Ausgabe 
(24.4.1896) 34
Seite
253
 
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AL3S.

ZreiiLkS, den 21. April

189b.

Für die Redaction verantwortlich: vr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag VeS Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Borbesttzer vr. Max Huttler ).

Zudas Makkaöäus«

Historischer Roman von A. L. O. E.

Frei nach dem Englischen von D. Colonius.

(Fortsetzung.)

21. Kapitel.

DeS Mädchens Prüfung.

Vor dieser glänzenden Versammlung vor diesemschrecklichen König stand, umgeben von den Wachen, einzitterndes Mädchen, welches ihren leinenen Schleierimmer dichter und dichter um ihre leichte Gestalt undihr gebeugtes Haupt hüllte.

Reißt ihr den Schleier ab," sagte der König.Der Befehl wurde augenblicklich ausgeführt. Und wieaus der Finsterniß plötzlich an's Tageslicht gebracht, sobrach die Schrecken erregende Pracht um sie her überSarah herein. Ihre außerordentliche Schönheit, welchezum Vorschein kam, als ihr Antlitz bei dem Anblick sovieler auf sie gerichteter Blicke dunkelroth, plötzlich aberwieder vor Furcht leichenblaß wurde, verursachte einunwillkürliches Gewürme! der Bewunderung.

Keine herkulische Aufgabe, diese Weidenruthe zubiegen," bemerkte Antiochus, dessen hartes Antlitz sichselbst zu einem Grinsen verzog.Bringt sie nähert"Die Wachen gehorchten.

Da ist der Altar des Jupiter Olympius der-jenige der Venus würde für eine so schöne Anbeterinpassender gewesen sein," sagte Antiochus mit einem Schwur,aber es ist gleich, welche Gottheit die Huldigungempfängt, wenn sie nur richtig dargebracht wird.Mädchen, wirf einige Körner jenes Weihrauches in dieFlammen, beuge Deine Kniee und bete an, und ich ver-spreche Dir," fügte der König mit Lachen hinzu, «einenstattlichen Gemahl, Perlen und Goldschmuck, kurz alles,was ein junges Mädchen sich nur wünschen kann."

Sarah bewegte sich nicht, sie schien die Worte desKönigs nicht einmal gehört zu haben, und ihre Lippenbewegten sich in ängstlichem Gebet. Antiochus wieder-holte ernsthaft seinen Befehl, Weihrauch zu opfern.Sarah fuhr in stillem Gebet fort:O, mein Gott,hilf mir, laß mich nicht über meine Kraft versuchtwerden!" Während ihr zu Tode geängstigtes Herzbetete, schüttelte sie als einzige Antwort leise gebeugtdas Haupt.

Was, noch immer still?" rief Antiochus unge-duldig.Weißt Du nicht, kleine Stumme, daß meine

Arbeiter hier Wunder wirken können?" dabei beutete erauf einige schwarze afrikanische Sklaven, welche dasScharfrichteramt verrichteten.Jene dort sind geschicktgenug, auch den geschlossensten Lippen gellende Töne zuentlocken!"

Voll Schrecken erhob Sarah ihre dunklen Augenund blickte wild umher, indem sie vergeblich hoffte,jemand zu erspähen, von dem sie hätte Schutz oderMitleid erwarten können, vielleicht von Lycidas selbst.Aber da gab es kein einziges Antlitz unter der dicht-gedrängten Schaar der Höflinge, welches etwas anderesals kalte Gleichgiltigkeit, wenn nicht gar grausames Ver-gnügen an ihren Leiden oder ihrer Erniedrigung gezeigthätte, außer vielleicht dem des Pollux selbst.

Sarah's Auge haftete für einen Augenblick miteinem flehenden Blick auf seinem Gesicht, der auch einhärteres Herz als das seine hätte rühren können.

Ich ertrage kein längeres Zögern!" rief Antiochus,wenn Dir Dein Leben lieb ist, so opfere augenblicklichmeinem Gott!"

Ich kann nicht, ich darf nicht!" rief dasjunge Mädchen; wenn auch der Ton ihrer Worte nurleise war, so waren dieselben bei der tiefen Stille, diein dem Marmorsäule herrschte, deutlich zu hören. DieAntwort überraschte Antiochus und seine Höflinge.

Ha, da ist schließlich doch einiger Widerstand inder Weidenruthe!" rief der König, halb belustigt, halbärgerlich.Ich wette, zähe Aeste wachsen auf demBaume, welchem jener schlanke Zweig entsprossen ist.Nenne mir, schöne Widerspenstige, Deinen Namen, Ver-Wandschaft und Geburtsort," fuhr er fort.

Sarah war fest entschlossen, keinen Freund zu ver-rathen, vor allem aber wollte sie nicht den Sturm derVerfolgung auf das Hans der Hadassah einbrechenlassen. Mitten in allem diesem Elend, das das Mädchenzu erdulden hatte, vergaß sie keinen Augenblick diesenEntschluß.

Mein Name ist' Sarah, ich bin in Bethsura ge-boren, mein Vater wurde Abner genannt," stammeltedie junge Gefangene hervor.

Pollux fuhr unwillkürlich zusammen und keucht,,als ob jedes Wort wie eine glühende Kohle auf seinebloße Brust gefallen wäre. Es war ein Glück für ihn,daß in diesem Augenblick aller Augen, selbst die desLysimachus , auf Sarah gerichtet waren.

Lebt Dein Vater noch?" fragte der König, welcher