Ausgabe 
(21.4.1896) 33
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wenigstens etwas Erheiterung durch die Gazelle, die seineBluthunde niedergerissen hatten, zu verschaffen. EinWesen, welches, obwohl zum schwachen Geschlechte ge-hörig, kühn genug gewesen war, das Paffahfest mitzu-feiern, würde am Ende seiner Willkür genügenden Wider-stand leisten und so ihm ein kleines Vergnügen ge-währen, da gerade nichts Anderes zur Hand war. DerMonarch gab daher, nachdem er die Nutze nach derMahlzeit beendet hatte, Befehl, daß die hebräische Ge-fangene vorgeführt werde.

Der Tyrann von Syrien saß zu diesem Zwecke aufseinem elfenbeinernen Throne. Sein Fußstuhl war einliegender silberner Löwe, über seinem Haupte befand sichein goldener Baldachin. Vor dem Könige stand einprächtiger Altar, auf welchem beständig ein Feuer voreinem kleinen Bilde des Jupiter brannte.

Es war, wie man heute noch auf Münzen sehenkann, ein königlich aussehender Mann mit regelmäßigen,stark markirten Zügen, aber einer zurückgebauten Stirnund kaltem, hartem, Ausdruck. Niemand würde von ihmdie geringste Menschlichkeit erwartet haben. Antiochussah aus, wie der, der er war, ein kalter, herzloserTyrann. Zu jener Zeit konnte man ihm die schrecklicheKrankheit, welche« ihn binnen Jahresfrist zu einemGegenstände des Schreckens und des Abscheus für alle,die in seine Nähe kamen, noch nicht ansehen; eineKrankheit, so entsetzlich schmerzhaft, daß sie in sich alleMartern, die er einst seinen Opfern auferlegt hatte, zuvereinigen schien. (Fortsetzung folgt.)

--SÄ88MS-.

Der Ackerbau im heutigen Palästina.

Von Dr. Seb. Euringer, Pfarrer.

(Fortsetzung.)

Vom März (durchschnittlich 8,50 Regentage) sagendie Bauern: ustu-233.IÜ2r1 rvalniniür rvn^iiisostnk öirni stala. nur:Er ist der Vater der Erd-beben und Regengüsse der Hirte wird aber doch ohneFeuer trocken (so. an der Sonne).

Vom Juli (tainüs) orakelt man:

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tiAbli-Iuia Ü-1)<N2,d. h.:Bricht der Juli herein,

So siedet das Wasser im Trinkkrüglein?)

Was die Temperatur anlangt, so ist nach Or. Chaplin °)der Februar der kälteste Monat mit durchschnittlich 8,8°Celsius, von da steigt die durchschnittliche Temperaturbis zu 24,5° im August und sinkt dann Monat fürMonat bis zum folgenden Februar (ZvkV 1891,102).Die höchste Temperatur während der 8 Beobachtungsjahrefand am 24. Juni 1869 statt, nämlich 39,7° Celsius.Auch im Mai und September zeigt das Thermometermanchmal 37,8° C. und mehr. Die höchste innerhalb 21Jahren beobachtete Temperatur war am 28. und 30.August 1881, aber nur für einige Stunden, 44,4° Celsius.Die kälteste von Chaplin beobachtete Temperatur war 4° Celsius am 20. Januar 1864. Auch im Februarund Oktober, sogar einmal im April wurden Tempera-turen von 0 bis 1,1° C. beobachtet. In Jerusalem ge-friert es jedes Jahr durchschnittlich in 56 Nächten,aber das Eis hält sich nicht den Tag über.

') Diese Bauernregeln sind veröffentlicht von Klein inWkV 1881 S. 73.

Chaplin hat bei seinen Teinperaturbcobachtungen nur8 Jahre, 18641871, in Betracht gezogen.

Betreffs der Winde ist zu erwähnen, daß der Nord-wind kalt, der Südwind warm, der Ostwind trocken, derWestwind feucht ist. Der heiße Sirokko ist eine Landplage.

Sobald im Oktober, November, oft aber auch erstim Dezember eine gehörige Quantität Regen gefallen istund der in Folge der langen Sommerhitze und Trocken-heit ausgebrannte und zerrissene Erdboden gehörig erweichtist, geht der Fellache an die Bestellung der Winter-saat (s^ststurvi), nämlich Gerste, Weizen, Linsen rc.Das Erdreich wird mit dem äußerst einfachen Pflug um-gebrochen, eigentlich nur aufgekratzt, denn die Furche (tsim)ist nur 1 äm tief. Die Saat wird zuerst ausgestreutund dann umgepflügt. Tief eingewurzeltes Dorngesträuchwird umgangen oder mit der Hacke nachgeholfen. Manch-mal wird auch trocken gesät, d. h. ohne vorhergegangenenRegen. Kommt dann bald der Regen, dann sproßt dieSaat schnell auf und gibt eine frühe Ernte. Bleibt derRegen lange aus, so ist selbstverständlich die Saat ver-loren. Trocken säen kann man aber nur bei leichtemBoden, der auch, ohne vorher aufgeweicht zu sein, be-arbeitet werden kann. Die Bestellung der Wintersaatdauert manchmal bis in den Januar hinein. Die Arbeitgeht sehr langsam vor sich, zumal die Leute oft mit ihremVieh 23 Stunden weit zu gehen haben, bis sie anihren Aeckern ankommen, und bis Sonnenuntergang wiederzu Hause sein wollen?)

Die Sommersaat (säst) besteht hauptsächlich ausäura. (Hirse) und simsiur (Sesam ), sie wird erst nachFertigstellung der Wintersaat in Angriff genommen. Jetiefer der Regen während des Winters in die Erde ein-gedrungen ist, desto reichlicher fällt die Sommerernte aus,da für die Sommermonate das Getreide nur auf die imBoden aufgespeicherte Feuchtigkeit angewiesen ist, höchstensist noch auf Nachtthaue zu rechnen. Tabak, Baumwolle,Melonen und Gurken gehören zur Sommerfrucht?°)

Ueber die wichtigsten Nutzpflanzen des hl. Landeshat Dr. Leo Anderlind, ein ausgezeichneter Kenner derlandwirthschaftlichen Verhältnisse, einen sehr verdienstvollenAufsatz in der Zeitschrift des deutschen Palästinavereins(3VUV) 1886, S. 152, veröffentlicht. Dieser Ab-handlung entnehme ich folgendes.

Die hauptsächlichsten im hl. Lande kultivirten Ge-treidearten sind folgende:

7^.. Winterfrüchte: 1. Weizen (Turnst). Derselbeist die verbreitetste und wichtigste Feldfrucht und erlangtin einigen Gegenden Syriens eine anderwärts kaum vor-kommende Güte, welche ihn besonders zur Makkaroni-fabrikation geeignet macht. Als bester Weizen gilt der inder Nähe des alten Sichem, des jetzigen NLbulus wachsende,Hand Gottes" genannte; ferner der Hauranweizen undjener der Belka-Ebene östlich vom Jordan. Zwischen Taborund dem See Gencsareth mächst der durch Wasserarmuth,Härte und Schwere ausgezeichnete Daleikcweizen, weiter-hin ist der langkörvige Weizen der Esdrelon-Ebene be-rühmt; von letzterem behauptet man, daß aus ihm be-reitetes Brod am längsten feucht bleibe.

Viel Weizen wird von italienischen Getreidehändlerngekauft, um zur Makkaronibereitung verwendet zu werden.Die Araber gebrauchen den Weizen außer zur Brodbereitungnoch zu Verschiedenem, z. B. sie rösten die noch unreifenWeizenähren und verspeisen dann die Körner als Nasch-

«) 20?V 1881 x. 73 und 74 (Klein).") Ebendaselbst Seite 74.