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Die alte Wallfahrtskirche zu Vilgertshofen .
(Mit Bild.)
Im Kreise Oberbayern , im k. b. Bezirksamt Lands-berg, nördlich von Epfach , zwischen Pflugdorf und Reich-ling, liegt in der kathol. Pfarrei Stadl am rechten Lech -ufer, gegenüber der Eisenbahnstation Asch-Leeder, derWeiler Vilgertshofen mit seiner alten Wallfahrts-kirche, einem der schönsten Denkmäler deutscher Baukunst.
Das hohe Alter von Vilgertshofen ist verschiedent-lich bezeugt, und schon in den ersten Jahren, als dasChristenthum in Bayern Eingang fand, soll an der Stelle,wo heute die große, schöne Kirche steht, ein Castrum ge-standen haben, eine Tradition, die dadurch an Wahr-scheinlichkeit gewinnt, daß die Lage der Kirche als einesolche ins Auge fällt, wie sie für ein Kastell jener Zeitgeeignet war, auf einem Hügel, der gegen Osten undSüden steil abfällt, gegen Norden und Westen aber sichin einer Hoch-ebene fortsetzt, diesich bis an denLech ausdehnt,der bei Mund-raching einestarke Krüm-mung macht. DerOrt und dieKirche werdenzum ersten Malein dem Kalen-darium des Wes-sobrunner AbtesBenedikt ('s 943)erwähnt. Ueberden Ursprung deshölzernen Ma-rienbildes (einerPietü) in Vil-gerlshofen istnichts Näheresbekannt. DemStil nach stammtdasselbe aus derZeit der Spät-gothik, aus demEnde des 15.
Jahrhunderts. Die in der Kunst des Sengens und Bren-nens bewanderten Schweden fanden die Figur undwarfen sie ins Feuer; sie verbrannte aber nicht, sondernwurde nur stark beschädigt. Cölestin Leutner (1753)berichtet über den Zustand der Statue vor dem 30jäh-rigen Kriege in folgender Weise: „Die schmerzhafteGottesmutter sitzt unter dem Kreuz und hält den Leich-nam ihres Sohnes auf dem Schoß. Die Statue galtals Kunstwerk der Plastik, war eine Zeit lang verlorenund wurde nach ihrer Wiederausfindung so kunstfertigbemalt, daß man im Zweifel war, ob dem Maler oderdem Bildhauer der Vorzug gebühre ..." Um sie etwashöher zu stellen, fertigte man 1618 einen Sockel an, aufdem sie befestigt wurde.
Da die Kirche im Laufe der Zeit zu klein gewordenwar, so wurde 1281 von Abt Ulrich III. eine neue undgrößere gebaut. Zu dieser Zeit waren jedoch schlimmeZeiten im Lande; die Fehden zwischen den Herzögen
Rudolph und Ludwig von Bayern, der Krieg des KaisersLudwig mit Friedrich dem Schönen von Oesterreich, inwelchem 1315 Landsberg eingeäschert und Liessen zer-stört wurde, ließen auch Vilgertshofen nicht unberührt.Nach dem 30jährigen Kriege hob sich die Wallfahrt wieder,namentlich unter dem würdigen Pfarrer NikolausPraun, der kurz vor seinem Tode (1682) nach Augs-burg reiste und bet dem dortigen Ordinariat eine Vor-stellung einreichte, in welcher er erklärte, daß bei dergroßen Anzahl von Kommunikanten, die sich jährlich inVilgertshofen einfinden, diese Wallfahrt am besten demKloster Wessobrunn , zu dem sie vor dem 30jährigenKriege gehörte, wieder zugewiesen werde, was nach seinemTode auch geschah.
In Wessobrunn regierte damals Abt LeonhardWeiß von Fürstenfeldbruck , aus der Bürgerfamilie, dieheute noch das Post-Anwesen inne hat. Er übernahmdie Kirche von Vilgertshofen und ließ sie in den Jahren
1687 bis 1692durch den Bau-meister JohannSchmuzer ausWessobrunn umdie Summe von30,000 Guldenneu aufbauen.
DieKirche faßt6000 Menschenund ringt heutenoch jedem Be-schauer Bewun-derung ab. Sehrviel für die Kirchethat der Nach-folger des Er-bauers AbtVirgilius ZDallmayr.Erließ das hölzernePriesterhaus ab-brechen und durcheinen neuenSteinbau er-setzen, worauf erdie Pfarrei vonJssing nach Vtl-gertshofen verlegte. Dies blieb so bis zur Säkularisation imJahre 1803, in welchem Wessobrunn vom Staate ein-gezogen und die Kirche von Vilgertshofen — zum Ab-bruch bestimmt wurde. Allein trotz der wiederholten Ab-bruchbefehle blieb dieselbe stehen.
Die Kirche zu Vilgertshofen ist in Kreuzesform er-baut. Den Chor umgiebt ein Umgang, der in den untern,nur durch Thüren mit dem Prcsbyterium verbundenenTheilen Sakristeiräume enthält, oben aber in hohenBogensiellungen gegen die Kirche sich öffnet. Westlichschließen sich an den länglich rechteckigen Mittelraum zweiThürme an, hinter welchen eine abgerundete Vorhalle mit3 Eingängen folgt. Ausgebaut ist nur der Südthurm.In der Vorhalle befindet sich eine auf 6 Säulen ruhendeMusiktribüne, welche von den Thürmen aus zugänglichist. Von dem innern Kirchenraum wird die Vorhalledurch ein großes eisernes Gitter abgeschlossen.
Die Wandgliederung des Innern der Kirche besteht
1896.