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Mit der Deichsel wird das Joch (nir) durch einenStrick oder ein Bastgeflecht, das durch Nagel an Jochund Deichsel festgehalten wird, verbunden. Das Jochist aus Pinien- (Fohren-) Holz und 1,30 w. lang. Anbeiden Enden des Joches sind die eigentlichen Jochhakeneingestemmt, welche mittelst eines Strickes um den Halsder Ochsen gebunden werden; sie sind aus zähem Eichen-holz verfertigt.
Um die Pflugschar von anhängenden Schollen zubefreien und um die Ochsen anzutreiben, dient ein 2,50Meter langer, eichener Stab, dessen oberer Theil einenspitzen Nagel, dessen unterer ein kleines Eisenschäufelchenträgt. Es ist dies der schon in der Bibel genannteOchsenstachel; die Araber heißen ihn mirmas.
Ist der Boden mittelst des Pfluges gelockert, sostreut der Sämann die Körner auf denselben, indem erje ein Quantum in seinen Mantel oder in sein weitesHemd einbindet, aus dem er die Saat bequem ent-nehmen kann. Will man Kafferkorn oder Sesam säen,die möglichst regelmäßig und nicht so dicht wie der Weizengestreut werden müssen, so bedient man sich eines trichter-förmigen Rohres aus Blech, das 80 am. lang ist, obeneine Oeffnung von 15 om., unten eine solche von 3 om.Weite hat. In dieses läßt der Sämann die Körnerlangsam fallen. Dieses Rohr ist neben der Handhabedes Pfluges angebracht. (Fortsetzung folgt.)
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Allerlei.
Fehlgerathen und doch getroffen. AmHofe Friedrich Wilhelm's III. wurden öfters Gesell-schaftsspiele gemacht. Eines der beliebtesten dieser Spielebestand darin, daß eine der Damen durch irgend eineGeste oder eine Stellung ein Wort zu veranschaulichenhatte, dessen Sinn dann ihr Tischnachbar errathen mußte.Als die Reihe an eine nicht besonders beliebte, aber sehreitle und gefallsüchtige Hofdame kam, nahm diese einensilbernen Löffel zur Hand und schaute denselben unver-wandt an. Die Auflösung sollte „Silberblick" heißen,aber weder der Partner der Dame noch sonst Jemandvermochte das Räthsel zu deuten. Endlich schien derKronprinz (der spätere König Friedrich Wilhelm IV. )die Auflösung gefunden zu haben, denn er flüsterte demrathlosen Herrn, der vergebens seinen Kopf anstrengte,etwas in's Ohr. Plötzlich verbreitete sich ein freudigesLächeln über dessen Züge, und laut ruft er als Lösungdas Wort: „Löffelgansl"
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Zu unseren BildernDer Duppenmörder.
O Graust Er mordet allhierDie Puppe voller RachbegierUnd schlug die Schwester in's GesichtDer arge, kleine Bösewicht.
Die Schwester, ein gar sanftes Kind,
Besänftigt die Mama geschwind,
Doch schenkt sie seine Strafe nichtDem argen, kleinen Bösewicht.
In der Genesung.
Auf dem Stuhl im Obstgarten, den geschwächten Körperin das Kissen gelehnt, das ihr die sorgsame Hand des altenGroßmütterchens zurechtgcrichtet hat, sitzt ein bleiches, ab-gemagertes Menschenkind, das müden Auges in die ringsum
beginnende Frühlingsherrlichkeit blickt. Nach monatelanger,schwerer Krankheit ist es heute zum ersten Male, daß dasjunge Mädchen wieder unter Gottes freien Himmel tretendurfte, daß es die Vöglein zwitschern hören und balsamischeFrühlingsluft einathmen kann. Noch niemals ist ihr dieGottes-Natur so schön erschienen wie heute, noch niemalshat so heißes Dankgefühl für den Schöpfer all der Herrlichkeitihr Herz erfüllt. Nur Muth und Gottvertrauen, du armesMenschenkind; der da rings um dich neues Leben erstehenläßt, der wird auch dir bald wieder vollständige Gesundheitschenken! -_
I>. Franz Z>. Hattler, 8. ck.
Unter den schriftstellerisch thätigen Mitgliedern der Gesell-schaft Jesu in Oesterreich nimmt ohne Zweifel ? Franz S.Hattler einen der ersten Plätze ein. Geboren am 11. Sept.1829 zu Anras im Pusterthale als der Sohn eines kaiserlichenForstbeamten, machte er seine Gymnasialstudien bei den Fran-ziskanern in Bozcn und trat 1852 in die Gesellschaft Jesu ein.Im Jahre 1862 wurde er nach Kalksburg bei Wien berufen,wo er dann in der von seinem Orden gegründeten Lehr- undErziehungsanstalt durch fast 20 Jahre wirkte. In die Zeit derWirksamkeit in Kalksburg fällt auch der Beginn der schrift-stellerischen Thätigkeit Hattler's . Im Jahre 1865 wurde der„Sendbote des göttlichen Herzens Jesu" ins Leben gerufen,dessen Mitarbeiter er bis zur Stunde blieb, und so ist es er-klärlich, warum die meisten seiner Schriften den Zweck desSendboten verfolgen, die Kenntniß und Verehrung des gott -menschlichen Herzens Jesu zu verbreiten. ?. Hattler ist seinLeben lang nie von fester Gesundheit gewesen (er leidet annervösen Herz- und Kopfschmerzen); er gab daher 1882 ferneStelle als Lehrer und Erzieher auf und übernahm die Redak-tion des „Sendboten des göttlichen Herzens Jesu" in Inns-bruck . Da aber die Stadtlust wegen des lästigen Siroco sei-ner geschwächten Gesundheit nicht zuträglich war, so bezog erden zum Jnnsbrucker Kollegium gehörigen Zenzerhof an derBrennerbahn , anderthalb Stunden von der Landeshauptstadtentfernt in romantischer Lage und Einsamkeit, wo er sich be-reits durch zehn Jahre aufhält. Wegen seiner angegriffenenGesundheit mußte er, indem er Mitarbeiter blieb, 1886 die Re-daktion des „Sendboten" wieder aufgeben, die er in einer Zeitgeführt hatte, in welcher die Zeitschrift die gröbsten und un-verdientesten Angriffe erfahren mußte. Durch den „Sendboten"war und ist ?. Hattler fast ein Weltapostel, denn die Zeitschriftzählt jetzt 29,000 Abonnenten und kommt durch die Jesuiten-missionen in alle fünf Welttheile. Die Schriften des ?. Hattlersind ungemein erbaulicher Natur, seine Schreibweise ist überallvon echt Tyroler Innigkeit und Sinnigkeit, namentlich auchverbunden mit einem geweckten Sinne für die Schönheiten derNatur. Mitten in ernste und tiefe Mahnungen Angeflochten,liest man viele Geschichten, viele Gleichnisse, viele meist natür-lich und ungezwungen sich ergebende Beziehungen auf dasMenschenleben in Haus und Hof, in Feld und Wald, auf Bergenund in Thälern, in Schlössern und Hütten, alles voll geist-licher Deutungen, aber stets klar und verständlich, dabei durchgemüthlichen Humor gewürzt. Der Stil ist meisterhaft zu nen-nen, so daß man vielfach ein ästhetisches Kunstwerk vor sichhat, das aber doch naiv und einfältig ist im schönsten Sinnedes Wortes.
Stolz in die Welt hinaus strampelt auf blitzblankem Zwei-rad der Jüngling,
Still mit verbog'nem Gestell schiebt er sich Abends nach Haus.
Consultirt dann sofort den geschicktesten Wundarzt im Umkreis,Der dem gequetschten Gelenk geben soll kühle Compreß.
In die mechanische Werkstatt hin schickt er das schwerkranke
Stahlroß,
Daß es zu neuer Gefahr trage den muthigen Mann.
Besser, o Mensch, hättest du wohl benützt einer Droschke Be-
quemheit,
Sicherer bringt sie zurück dich als das tückische Rad.
Auflösung der Altrömischen Inschrift in Nr. 31:(Korallenarmband Odoru8 — Chor, omnidn8 — allen,pauper — arm, volmusn — Band).
--EZÄ-