Ausgabe 
(28.4.1896) 35
Seite
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Der Lcbensgarig eines äußerst bescheidenen, edlen Man-nes doch soll geschildert sein, der durch seinen heilig-mäßigen Lebenswandel und durch wahrhaft apostolischenSeelen-Eifer, durch seine Askese und Wohlthätigkeit imengsten stillen Kreise seines segensreichsten Wirkens, alsauch in weiteren Kreisen die größte Verehrung undHochachtung genoß; dessen Name heute noch in Elchingen und dessen weiter Umgebung mit Ehrfurcht genannt undverehrt wird. k. I. Edelmann wurde geboren den 10. Okt.1757 zu Unter-Elchingen, einem damals dem ReichsstifteSalmansweiler angehörigen Dorfe. Er erhielt in derheiligen Taufe den Namen Joseph und genoß eine sehrgute Erziehung. Seine Eltern, fromme und schlichteBauersleute, hielten es für ihre heiligste Pflicht, ihreKinder in der Furcht Gottes zu erziehen. Besonderswird von seinem Vater erzählt, daß er unverzüglich dieArbeit unterbrach, sobald das Zeichen zur heiligen Messegegeben wurde, und sich anschickte, dieselbe anzuhören.

Der ungefähr 9jährige Knabe wurde daher in diemit dem Kloster Ober-Elchingen verbundene Studien-Anstalt geschickt und besuchte zunächst die unterenKlassen derselben, welche man damals Jnferiora nannte.Der junge Student mußte nun ungefähr täglich zwei-mal (vor- und nachmittags) je eine halbe Stunde Wegeshin- und zurückgehen. (Unter-Elchingen liegt am Fußejenes Höhenzuges, auf welchem Ober-Elchingen liegt.)Dabei versäumte er niemals, vor Beginn des Unterrichtsdie Kloster-Kirche bezw. die heilige Messe zu besuchen.Er erwarb sich die Zufriedenheit und Zuneigung seinerLehrer; besonders war ihm sein Professor k. Victoriansehr wohl geneigt.

Dennoch geschah es, daß dem jungen Edelmanndas Studieren einmal geradezu entleiden wollte, was erseinen Eltern keineswegs verhehlte. Sein Stiefvater,ein wackerer, dabei resoluter und etwas derber Mann,war indeß nicht in Verlegenheit, was nun zu beginnen

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Der Kreml in Moskau mit der KrSnungskirche.

Josephs Eltern waren aber auch bestrebt, aus ihrenKindern brauchbare Menschen zu machen; sie hieltendeshalb viel auf fleißigen Schulbesuch und auf körper-liche Beschäftigung. Bei der guten Erziehungsart, welche derkleine Joseph Edelmann im elterlichen Hause genoß, wares daher kein Wunder, daß sich derselbe durch Sittsam-keit, Gehorsam, Frömmigkeit und Fleiß vor anderenKindern seines heimathlichen Dorfes auszeichnete. Dabeiübte sein verehrungswürdiger Pfarrer Andreas Holz,einem zweiten Franz von Sales gleich, einen gar glück-lichen Einfluß auf die geistige Entwicklung des talent-vollen Knaben aus. Dieser fromme, einsichtsvolle Pfarrer(später Drcan des nun aufgelösten Landkapitels Elchingen )sah voraus, daß die Kirche Gottes von diesem gutenKnaben, in dessen Seele so schöne Talente verborgenlagen, einst vielen Nutzen erhalten könnte. Daher gaber den Eltern, die wohlbemittelt waren, den Rath,ihren Sohn Joseph studieren zu lassen, wozu sie mitFreuden ihre Zustimmung ertheilten.

sei. Er gab dem (vom Strike-Fieber etwas ergriffenen)jungen Studenten die Mistgabel in die Hand und sprachmit aller Entschiedenheit:Entweder recht fortstudiert,oder dahier recht gearbeitet!" Das machte auf denjungen Edelmann tiefen Eindruck; er legte die verhängniß-volle Gabel beiseite, entschloß sich allen Ernstes, dasStudium ernstlich wieder fortzusetzen und that dies mitbestem Erfolg.

Nachdem Joseph Edelmann, mit den besten Zeug-nissen ausgerüstet und mit verschiedenen Preisen (Preis-büchern) beehrt, seine Gymnasialstudien zu Ober-Elchingenvollendet hatte, verfügte er sich im Jahre 1777 nachDillingen .

Dort hörte Edelmann an der von Jesuiten geleitetenUniversität die philosophischen Fächer mit großem Fleißund bestem Erfolg. Auch gewann er während seinesAufenthaltes in Dillingen den später als theologischenSchriftsteller berühmt gewordenen Decan Königsdorferzum vertrautesten Freunde. Mit dem ersten akademischen