut ge-lungene Imitation der Felsengrotte in Lourdes . Einenbesonderen Schmuck derselben bildet der naturgetreuhergestellte Epheu und Rosenstrauch und die aus derAnstalt für kirchliche Kunst von Herrn Karl Port zuAugsburg gelieferten, fast lebensgroßen 4 Statuen derMadonna, der Bernadette und ihrer zwei Schwestern.
Lourdesgrotte und Pfarrkirche Rettenbach erfreuensich eines sehr starken Besuches seitens der Freundekirchlicher Kunst wie des frommen chrtstgläubigen Volkesvon nah und fern. 8.
-—-
Allerlei.
„O selig, o selig ein Bahnwärter zu sein!"ruft ein Lehrer in einer schweizerischen Zeitung aus undschreibt dann weiter: „Der unterste Bahnwärter derNordostbahn tritt seinen Dienst mit Fr. 1140 an; derLehrer im Aargau mit Fr. 900. Der Eisenbahnangestelltehat dazu Vergünstigungen wie Dienstkleider, Alterspension,Freibillets. Der Wärter kann es auf 1749 Fr. bringen,der Lehrer erhält 1200 Fr., wenn er gut arbeitet undden Leuten gefällt. Im letzteren Falle kann ihm die Ge-meinde noch eine Gratifikation gewähren, wenn sie will.Der Kondukteur steigt in den ersten fünf Jahren von2100 auf 2340 Fr., der Lokomotivheizer bleibt zwischen2280 und 2400 Fr., und der Primarlehrer im Aargau hat die Freude, nach 15jähriger Thätigkeit im Dienstedes Staates zum Wohle der Menschheit noch 100 Fr.zu seinen 1200 Fr. zu erhalten."
-»ssssics—
Zu unseren Bildern
Aomdekan Reindl f.
Eine Trauernachricht, die besonders uns Schwaben nahe-geht, hat dieser Tage schmerzliches Aufsehen hervorgerufen:Einer der eifrigsten und hervorragendsten Parlamentarier,Reichstags- und Landtagsabgeordneter Domdekan MagnuSReindl, ist in Rosenheim an Herzlähmung plötzlich gestorben, iDer Lebensgang deS uns so nahestehenden Heimgegangenen istan anderer Stelle geschildert worden. Reindl gehörte dem Vor- I
> stände der bayerischen und deutschen Centrumsfraktion an, war! im bayerischen Landtag Vorsitzender des Pctitionsausschusses,ein ebenso undankbares als dornenvolles Ehrenamt, das nebengroßer Sachkenntniß ein umfangreiches Wissen und eben soviel Geduld als Energie erfordert; er übernahm ferner das Re-ferat über den Lokalbahngesetzentwurf, an dessen Erstattung erdurch seine Krankheit verhindert wurde. Als Redner im Par-lament war Reindl besonders deshalb geschätzt, weil er, zwarin einem etwas eigenartig klingenden Dialekt, aber außer-ordentlich sachlich das jeweilige Thema behandelte. Die Ent-wicklung der Gedanken war äußerst scharf, die Logik zwingend.Persönlich war Herr Reindl als Abgeordneter außerordentlichliebenswürdig und gefällig. ImReicbStage verfocht er dieJnteressendes Volkes und der Kirche ebenso unerschrocken als im Landtage.Für die Parlamente war er eine hochgeschätzte, unermüdlicheArbeitskraft, die nicht so leicht zu ersetzen ist. Wie hoch erüberall dort geschätzt wurde, wohin ihn seine Pflicht als Seel-sorger rief, brauchen wir hier wohl nicht auseinanderzusetzen;die Liebe und Verehrung von Seiten seiner jeweiligen Pfarr-angehörigen hat sich bei den verschiedensten Gelegenheiten doku-mentirt. Nun hat der Tod, der schon von seinem Lager ge-bannt schien, ihn plötzlich dahingerafft zum großen Schmerzeall Derer, die ihm je näher gestanden sind. Gott hat demStreiter für Leine Ehre die Waffe aus der Hand genommenund ihn hcimgerusen zur ewigen Ruhe. I!. I. k.
Eine Ktorchenfamilie.
Wenn der Frühling ins Land zieht, dann bildet dasStorchcnnest anf dem Schornsteine des Rathhauses den Gegen-stand gespanntester Aufmerksamkeit für Alt und Jung imStädtchen. Ob sie wohl wiederkommen werden, die gnten,alten Bekannten, die nun schon seit einer Reihe von Jabrenim Frühjahr das Städtchen durch ihre Ankunft erfreuen? Undwie ein Lauffeuer Pflanz' sich die Kunde „Sie sind da, sie sindda!" von Mund zu Mund, wenn eines Nachmittags dasStvrchenpaar mit mächtigem Flügelschlag herbeigerauscbt kommt,mehrmals das Rathbausdach umkreist und dann sich auf demalten Standplatze niederläßt, von wo es ruhig und gravitätisch,als sei gar nichts vorgefallen, auf die Menschenkinder hinab-schaut. Mit Interesse verfolgen von Stund' an die Einwohnerdas Treiben des Storchenpaares in seiner luftigen Höhe, undes gehört zu den lokalen Ereignissen, wenn eines Morgens einhalbes Dutzend junger Störchlein ihre gelben Schnäbel zumNeste Herausstrecken. Da ist es dann rührend, zu beobachten,mit welch' unermüdlicher Sorgfalt die Storcheneltern für dieFütterung ihrer Brüt sorgen, wie sie derselben die feinstenLeckerbissen in Gestalt von Fischen, Fröschen, Schlänglein unddergleichen aus Sümpfen und Weihern herbeiholen, und wiesie dann später, wenn die Jungen flügge geworden sind, den-selben die Kunst des Fliegens beibringen, bis dann im Herbstedie ganze Storchenfamilie wieder Abschied nimmt und sich zumWinteraufenthalte dem sonnigen Süden zuwendet.
Gewitter.
Die Wolken ballen schnell sich zum Gewitter,
Und Stürme bergen sich in ihrem Schoß,
Vom Felde kehren heim die müden Schnitter,
Der Schiffersmann verläßt sein schwankend Floß.
Es blitzt, und Donner folgen mit Gekrache,
Des Himmels Wolken schütten aus ein Meer.
Stand auf der Herr von seinem Sitz zur Rache,
Weil ihn der Mensch beleidigt oft und schwer?
O nein. Er liebt die Welt, die er erschaffen,
Und er sie durch dies Ungestüm erneut,
Gar bald das wilde Tosen wird erschlaffen,
Und jedes Leben neugestärkt sich freut.
S ch i l l e n a u e r.
Altrömische Inschrift zu übersetze».
c>!» »Uz PM »»>»!>,