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gestern Abends Bauernfang an Quelle studirt, könnenExamen machen, brauchen gar nicht weiter zu arbeiten.Ihr liebenswürdiger Begleiter, Gauner in Folio, hat Siegewarnt vor Spiel, hat selbst aber mehrmals Pique-Buben richtig herausgefischt und gewonnen, dann sindSie selbst in Falle gegangen und haben richtig Alles ver-loren. Weiß Alles, als ob dabei gewesen wäre. Sindganz gemeinen Bauernfängern auf den Leim gegangen,brauchen sich gar nicht weiter in Berlin zu bemühen."Und der Polizei-Präsident lachte aus vollem Halse, wäh-rend der unglückselige Besucher dasaß und schier verzweifelte.
„Wieviel haben Ihnen die Banditen denn abge-knöpft?" fragte endlich der Polizei-Präsident, um wieder,wie es sich für die ganze Scenerie ziemte, das Praktischezu berühren.
„Meine ganze Baarschaft", jammerte der Bürger-meister, „dreihundert Mark."
„Freuen Sie sich, daß es nicht mehr ist", war dieganze Antwort, die den Armen trösten sollte. „WerdeIhnen gleich die Summe überweisen lassen."
Der Polizei-Chef klingelte, gab dem Bürgermeistereine Anweisung und ließ ihn von dem eintretenden Stuppkezur Kasse führen. Dann gab er ihm die Hand zum Ab-schied und sagte ihm dabei: „Hätten Unterricht billigehaben können, sparen aber jetzt Herumlaufen mit meinemSchallow. Gehen Sie in Ihr Hotel, schlafen Aerger aus,gehen Abends nicht mit liebenswürdigem älteren Herrnzum Essen mit Musik und fahren morgen nach Schwtesen.Grüßen Sie Schwtesen. 'Morgeni"
Der Bürgermeister von Schwiesen war fast zuThränen gerührt, als er dem Polizei-Präsidenten vonBerlin die Hand drückte. Dann blickte er ihn bewunderndan und sagte: „Sie wird kein Bauernfänger über's Ohrhauen!"
Der Präsident lächelte geschmeichelt mit amtlicherFreundlichkeit und ließ sich, als der Bürgermeister fort-gegangen war, seinen Schallow kommen, um ihm dastragikomische Abenteuer des armen Schwiesener Bürger-meisters zu erzählen.
Beide lachten herzlich dabei.
(Schluß folgt.)
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Allerlei.
Die gesammten Schulden der 20 größtenStaaten Europas betragen 116600 MillionenFranc, was bet einer Gesammteinwohnerzahl von366425 790 Einwohnern durchschnittlich 320 Francs proKopf ausmacht. Auf den einzelnen Bewohner der ver-schiedenen Nationen gerechnet, stellt sich folgende Reihen-folge heraus: Es kommen in Portugal 794, Frankreich 677, England 529, Niederland 480, Italien 417,Oesterreich 364, Belgien 350, Spanien 349, Griechen-^land 334, Deutschland 274, Rumänien 192, Rußland146, Serbien 143, Dänemark und Türkei je 137, Nor-wegen 87, Schweden 78, Bulgarien 65, Finnland 31und in der Schweiz 25 Francs Staatsschulden auf denKopf der betreffenden Bevölkerung. Aus dieser Zusammen-stellung ist zu ersehen, so schreibt das Patent- undtechnische Bureau von Richard Lüders in Görlitz , daßdas kleine Portugal das am meisten und die Schweiz das am wenigsten verschuldete Land ist, während unserdeutsches Vaterland, das erst an zehnter Stelle steht,wie immer die goldene Mitte hält.
Ganz einfach. Dame: „Sagen Sie, Herr Doktor,ich leide so sehr an Gedächtnißschwäche — was könnenSie mir dagegen empfehlen?" — Doktor: „Hm —einne Bleistift und ein Notizbuch, gnädige Frau!"
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Zu unseren Bildern
Freiherr Felix v. Koe.
Am Pfingstmontag Nachmittag verschied in Räkelwitz inSachsen bet seiner Schwester, der Gräfin von Hoensbroch , einerder bekanntesten Adeligen aus dem Rheinland, neben dem ver-storbenen Freihcrrn von Schorlemer-Alst einer der einfluß-reichsten Männer unter den katholischen Bauern Nordwest-Deutschlands, Freiherr von Loö-Terporten. Der Ver-storbene war geboren am 23. Januar 1825, absolvirte ein vier-jähriges Universitätsstudium und diente ats Lieutenant im 7.Ulanen-Rcgiment 1848—1851. Von 1859—1867 war er Land-rath des Kreises Eleve. Dem Reichstag gehörte er an von 1867bis 1872, dem Landtage von 1870—1876 und zum zweitenMale von 1890 bis zu seinem Tode. Während des Kultur-kampfes errang sich Freiherr v. Los so hohe Verdienste, daßihm Papst Pius IX. den Titel eines päpstlichen Grafen ver-lieh. Als Gründer des rheinischen Bauernvereins trat er inhervorragender Weise für die Bauern ein und brachte seinenVerein zu hoher Blüthe. In letzter Zeit brachten die ausgeprägtagrarischen Strömungen den Verstorbenen in einen gewissenGegensatz zu anderen katholischen Kreisen im Rheinland. In-dessen wäre es eine Beleidigung für Frciherrn v. Loö, wennman ihn irgendwie in Vergleich stellen wollte mit so manchenhöchst zweifelhaften Gerngroßen, wie sie namentlich in Bayern heutzutage als Bauernfreunde auftauchen. Freiherr v. Los warein Edelmann von makellosem Charakter und ein treuer Sohnder katholischen Kirche . L. I. ?.
In die Well hinaus.
Kein Freundesblick sucht sie zu halten,
Kein Vaterhaus ruft sie zurück:
Mit jener stillen, guten AltenBegrub sie all ihr Hcimathsglück.Blaudämmernd liegt vor ihr die Ferne,Von Frühlingssonnenglanz erhellt:
Ein reines Herz und Gottes Sterne,
Sonst blieb ihr nichts auf dieser Welt.
Was wird die karge Mutter gebenDem fremden, glückverlass'nen Gast?
Was bietet ihr das harte Leben,
Das rauh der Armuth Kinder faßt?
An welchen Strand trägt sie die Welle?Wird Harm und Noth ihr Schicksal sein?Ruft sie von gastlich trauter SchwelleEin holdes Glück zu sich herein?
Wer sagt es ihr? Mit mächt'gem BrausenNaht jetzt der Zug dem kleinen Ort.
Schrill tönt sein Pfiff: die Räder sausenUnd tragen sie zum fernen Port.
Der Sturm faßt eine bleiche RoseUnd führt sie durch die Lande weit —
O hielten freundlich sanfte LooseEin stilles Eden ihr bereit!
Siegesbewußt.
Es ist eine bekannte Thatsache, daß die Kinder schon vonfrühester Jugend auf den Karten ein großes Interesse entgegen-bringen. Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgen sie dem Spieleder Alten, um rhnen abzugucken, wie es gemacht wird, undhernach die gewonnenen Kenntnisse in eigenem Spiele zu ver-werthen. Der Franz! hat längst alle Vortheile und Schlichelos, und mit überlegenem Lächeln schaut er seinen drei Ge-schwistern zu, die sich den Kopf darüber zerbrechen, wie sie ihmam besten beikommen könnten. Doch da ist alle Mühe umsonst.Wenn er sich seines Sieges nicht so sicher bewußt wäre undseine Gegner nicht so gut kennen würde, würde er gewiß nichtdulden, daß sie zu dreien gegen ihn allein zu Felde ziehen.
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