Ausgabe 
(28.7.1896) 62
Seite
474
 
Einzelbild herunterladen

474

raubend war und bei dem selteneren Vorkommen ein-zelner Parfumpflanzen oder -Träger auch sehr kostspieligsich stellte, in beliebiger Menge und verhältnißmäßigbedeutend billiger künstlich herzustellen; wenn man trotz-dem zur Herstellung einer großen Anzahl und geradeder feinsten Parfums auch heutenoch die Benützung der natür-lichen Quellen derselben, derBlumen, bevorzugt, so liegt dasdaran, daß wir noch lange nichtalle in der Natur vorkommen-den Wohlgerüche künstlich aufchemischsynthetischem Wege dar-stellen können.

Da das Thierreich und dasMineralreich nur verschwindendwenige aromatische Stoffe er-zeugen, sehen wir uns bei derParfumeriefabrikation hauptsäch-lich aus das Pflanzenreich ange-wiesen, das uns dafür aber aucheine fast unbegrenzte Leiter vonWohlgerüchen der verschiedenstenArten liefert. Aromatische Stoffeenthält fast jedes Gewächs, undztvar oft in seinen verschiedenenTheilen wie Wurzel, Stengel,

Blüthen, Blättern und Früchtenwesentlich verschiedene. Doch spielen bei der Parfum-Fabrikation die Blüthen der Pflanzen die ersteRolle, und gerade bei der Gewinnung der Parfums ausden Blüthen oder, besser gesagt, den Blumenblätternhält man noch heute die seit Alters her bewährten Wegefast unverändert ein, wenn man natürlich auch, wo esangängig, die Hilfsmittel der modernen Chemie undTechnik durchaus nicht verschmähte. Diese conservative

widerlegende Vorurtheil mit, daß nur die unter einemmilden, südlichen Himmel gedeihenden Blumen das zurPar'umbereituug passende und sie lohnende Aroma invollem Maße besäßen, so daß man z. B. in Deutschland ,das in der Reihe der Parfums verarbeitenden Länder

Die Kunsthalle.

Seite der heutigen Parfumfabrikation äußert sich fernerauch noch darin, daß sich der Kreis derjenigen Pflanzen,die man bei derselben verwendet und der ein ziemlicheng gezogener war, durch die Verwendung bisher nichtbenutzter Gewächse nur unwesentlich erweitert hat. Dabeiwirkte übrigens auch das wie alle anderen schwer zu

Das Weinhaus.

eine der ersten Stellen einnimmt, erst in den letztenJahrzehnten ernstliche Versuche gemacht hat, auch denDuft unserer zahlreichen, gewürzhaft riechenden, einhei-mischen Blumen in das Bereich der Parfumfabrikationeinzubeziehen. Diese Thatsache ist um so auffallender,wenn man bedenkt, daß z. B. der Duft unseres beschei-denen nordischen Veilchens anerkanntermaßen für bedeutendzarter und feiner gilt, als der seines prunkhaften süd-ländischen Verwandten.

, Allerdings wird man einwenden

Q hören, daß unser Klima für Blumen-

culturen im Großen, wie sie an derRiviera betrieben werden, nicht geeignetsei. Dieses ist aber auch wieder nurein ganz unbegründetes Vorurtheil, daes sich durchaus nicht einsehen läßt,warum bei uns seit jeher oder dochschon seit Jahrhunderten einheimischePflanzen nicht ebenso gut im Großenwie im Kleinen cultivirt werden könnten,und die in der Umgebung Leipzig's vor mehreren Jahren von einer dortigenFirma unternommenen Versuche, Rosenbehufs Gewinnung von Rosenöl imGroßen zu ziehen, haben jenes Vor-urtheil durch den dabei erzielten prak-tischen Erfolg glänzend widerlegt. Miß-erfolge können derartige Versuche, dieschon aus nationalökonomischen Grün-den durchaus zu befürworten.^und zuunterstützen wären, jedenfalls nur dann haben, fallsman Züchtungsversuche mit Pflanzen unter-nimmt , die unser Klima in seinen oft bedeutendenSchwankungen nicht vertragen, oder falls man glaubt,das im Süden erprobte und bewährte Anbauverfahrenganz unverändert auf unseren Himmelsstrich und aus