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Heizkessel und Maschinen aufstellen und die auf jederSeite von ungeheuren hohlen Rädern getragen sein wird,das ist in wenigen Zügen der ungewohnte Anblick, dendiese Schiffe der Zukunft darbieten werden. Die bewegendeKraft wird nicht nur zur Propulsion verwendet, sondernsie wird getheilt werden. Ein Theil wird dazu dienen,den ganzen Bau mit Hülfe von Schrauben oder Schaufel-rädern vorwärts zu treiben, der andere Theil wird dieAufgabe haben, die hohlen Räder zu drehen. Auf dieseWeise wird — dank der Verminderung der Reibung —mit einem Minimum von Kosten und Kraftaufwand einMaximum der Geschwindigkeit (60 Knoten und noch mehrdie Stunde) erreicht werden können.
Das ist nicht eine phantastische Träumerei! Denndie empirischen Annahmen des Herrn Bazin haben nichtnur den enthusiastischen Beifall von Allen, die irgendeinen Namen in der nautischen Welt haben, gefunden,den enthusiastischen Beifall der Ingenieure, der Schiffs-bauer und Schtffstechniker, sondern — was von größererBedeutung ist — sie werden auch durch die mathematischenBerechnungen hinterher von jenen Gelehrten, für die nurdas, was durch Formeln erwiesen ist, extstirt, vollauf bestätigt.
Wenn es der Wissenschaft gelungen sein wird, dasbeste Verhältniß zwischen der propulfiven Kraft und derSchnelligkeit der Umdrehung der rollenden Scheiben zustatuiren, so wird — nach der Meinung der Schtffs-techniker — die nützliche Bewegung ungefähr 60 Procentdes entwickelten Umfanges betragen. Das heißt, einDampfer mit Rädern von 22 Metern Durchmesser, diezu einem Drittel im Wasser eintauchen und die 24 Um-drehungen in der Minute machen, wird 60 Kilometer inder Stunde zurücklegen. Von Hamburg wird man alsonach New-Aork gelangen können in — vier Tagen.
Wir sind allerdings noch nicht so weit; aber wirnähern uns mit Riesenschritten diesem schönen Ziel. Denndas erste rollende Schiff ist — wie das ,W. Tgb/ be-richtet — gegenwärtig in St. Denis, auf der Werft derFirma Cail in Bau. Das wird allerdings kein Riesen-schiff, wie etwa die Amerikadampfer, sein. Aber ein Schiffvon 280 Tonnen, das immerhin etwas. Und das wirddas Tonnenmaß des „Ernest Bazin", des ersten rollendenSchiffes, sein. Dieses Schiff wird 40 Meter lang und12 Meter breit sein; es wird mit einer Dampfmaschinevon 750 Pferdekräften ausgerüstet werden. Die von dieserMaschine erzeugte Kraft wird zwischen einer Schraubeund drei Paaren von drehenden Scheiben — „Rollern"— die jede einen Durchmesser von 10 Metern habenwerden, vertheilt werden.
In einigen Wochen wird das rollende Schiff voll-endet die Schiffswerft verlassen. Es wird die Seinehinabführen und dann nach Nouen remorquirt werden.Von dort wird es nach Havre, dann durch den Canalla Manche und durch die Themse nach London eilen...
Das wird die Probefahrt des rollenden Schiffessein. Sicherlich wird sie glatt, ohne irgend einen Unfallverlaufen.
Warum sollte auch ein rollendes Schiff — das heißtein von Rettungsbojen getragenes Floß — nicht ebensoseetüchtig sein, wie das traditionelle, gewöhnliche, gleitendeSchiff? Ganz im Gegentheil, gerade die Ausdehnungseiner Basts, die Theilung in mehrere sich drehende, voneinander unabhängig autonome Kiele, die nicht unter-gehen können und die im Falle einer Havarie einanderersetzen und unterstützen können, die Durchlöcherung der
Seitenwände, die nicht eine feste Mauer bilden, sonderndie durchbrochen sind usw. usw., sollten dem rollendenSchiff eine größere Stabilität garantiren und es in Standsetzen, mit Leichtigkeit und vollster Sicherheit auch denwüthendsten Anprall des sturmgepeitschten Meeres aus-zuhalten.
So ist denn endlich das Problem der Vergrößerungder Schnelligkeit der Dampfer gelöst: dieses Problem,das bereits ein Schreckphantom für alle Schiffsbauer ge-worden war, an dessen Lösung die Welt schon fast ver-zweifelte. Denn der Widerstand des Wassers wächst jaim geraden Verhältniß mit dem Quadrat der Geschwindig-keit. Daher mußte sich die geringste Vermehrung derSchnelligkeit der Schiffe in einer maßlosen Vermehrungder bewegenden Kraft, das heißt des todten Gewichtes,äußern. Die Zeit schien nicht mehr fern, da man, umeinen Knoten Geschwindigkeit zu gewinnen, auf demDampfer den ganzen verfügbaren Platz der Maschineund den Kohlenkammern überlassen mußte, ganz so, alswenn man gezwungen wäre, einen Expreßzug auf dieLocomotive und auf den Tender zu beschränken!
Nun kam Herr Bazin! Er hat neue Wege einge-schlagen. Er hat mit einem weitaus geringeren Aufwandan Kraft und Gewicht Geschwindigkeiten, die Niemanderhofft hätte, erreicht. Er bietet den „Globe-Trotters"das ideale Paquetboot, den Ultra-rapiden, maritimenLuxuszug, eine Art schwimmender Terrasse, auf der manmit ganzer Brust die würzige Seeluft einathmen könnenwird. Das Schiff, das so schnell wie ein Schnellzug fährt,ist erfunden. (Sonntagsbl. d. „Germania ".)
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Ober-Tiefenbach.
Mit einer Illustration nach photographischer Aufnahme vonI. Heimb ucher, Photograph in Sonthofen und Jmmenstadt.
sVervielfältigungsrccht vorbehalten.)
(Nachdruck verboten.)
In der Nähe der Gerichts- und Schulferien stelltsich mancher der Herren Beamten und Professoren dieFrage: wo werde ich Heuer den Akten-, wo den Schul-staub von mir schütteln? Der eine Ort liegt zu nahe,der andere zu entfernt von der Eisenbahn, der eine bietetzu wenig Naturschönheiten, der andere keine Gelegenheitzur Kräftigung der Gesundheit im Bade, da ist's zuüberfüllt, dort gar zu langweilig, bald hat man zu klagenüber Mangel allen Komforts, bald über die hohen Preise.Den über ihren Ferienaufenthalt zu Rathe gehendenFamilien soll durch diese Zeilen mit einem Bilde ein zwarwenig bekannter, aber alle Ansprüche und Erwartungenbefriedigender Ort genannt sein, Tiefenbach im bayerischen Allgäu.
Tiefenbach , nahezu 1000 m über dem Meere gelegen,ehedem eine Filiale von Fischen, ist von der BahnstationFischen mit Lohnfuhrwerk in einer Stunde, von den Bahn-stationen Langenwang und Oberstdorf in 1 bis 1 */z Stun-den zu Fuß zu erreichen und vereinigt alles, was man sichfür einen Ferienaufenthalt wünschen kann; da gibt eskeine strenge Toilettenordnung, keine rauschende Musik,aber auch keine das Auge und die Lungen belästigendenStaubwolken. Tiefenbach hat eine romantische, gegenrauhe Winde durch die es umschließenden Berge geschützteLage, ringsum ozonreiche Nadel- und Laubwälder undgewährt die Möglichkeit, täglich nicht nur gesundheits-fördernde Promenaden in den Wäldern, sondern auch