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werk, wie es einst die Jsraeliten auch thaten (Josua 5,11; Ruth 2, 14; Sam. (Lax.) I, 17,17). Der Weizen-schrot ferner ist eines der beliebtesten Nahrungsmittel derarabischen Bevölkerung. Der zu diesem Zweck bestimmteWeizen wird ganz weich gekocht, dann getrocknet, aufeiner Handmühle zerrissen und mit Linsen zusammen oderauch ohne diese gekocht. In letzterem Falle rührt manden Schrot nicht selten zu einem Mus. Dr. Anderlindlobt den Weizenschrot als ziemlich leicht verdaulich, sehrnahrhaft, und wünscht dessen Aufnahme in den europä-ischen Küchenzettel.
2. Gerste (oolralr). Sie wird nur als Viehfutterverwendet, nie zur Brodbereitung, da es Hitze und Leber-Anschwellung verursachen soll. Die syrische Gerste ist imAllgemeinen von geringer Güte; als die schwerste Varietätgilt die unterhalb des See's Genesareth im Jordanthalewachsende. Eine Ausfuhr nach Europa findet nicht statt,hie und da aber nach Nordafrika .
Bohnen, Kamcllinsen, Speiselinsen, Kichererbsen,Wolfsbohnen werden ebenfallsangebaut.
Kartoffeln, Roggen und Haferwerden nur von den europäischenKolonisten angebaut. Hafer istbei Fütterung der Thiere inwarmen Ländern sehr vorsichtigzu verwenden, weil durch dieVerdauung desselben zu vielWärme erzeugt wird.
L. Sommer-Früchte. 1.
Kafferkorn oderSorghum(ärura),in Tirol „Sirch", erreicht angünstigen Stellen die Höhe einesReiters. Diese Getreideart ist imhl. Land sehr verbreitet. DieKörner werden geröstet oder inEssig eingemacht verspeist, häufigauch zu Brod verwendet. Es wirdauch nach Europa und Deutsch-land zum Zwecke der Brannt-weinbereitung exportirt.
2. Sesam (sinasina). Es wirdfast nur die weiße Varietät an-gepflanzt. Er gedeiht besonders im Philtsterlande, beiJaffa und im Hauran. Man verwendet seine Körner, wiein Deutschland den Mohnsamen, welchem er auch an Ge-schmack gleichkommt, zum Bestreuen von Backwerk und zurBereitung von Brenn- und Speiseöl. Zu letzterem Zweckwird Sesam nach Frankreich ausgeführt. Sesamöl istfeiner als Olivenöl.
3. Mais (äura) wird, da er Bewässerung ver-langt, nur in Nordsyrien und von deutschen Kolonistenin Haifa und Sarona angepflanzt. Reif und halbreifdient er als Kühfutter.
Klee wird nur von Europäern gebaut, selten trifftman Wicke, häufiger Moorhirse (milrnio). Zuckerrohrwird nur selten mehr gepflanzt und wird nicht zur Zucker-bereitung, sondern zum Kauen verwendet. Man kannden Arabern keine größere Freude bereiten, als ihnenZuckerrohr zu schenken. Es ist ein durststillendes, ge-haltreiches und gesundes Nahrungsmittel; dem Kauendesselben verdanken die Araber ihre schneeweißen Zähne.
Ferner wird noch Tabak und sehr wenig Baum-wolle gebaut.
Was die Frucht folge anlangt, so ist zu be-merken: Auf nicht bewässerten Feldern, und dasist fast im ganzen heiligen Lande der Fall, baut manin zweijährigem Umlaufe das erste Jahr Winterfrüchte,Weizen, Gerste, Ackerbohnen rc., das zweite Jahr Som-merfrüchte, Sesam, Kafferkorn, Moorhtrse rc. SolcheFelder liefern jährlich gewöhnlich nur eine Ernte. Diebewässerten Felder bestellt man in der ersten Hälfte desJahres mit Winterfrüchten, in der zweiten Hälfte mitSommerfrüchten, erhält also zwei Ernten alljährlich.(Anderltnd, idiäsna S. 23.)
Bei der Getreideausfuhr erhebt die Zollbehördeeinen Zoll von 1 Proc. des Zollwerthes. Um diesenZollwerth zu erhalten, zieht man vom Schätzungswerthe10 Proc. ab. Also hat eine Quantität Weizen, derenSchätzungswerth — 100 Mk. ist, einen Zollwerth von90 Mk., muß also 90 Pf. Ausfuhrzoll zahlen.
Wir kommen nun zu den Ackergeräthen. Dieselbenhaben ziemlich eingehende Besprechung erfahren in 2V?V1889, S. 157—166 „Derarabische Pflug" vonSchumacher;2l)k V 1886, S.24 u. ff. vonAnderlind; 1891, 1—7
„Die Siebe" von Wetzstein; fernergehört hieher Schegg: ArchäologieI. S. 141 und ff. Diesen Ab-handlungen sind die nachstehen-den Notizen über die Werkzeugeder Fellachen entnommen.
BetBeginn der Saatzeit müssendie Pflüge in gutem Stand sein;daher zieht, sobald die Saatzeitherannaht, der muallim, derMeister im Anfertigen von Acker-geräthen, in den Dörfern umher,„mit einem krummen Beil, mitder denkbar schlechtesten Sägeund nur selten mit einem Hobelversehen", wie Schumacher sichausdrückt. Er setzt sich imHofe odervor dem Hause des Dorfschech(Bürgermeister) nieder, und baldwerden die reparaturbedürftigenPflüge von den Bewohnern herbeigeschleppt. Währendder Meister arbeitet, sitzen die Fellachen im Kreise umihn herum und betrachten ihn ehrfurchtsvoll, wie er denneuen "a.uä mit dem Beile bearbeitet, ihn dreht undwendet, mit einem Auge vifirt, mit Finger und Spannedie richtigen Maße bestimmt. Ist ein Pflug neugefertigoder reparirt, so wird ein anderer vorgenommen undzuerst um den Arbeitspreis gefeilscht, was oft langewährt. Ist alles fertig, so nimmt jeder seinen Pflugauf die Schulter und geht nach Hause. (SchumacherS. 165.)
Der arabische Pflug der eingeborenen Bauern (dieEuropäer haben natürlich bessere Ackergeräthe) ist sehrprimitiv. Das Pfluggestell ist aus Eichenholz, die Pflug-schar aus Schmiedeisen mit wenig angewählter Spitze.Die Spitze der Pflugschar ist 20—23 om. lang, dieganze Pflugschar (oilrlci) 60—70 ona. lang und 30 om.an den Flügelenden breit. Das Pfluggestell mißt vomEnde des Pflugbaums bis zur Spitze der Deichsel 2,50 na.,die Handhabe ist bei der Arbeit 80 ona. vom Bodenentfernt.
k. Franz Halller 8. 4.