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der injizirken Flüssigkeit ab. Der Augendruck war nachVollendung des Eingriffes, der völlig schmerzlos für denPatienten verlief, normal; die Pupille, die absichtlich vor-her durch Atropin nicht erweitert gewesen war, hatte sichentschieden vergrößert. Der Patient wurde mit gewöhn-lichem einseitigem Druckverband zu Bett gebracht. DasAuge besserte sich unter leichten Schwankungen von Tagzu Tag. Seit Ausführung der Operation ist nun (imApril 1895) über ein Jahr vergangen, und das Seh-vermögen hat sich noch weiter gebessert." Nachdem HerrProfessor Deutschmann noch Berichte über weitere glück-lich verlaufene Operationen derselben Art geschildert,kommt er zu dem Schlüsse: „Ich glaube, man wird zu-geben müssen, daß die Heilmethode in allen diesen Fällenan sonst der Erblindung überlieferten Augen so viel ge-leistet hat, daß ein Versuch mit derselben nicht nur ge-rechtfertigt, sondern Pflicht ist. Schiebt sie, auch den un-günstigen Fall eines späteren Rezidivs (Rückfalls) ange-nommen, die Erblindung auf einige Jahre hinaus, sowäre selbst dies ein für derartige Unglückliche resp. vonderartigen Unglücklichen gewiß anzuerkennender Gewinn,abgesehen davon, daß sich bei einem etwaigen Rezidivdieses Heilverfahren natürlich sofort wieder in Anwendungbringen ließe."
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Altvaterischer Stil. Die guten alten Zeiten,welche von so manchem herbeigewünscht werden, habendoch auch so manche Schattenseite gehabt und sich durchmanche Eigenschaften ausgezeichnet, welche man nicht ge-rade als über alles Lob erhaben bezeichnen kann. Einesolche recht bedenkliche Eigenschaft, wie sie jetzt, dank denguten Schulen, selbst nicht «ehr in den untersten Schichtendes Volkes vorkommen würde, war der Mangel im Stili-sieren; von diesem aber dürfte folgende Probe aus einemZeugniß, welches ein Richter einem Nachricht« allenErnstes ausstellte, ein ganz besondes schlagender Beweissein. Dies Zeugniß lautet unter Weglassung einigesunnöthigen Beiwerkes wörtlich wie folgt: „Daß der Nach-richt« von Pekelnberg, I. St., den p. p. Sch. nichtnur wohl und zu meinem besondern Vergnügenenthauptete, sondern auch vordem einen Beisassenüber die Maßen wohl gehenkt, also daß man indergleichen Fällen sehr gut von ihm bedientwird, ein solches bescheinige ich hiemit. Den 9. Januar1709. N. N-"
Wie theuer baS Leben beim Militär ist.Drei Väter klagen einander auf der Rückkehr aus demBadeorte R. im Eisenbahnwnggon ihr Leid, wie theuerdas Leben beim Militär sei, wo Jeder von ihnen einenwohlgerathenen Einjährigen stehen hat. Papa Nr. 1blickt finster drein und spricht: „Bei der Kavallerie dienter, mein Sohn, und im letzten Monat hab' ich ihm1000 Mark schicken müssen, weil er ein ürarisches Pferdzu Schanden geritten hat und ersetzen mußte." PapaNr. 2 schlägt eine bittere Lache auf und sagt: „Unddas genirt Sied Lumpige 1000 M.d Mein Sohn,hören Sie, hat mir's nicht so billig gethan. Freilichdient'er bei der Artillerie. Letzten Freitag bekomm' ichvon ihm eine Rechnung üb« 11,400 M. — eine Kanon'hat er zerbrochen . . Papa Nr. 3 springt mit ge-
sträubtem Haar von seinem Sitze auf und schreit ver-zweifelt: „WaS ist all' das im Vergleich zu dem Geld,das ich werde bezahlen müssen I Mein Herr Sohn dientbei der Marine.- In der vorigen Woche befiehlt ihmfein Admiral: „Kraxeln Sie auf den Masibaum hinaufl"Mein Sohn gehorcht natürlich, er kraxelt und kraxelt,und wie er ganz oben ist, füllt er mir herunter undzerbricht mir den ganzen Meeresspiegel. Gott weiß,was ich werd' zahlen müssen ..." — Es ist unglaub-lich, wie theuer das Leben beim Militär ist!
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Die zehnGebote für denSommerfrischler.1. Achte den Bauernstand und seine Grundsätze; dennohne Bauern gibt es keine Herren; er ist die Stütze desThrones. 2. Steh' früh auf und leg' dich zeitlich nieder,dann wird dich kein Lärm stören. 3. Verehre das Rind-vieh, insbesondere die Kühe und störe' ihre Freiheit nicht,denn nur so bekommst du Milch und Butter, welche dirso angenehm sind. 4. Schmähe nicht über die Dünger-hausen; durch sie kleiden sich die Felder und Wiesenimmer im frischen Grün. 5. Störe nicht den Herzens-frieden der Landmädchen. 6. Sei bescheiden in deinenAnsprüchen, denn je weniger du begehrst, desto zufriedenerbist du. 7. Spotte nicht über Einfalt und Natürlichkeitder Landleute, du kannst von ihnen lernen. 8. Verpestenicht mit Moschusgestank die würzige Bergluft. 9. Wenndu ein Christ bist, so feilsche nicht. 10. Sei nicht stolz;der Bauer urtheilt scharf und richtig, indem er sagt:„Dummheit und Stolz wachst auf oan Holz!"
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EineNiesenuhr. Als größte Uhr der Welt dürftewohl mit Recht die im Thurme des Rathhauses zuPhiladelphia untergebrachte zu bezeichnen sein. Das Ziffer-blatt derselben besitzt einen Durchmesser von 10 ru, wäh-rend der Minutenzeiger eine Länge von 4 w, der Stunden-zeiger eine solche von 2^/z ru ausweist. Die Glocke fürdas Schlagwerk hat ein Gewicht von circa 25,000und ist zum Aufziehen der Uhr eine eigene Dampf-maschine, die in dem Thurm untergebracht ist, erforder-lich. Der Größe der Uhr entsprechend, ist dieselbe so hochaufgestellt, daß sie von allen Punkten der Stadt sichtbarerscheint, und wird dieselbe nachts elektrisch beleuchtet, umauch bei Dunkelheit allseitig gesehen zu werden.
Praktische Wissenschaft. Frau: „Aber, Männ-chen, was machst Du denn da l Du solltest mir doch dieEnte tranchiren." — Professor: „Ja, ich Photographiresie eben mit X-Strahlen, um mich über das Knochen-Gerüst zu orientirenl"
Schlimm und schlimmer. Herr: Fräulein R.singt auch nicht mehr so gut, als vor Jahren!" —Fräulein: „Ach, es muß schrecklich sein, wenn eineSängerin merkt, daß sie ihre Stimme verloren." —Herr: „Noch schrecklicher aber, wenn sie es nicht merkt."
Schöne Aussicht. A.: „Ich habe jetzt eineStelle in einer Pulvermühle." — B.: „Dableiben Sienur, lieber Freund. Sie haben da alle Aussicht, einesTages in die Höhe zu kommen."
Ländliche Diagnose. Bauer: I woaß uet,was dös is, Bader, an Katarrh hob' i, an Husten undüberall reißt's mil — Bader: Lös macht nix. Woaßt,