Ausgabe 
(10.7.1896) 57
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249 Personen. Mitte März waren davon bereits 121Mann sammt Commandant und Vice-Commandant ge-storben, 94 genesen, 14 krank im Spital und nur noch20 Mann vom Fieber unversehrt. Nun kam am 16.März von Nio de Janeiro die Meldung, daß von diesen20 Mann zehn auch noch erkrankt seien, darunter derArzt selbst. Die noch gesunden zehn Mann fuhren nun,ohne den neuen Commandanten abzuwarten, nach denkapverdischen Inseln. Diese Nachricht hat in Rio großesAussehen erregt» aber kein Mensch kann die Handlungs-weise, den letzten Rettungsversuch jener paar Leute, miß-billigen. Nachdem der größte Theil der Leute vom Fieberergriffen war, kam man dazu, Gesunde und Kranke weg-zuschaffen und erstere in Baracken unterzubringen. Eswurde dann eine sogenannte Desinfection vorgenommen,die von der einheimischen Presse der schärfsten Kritikunterzogen wurde und deren Eigenschaften jetzt durch dieweitem Erkrankungen beleuchtet werden.

Eine Jubilarin. In diesem Jahre feiert eineunentbehrliche Dienerin, die fast in jedem Hause zu fin-den ist, ihr fünfzigjähriges Jubiläum: die Nähmaschine.EliaS Howe in Massachusetts war es, der nach langenVersuchen die erste Nähmaschine erfand. Im Jahre 1846wurde seine Erfindung in Amerika patentirt; die Kostendafür konnte er sich nur mit den größten Mühen ver-schaffen. Er hoffte, in England Verwerthung für seineIdee zu finden, jedoch umsonst. Da er die Kosten derReise nicht bestreiten konnte, so nahm er die Stelle einesSchiffskochs an. Als er in die Heimath zurückkehrte, fander, daß Andere seine Erfindung für die ihrige ausgaben.Er mußte einen Prozeß anstrengen und, um sein Lebenzu fristen, als Gehilfe bei einem Mechaniker arbeiten.Schließlich gewann er jedoch seinen Prozeß und erhielteine Entschädigungssumme und 14 Dollars von jeder inAmerika gefertigten Maschine. Bei der bald sich ent-wickelnden Massenproduction wurde er ein reicher Mann.

Kaiser Alexander I. von Rußland war beidem JahreSfeste eines der Pariser Hospitäler anwesend,als die Frauen und Töchter der Protectoren mit Tellernherumgingen, um Beitrüge für die milde Stiftung ein-zusammeln. Dem Kaiser fiel die große Schönheit derjungen Dame auf, welche ihm den Teller präsentirte, undgalant flüsterte er, indem er eine sehr reiche Gabe hin-legte:Für Ihre schönen, glänzenden Augen. Mademoiselle.«Das schöne Kind knixte tief und hielt sofort den Tellernoch einmal hin.Wie!« rief der höchlich erstaunteKaiser, noch mehr?«Ja, Sire", antwortete sie,»diesmal für die Armen.«

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Ein kaltblütiger Redner. Der amerikanische Staatsmann van Buren wurde bei einer Versammlung,als er eine Rede beginnen wollte, sehr mißliebig empfangen.Man pfiff, zischte, heulte und grunzte. Er blieb dennoch,ohne eine Miene zu verziehen, auf der Tribüne, bis dieL-mte sich vollkommen ausgetobt hatten. Dann knüpfte erden Rock zu und entfernte sich mit den kaltblütigenWerten:Nun seid Ihr jedenfalls um eine famose Redegekommen."

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Der andere Mensch. Ein Herr, der die schlimmeGewohnheit hatte, nicht nur einen, sondern sogar zweiSchnäpse auf einmal zu bestellen, befragt, warum er

solches thäte, meinte:Ja, das hat seine ganz eigen-thümliche Bewandtniß: Sehen Sie, meine Herren, wennich einen Schnaps trinke, so werde ich ein ganz andererMensch, und. meine Herren, ich sehe nicht ein, warumder andere Mensch nicht auch einen Schnaps haben soll,was ich zu beachten bitte.«

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Dcg Ztcenkeiiiggute Meinung".

Dn trauliches Sternlein, waS blickst du verstohlenDurch wandelnder Wolken dunklen RißHerab in des Herzens heimliches Grollen,

Als suchtest du hier wohl ein Paradies?

Wohl fühlte ich oft Paradiescs-Wonnen,

Wenn sehnend und hoffend das Herz sich berauscht,

Am trügerisch-sprudelnden Wunderbronnen.

Dem Jugend und Lenz, acht so gerne lauscht.

Doch eitel war all mein Sehnen und Wähnen,

Nur Traum und Schauin das winkende Glück,

D'rnm grüßet aus perlendem Thau der ThränenDich, trauliches Stcrnlein, mein zagender Blick.

Doch tröstend erwidert dein liebliches Strahlen;

Mir ist'S, als rief es in'S Herz mir hinein:

Was nährest du unmuthig heimliche Qualen,

Du Thor, und könntest doch glücklich sein?

Wie die Wolken, die stürmisch am Himmel jagen,Verklärend der Strahl meines Lichtes durchbricht,

So stärkt und verklärt sich in Klagen und ZagenDas Herz in des Friedens sauftschimmerudem Licht.D'rum, wenn dir das Leben nicht Rosen streuet,

Streu' selber dir Rosen in's Leben hinein;

So wirst du, ob es auch stürmt und dräuet,

Inmitten der Stürme doch glücklich sein.« 4. kl.

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Schach aufgäbe.

Schwarz.

Weiß.

Weiß soll mit dein Bauer 62 mattsetzen, ohne einen Bauerzu schlagen. Wir machen auf diese Bedingungsaufgabe ganzbesonders aufmerksam, es ist eine berühmte Kuriosität, das so-genannte Spicßruthenspiel des Marschalls von Sachsen.

Auflösung der Kreuzcharade in Nr. 56:

Ro S be

He I er

Robe, Heer, Ncer, Hero» Hebe, Beer, Erbe.