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die Klosterkirche zu Diessen übertragen wurde, wo so vieleaus dem gräflichen Hause ihre Ruhestätte gefunden haben.Auf Bitten der Bürgerschaft wurde der hl. Leib im Jahre1681 wieder in die Mutterkirche Sankt Georgen, jedochnach der Neuerbauung der Klosterkirche in Diessen , 1739,zum zweiten Male dahin gebracht, der alten Kirche abervon Propst Herkuban eine Partikel zurückgelassen. Seit1806 ist die ehemalige Klosterkirche Sankt Georgen Filial-kirche von Diessen ; dort befindet sich auch der Gottesackerfür die Gemeinde-Angebörigen mit dem schönen Grab-male der freiherrlichen Familie von Weinbach . Auchmehrere nach Aufhebung des Klosters im Jahre 1803verstorbene Ordensgeistliche ruhen hier, und die Frauenvom Orden des heiligen Dominikus haben auf diesemsehr malerisch gelegenen Friedhofe ihre ewige Ruhestätte.— Von Sankt Georgen aus führt in südlicher Richtungein schattiger Weg zum Burgwalde ; von diesem zweigtrechts ein Fußweg ab zum Mcchthildis-Brunnen und zudem auf der ehemaligen Burgplaine gelegenen, um dasJahr 1792 erbauten Kapelle, in welcher sich ein Missions-kreuz befindet, welches im Jahre 1728 aus der SanktGeorgen-Pfarrkirche von dem Wirthe Thomas Hccher inden Burgwald gebracht und an einer Buche aufgestelltwurde. Dort blieb es, bis ein Diessener Maurermeistereines Gelübdes wegen, die Kapelle erbaute.
Der Mechthildis-Brunnen bezieht sich auf die frommeAebtissin in Diessen , eine Tochter des Grafen Berchtold II.von Diessen , welche am 31. Mai 1160 im Rufe derHeiligkeit starb. Das Brünnlein ist der Ausfluß desPumpbrunnens vom ehemaligen Schlosse Sconeberg —Schönberg, in welchem Gräfin Mechthild im Jahre 1127geboren wurde. Seit 1885 ist das Brünnlein neu ge-faßt, die Statue der Heiligen darin aufgestellt und einekapellenartige Ummauerung hergestellt.
--SAWLS-
Allerlei.
Zum Tabakjubiläum schreibt uns ein Leserdes Unterhaltungsblattes: In Nr. 64 ist das vierhundert-jährigeTabak-Jubiläum erwähnt. Welch rasche Ver-breitung dieses Kraut bis in die entlegenen Vogesen -Thäler fand, beweist nachstehende Beilage von 1508, ausder Kloster-Chronik von Thann wörtlich abgeschrieben:„Chronik von Thann (Elsaß ) oder Annales der Baar-füßern 8t. I'ra.nL. Orä. von ?. F. Malachias Tschamser1724 (Colmar 1864). 1508 den 2 Martij ist leyderlunser armes Baarfüßer Closter allhier zu Thann aber-mals liederlicher weiß bis an die Kirch allein (welchezwar erhalten, aber übel zugertcht und verderbt worden)verbrunnen, und ist der Brand angangen in derGesind-stuben*) Nebenskawmer, in dem hindern Baw(Bau), allwo die Knecht, welche Fastnacht gehalten undwohl bezecht sich nider gelegt und Tabakh geraucht, imBeth die Pfeiffen verwahrlost sambt dem Feuer, welchesalsobald die Bethstatt sambt dem Beth und Stroh er-griffen und angesteckt, daß also die elende Tropffen,halb gebrathen, aus dem Beth gesprungen und, Lufftsuchend, die Thür geöffnet; sobald das gluntzende FeuerLufft bekommen, ist es in eine einzige Flammen aus-
*) Ich habe viele Kloster-Annalen und Geschichten gelesenund immer gefunden, daß alle Klosterbrände (Kriegszeiten aus-genommen) auf Unvorsichtigkeiten in den Ges indst üben zu-rückzuführen sind, meistens Uekerheizung der Leren.
gebrochen, und weil es nach Mitternacht, da Alles imersten Schlaff, kunnt Niemand löschen, musste also Allesverbrennen und kunnte wenig balvisrt werden. Also hatuns leyder der nervlich aus Indien (Amerika ) heraus-gebrachte leydige Tabakh das größte und erste Unglückhund leydige Specktakul mitgebracht. Gott behüte alle ehr-liche, fromme Leut vor Unheil."
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Verrathen. Wittwe: „Seit dem Tode meinesMannes suche ich vergeblich nach einem Trost!" —
Pfarrer: „Ich wüßte Ihnen einen." — Wittwe:
„Wie alt ist er?"
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(Zu unserem Bild Seite 504 und 505.)
Die Gedüchtnißkirche für König Kudwig ll.van Daycrn.
Am Ufer des Starnberger See's , unweit jener Stelle, woder geliebte, mit dem hinreißenden Zauber persönlicher Liebens-würdigkeit begabte und dann von einem furchtbaren Geschickheimgesuchte König Ludwig II. von Bayern sein tragisches Endefand, wird sich demnächst em Gotteshaus erheben, das die Be-sucher des lachenden Geländes zu stiller Einkehr, zu frommerAndacht und zu wehmuthsvoller Erinnerung an den in derBlüthe der Jahre dahingeschiedenen Fürsten ladet. Schloß Bergam Starnberger See , einst sein Lieblingsaufenthalt, war dieletzte Wohnstätte des unglücklichen Königs, und nachdem er amAbend des Pfingstsonntags 1886 das Schloß verlassen, hatman ihn lebend nicht wiedergesehen. Die Umstände, unter denendaS Furchtbare geschah, werden nie aufgeklärt werden, denn dereinzige Zeuge des schaurigen Vorganges fand gleichfalls denTod, aber die Stätte des Unheils ließ sich doch mit Gewißheitermitteln, und ein schlichtes Erinnerungszeichen ward vorläufigerrichtet. Auf Anordnung S. k. H. des Prinzregenten Luitpoldwird nun oberhalb dieser Stätte eine Gedächtnisckirche erbaut,deren Grundsteinlegung am 13. Juni erfolgte, bei der zehn-jährigen Wiederkehr des Tages, an dem das Unheil geschah.Den Hammerschlag führend, sprach Priuzregent Luitpold dieschönen Worte, die sinnfällig die Empfindung des bayerischenwie des ganzen deutschen Volkes wiedergeben: „Zur frommen,wehmüthigen Erinnerung an den unglücklichen, schwergeprüften,von seinem Volke treu geliebten König." Unsere Abbildung zeigtneben dem Schlosse Berg die Gedächtnißkirche, wie sie bald amlieblichen Gestade des Starnberger See's sich erheben wird.
Schachaufgabe.
(Indisches Problem.)
Schwarz.
Weiß.
Weiß zieht au und setzt mit dem 4. Zuge matt
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