Ausgabe 
(9.6.1896) 48
Seite
366
 
Einzelbild herunterladen

366

großem, weißen Vollbart. Er hatte eine schöne, jungeDame, wahrscheinlich seine Tochter oder seine Enkelin,bei sich, und beide fuhren in einem Wagen davon."

(Schluß folgt.)

-

Bertoldsheim .

(Mit Illustrationen. ;

(Auszug aus der Beschreibung von Bertoldsheim in dem Neu-burger Collektaneen-Blatt von 1866 und 1867.)

Zwischen den zwei merklich heraustretenden, felsigenHöhenpunkten bei Marxhetm mit der Burgruine Lechs-gemünd und dem Antoniusberge bei Stepperg , fast in derMitte, liegt das Pfarrdorf und der Rittersitz Bertolds-hetm, 3 Stunden westlich von Neuburg und 3 Stundenöstlich von Monheim entfernt, auf einer gegen die Donau hervortretenden Anhöhe eines Hügelrandes, der eine Fort-setzung des schwäbisch-fränkischen Juras ist.

Ist das liebe Donaugelände ohnehin von Ulm bis

Ortedie Bertoldsheimer" sich nannte. Der erste urkund-lich Erscheinende aus diesem Geschlechte ist Reinbot vonBerchtoldsheim, der 1130 bei Verleihung des SteinhofeSin Pöttmes durch die Aebtisstn Tutta in Monheim anOtto Ritter von Werd als Zeuge vorkommt.

Im Jahre 1260 erscheint der letzte dieses Geschlechtes,ein Siegfried von Pertelzheim; vermuthlich erlosch es mitihm, denn von nun an verschwindet es in den Urkunden,und an dessen Stelle erscheinen die Waller als Besitzer.Die Waller sind ein uraltes Geschlecht; da eS aber ver-schiedene adelige Geschlechter dieses Namens gibt, so istnicht bekannt, wo die Bertoldsheimer Waller herstammen.Die Waller starben nach dem Jahre 1504 aus. ImJahre 1509 erscheint ein Hans von Ellrichshausen alsBesitzer von Bertoldsheim . Von diesem Geschlechte kamim Jahre 1638 Bertoldsheim durch Kauf an Gottfriedv. Perling. Die Perling waren eine altadelige Familieaus Franken. Von den Perling kaufte die HofmarkBertoldsheim anno 1712 Franz Fortunat Freiherr vonIsselbach , kurpfälztscher General, k. k. spanischer Ge-

Bertoldsheim.

Original-Aufnahme von Gustav Baader, Photograph in Krumbach. fVervielfülttgungSrecht vorbehalten.;

zum Dorfe Joshofen bei Neuburg schön mit wechselvollenPartien, so bildet doch die Lage Bertoldsheims mit seinemSchlosse eine wahre Zierde und einen der schönsten Punktean der vaterländischen Donau , die sich noch mehr heraus-stellt, wenn man des Dorfes Höhepunkt besteigt und dieentzückende Aussicht genießt über das Donauthal abwärtsund noch mehr aufwärts, bis endlich, das Schmutterthalwestwärts, sich der Blick in den bläulichen Alpengipfelnverliert.

Der Ortsname wurde in verschiedenen Urkunden Per-toltesheim, Bertolhesheim, Berchtoldesheim geschrieben unddrückt nichts anderes aus, als die Heimalh eines gewissenPertold. Dieser Pertold ist wahrscheinlich ein Graf vonLechsgemünd und Graisbach, der selber und sein Geschlechtauch die naheliegenden Besten Hütting, Kunstein undStepperg theils zum zeitweiligen Aufenthalte, theils zumSchutze seiner Besitzungen erbaute. Die Burg, welche diemächtigen Grafen von Lechsgemünd zu Bertoldsheim er-bauten, übergaben sie einem edlen Geschlechte, welchessodann zu ihrem Dienstadel sich rechnete und von dem

neralfeldzeugmeister, Gouverneur zu Mannheim . Ver-sehen mit einem ungeheuren Vermögen, das er auf Eselnaus Spanien transportieren ließ, und angezogen durch dieherrliche Lage des alten Schlosses in Bertoldsheim , be-schloß er den Bau eines ganz neuen, viel prächtigeren,das weit herum nicht seines Gleichen haben sollte. 1714wurde der Bau durch den Jesuitenbruder des Kollegiumsin Neuburg Johann Knör, geboren 24. August 1657zu Dollnstein , gestorben 25. Oktober 1716, begonnenund in ungefähr anderthalb Dezennien vollendet. GeneralMelbach äußerte sich, es bestehe das Sprichwort:Pfaffen- und Soldatengut thue kein gut!" Er wolledieses Lügen strafen und ein Werk herstellen, das Jahr-hunderte von ihm zeugen müsse, und er hielt Wort. Erführte ein herrliches, ganz in italienischem Stile gebautesimposantes Schloß auf, mit 70 Gemächern, das auf einemHügel gelegen von weitem sichtbar ist. Vor dem Schlosseist eine Terrasse mit einem Lindenwäldchen, welche äußerstanziehend ist und einen besonderen Reiz ausübt durchdie herrliche Aussicht über die ungeheure, von der Donau